Zwiebelduft in der Luft – K! in Weimar

Posted on Updated on

Dirk Hardegen hat herumgeschnüffelt.
Um mich herum schießen wilde Gerüchte ins Kraut: „Der Hartmut Leisegang, der ist gar nicht mehr dabei. Da hats ganz fiesen Streit gegeben und da haben die den einfach rausgeworfen“, doziert eine Mittdreißigerin mit wichtiger Mine vor ihren zwei entsetzt dreinblickenden Freundinnen.

Gemeinsam stehen wir vor der großen Bühne auf dem Weimarer Theaterplatz, wo oben – genau vor uns – ein gewisser Hartmut Leisegang seelenruhig seine Bassanlage fertig aufbaut und letzte Einstellungen vornimmt…
In Weimar ist Zwiebelmarkt – ein riesiges Volksfest also – das Radio hat schon vor zwei Stunden gewarnt: „In der gesamten Innenstadt kein Parkplatz mehr frei“. Dafür ist der Keimzeit-Gig frei – irgendein Kreditinstitut, irgendein Lokal-Fernsehsender haben das Konzert gesponsert.

So etwas nimmt man natürlich gerne mit. Und so gesellen sich neben eingefleischten Liebhabern viele Schaulustige vor die Bühne, die auch mal „Kling Klang“ hören wollen oder dem Phänomen Keimzeit sonst wie auf die Schliche zu kommen wünschen; eine Lederjacke neben mir mit lichtem Haarkranz auf der hohen Stirn macht Witzchen: „Wenn die immer nur mehrstündige Konzerte spielen, dann brauchen die wohl ziemlich lang bis sie auf den Punkt kommen. Ich kenne Bands, die haben in 20 Minuten alles gesagt.“

Einige Stoßseufzer meinerseits später – der Techniker hat anfängliche Sound-Probleme endlich doch noch überwunden – hat die Lederjacke kapituliert und wippt mit im Takt – 1:0 für Nobbi und Co.

Die Oldie-Fraktion ist stark vertreten: „Nathalie“ wird lautstark verlangt, beim „See voller Tränen“ schaufelt sich ein langmähniger Hüne ohne Rücksicht auf Verluste oder gar die Kinder vor mir durch die Massen nach vorn – mit leuchtenden Augen singt er erstaunlich textsicher mit dem vollbärtigen Spatz-Sperling. Das (gottlob) modernisierte „Kapitel 11“ weckt Skepsis in meiner Nachbarschaft – die noch befeuert wird durch Norberts Absage „…wir wundern uns manchmal auch, was aus den Stücken so wird, mit der Zeit…“ (…)

Fazit: Die Band hat solide gespielt – bedenkt man, dass sie einen stressigen Tag hinter sich hatte (auf den Fahrt von Eisenach nach Weimar verreckte der Band-Lkw, die wichtigsten Anlagenteile mussten rasch umgeladen werden) – im Publikum habe ich mich bei Keimzeit-Konzerten schon wohler gefühlt.

Comments are closed.