Was für eine Nacht…

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Es gibt diese Abende, da passt alles zusammen. Die persönliche Stimmung, die Vibrationen, die Schwingungen unter den Anwesenden, die Location. So passiert am Donnerstag Abend, 16. September 2005. Im „Grünspan“ in Hamburg, einem alten kleinen Theater auf der Großen Freiheit, in dem Keimzeit eines ihrer vermutlich stärksten Konzerte auf der „Privates Kino“-Tour spielten.

Sechs Mannen auf der Bühne, sechs Brüder im Geiste und ein klares Ziel vor Augen: sich und uns – bitte um Verzeihung – den Arsch abzurocken. Nach allen Regeln der Kunst.

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Der „Grünspan“ – keine 200 Meter Luftlinie vom Indra-Club entfernt, immerhin die Live-Wiege der Beatles, war stark besucht – und somit ein zwar präzis gerockter, aber absolut enttäuschend frequentierter Abend im Bremer „Tower“ gewissermaßen ausgebeult. Das Hamburger Publikum (von wegen hanseatisch unterkühlt) war von Anfang an heiß auf den Sechser aus Belzig, spendete kräftig bis euphorisch Applaus – auch für neue Nummern, die sich noch nicht so sehr in die Gehörgänge eingefräst haben. Die Band reagiert mit ungezügelter Spielfreude, mit Lust, Rudi Feuerbachs Gitarren-Solo in „Bunte Scherben“ beispielsweise, das war Carlos Santana in höchster Potenz. Ralf Benschu schwebte durchgehend in Höchstform durch die Arrangements. Roland Leisegang an den Drums flutscht vor lauter entfesselter Energie einmal ein Trommelstock ins Publikum, Spatz Sperling, der sich jüngst einen Vollbart sprießen lässt, kommt aus seinem soulful beseelten Dauergrinser gar nicht mehr heraus: schön – denn so sehen wir ihn am Liebsten.

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Es ist dieses Feeling von angenehmer Lässigkeit, daß sich an diesem Abend durch das ganze Programm zieht. Die Band variiert geringfügig, aber ausgesprochen klug ihre Setlist. Zum Beispiel das anmutige „Projektil“, das in einem fulminanten E-Dur endet und fließend in das majestätische „Windstill“ (gleiche Tonart) hinüberbrandet. Ein hervorragender Effekt. Ein herausragendes Konzert.

Keimzeit-Bekannte wurden übrigens auch gesichtet: Walter Welke, der die jüngsten Platten-Cover gestaltete und einst für Palais Schaumburg ins Mikro röhrte, weilte im Publikum. Produzent Franz Plasa wiederum war zur Pop-Komm in Berlin verabredet.

Und auch das gabs: Teile des elektrofeld-teams unter Regie von T. Brumm haben sich erstmals im „realen Leben“ getroffen und zum Interview mit Norbert Leisegang verabredet – Eindruck: ein nahbarer, ehrlicher und sympathischer Zeitgenosse. Das Fazit: man muss diese Band einfach lieben. Ihre Songs. Ihre Texte. Mit ganzem Herzen.

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