„Keimzeit“ hat im Schloss Bellevue gerockt

Posted on Updated on

Gastspiel bei Bundespräsident Horst Köhler am Mittwochabend war sechs Titel lang

von RENÉ GAFFRON

BERLIN: Dass es die Gruppe „Keimzeit“ gibt, war Horst Köhler schon bekannt. Jedoch gibt er nicht den Wissenden und gesteht den Musikern: „Mein Sohn hat bestätigt, dass Sie gut ins Programm passen würden.“ Mittwoch, kurz vor Mitternacht, hat sich der Bundespräsident ein paar Minuten genommen, um mit der Bruderschaft Leisegang &Co kurz zu plaudern.

bellevue01.jpg
Sie hat zuvor zum Erfolg eines ganz besonderen Konzertes beigetragen, bei dem der 63-Jährige in der ersten Reihe kräftig mitgegangen war. Spielort war der soeben aufwändig restaurierte Sitz des Staatschefs – Schloss Bellevue im Herzen der Hauptstadt. 250 zumeist junge Leute aus allen Bundesländern, die sich ob ihrer Erfolge in Wettbewerben oder mit ihrer ehrenamtlichen gemeinnützigen Tätigkeit den exklusiven Eintritt verdient hatten, haben dort entspannt den deutschsprachigen Rock ’n‘ Roll gefeiert. Gemeinsam mit Stefan Stoppok aus Essen, „Mariannenplatz“ aus Berlin und „Juli“ aus Gießen hat das Sextett aus dem Fläming nämlich eine Veranstaltungstrilogie beschlossen, mit der die Kulturschaffenden der Nation gewürdigt werden sollten. Zuvor hatten bereits Kabarett- und Klassikabende aus diesem Anlass an gleicher Stelle stattgefunden.

bellevue03.jpg

Für ihren 30-Minuten-Auftritt hat die Kapelle aus Lütte vor allem Klassiker ausgesucht. Auf der Setliste standen mit „Irrenhaus“, „Hofnarr“ und dem Ton-Steine-Scherben-Titel „Mensch Meier“ mehr oder weniger gesellschaftskritische Beiträge, während der Ohrwurm „Kling Klang“, die Ballade „So“ und „Maggie“ als Zugabe das breite Spektrum der Band dargestellt haben. Positiver Nebeneffekt dieser Wahl: Das Publikum hat sich als textsicher erwiesen und den Künstlern so eine gute Basis bereitet.

bellevue04.jpg
Die Einladung des Bundespräsidialamtes hat die Gruppe „Keimzeit“ so verstanden, wie sie laut Referentin Lydia Todt gemeint war: eine Wertschätzung. Und im Gegensatz zu früheren Engagements bei der Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ oder gar im SPD-Wahlkampf, die von der Formation konsequent begründet und erst recht nicht bereut werden, fühlten sich die Musiker diesmal fast unpolitisch.

Um so gespannter waren sie auf das Zeremoniell gewesen. Es hat sich als streng geplant, aber deutlich weniger steif umgesetzt erwiesen. Hatte es zunächst beim Aufeinandertreffen vor dem Konzert lediglich zum Händeschütteln und zum arrangierten Fototermin mit Horst Köhler gereicht, so war später eben doch noch Gelegenheit, intensiver ins Gespräch zu kommen.

bellevue02.jpg
Künstler im Schloss(Zusammenfassung der Trilogie), Sonntag, 21.05 bis 22 Uhr, Deutschlandfunk (97,7 MHz).

Märkische Allgemeine Zeitung vom 24.03.2006 (Fläming Echo)

Ebenfalls geht ein Danke Schön an Dirk Tscherner und René Gaffron für die Bereitstellung der Bilder.

Comments are closed.