HEIMSPIEL

Posted on Updated on

Wir haben es uns zu schön gemalt. Raus aus dem beschaulichen Boizenburg und der Minimetropole Schwerin in die weite Welt. Im Cabrio mit Sonnenbrille würden wir, Frau am Steuer mit im Wind wehendem dunklen Haar, an der Belziger Burg aufschlagen. Der Wagen ist voll getankt, die Sonne zeigt ihre schönste Seite – es könnte durchaus ein schöner Tag werden. Dem steht eines im Wege. Uns verfolgt das Pech auf der A24 aus Richtung Hamburg nach Berlin.

Cynthia

Ein wiederholtes Mal verreckt uns die Karre mitten auf der Strecke. Voll im Fahrtwind wird das Auto langsamer, der Motor wärmer und bei 110°C entscheiden wir uns, kurz rechts ran zu fahren. Mit Respekt loben wir den netten Herren der Gelben Engel. „Lassen sie ihn lieber stehen.“, meint dieser trocken. „Der macht nicht mehr lange bei dem Wetter!“ Glücklicherweise ist Torsten ADAC Plus Mitglied, so bekommen wir einen Leihwagen gestellt und können unseren Weg alsbald fortsetzen.

Rene und Birgit

Pünktlich zur Kaffeezeit kommen wir auf einen Tropfen kühlen Gebräus auf der Burg an, wo uns unsere Efeld – Mitstreiter erwarten. Diese haben ihr erstes Bier bereits hinter sich und sind äußerst gut gelaunt.

Torsten und Dominik

Wenig später erscheinen auch Norbert und Rudi. Eis schleckend, auf dem Rücken Taschen und Instrumente schlendern sie auf uns zu und gesellen sich an unseren Tisch, um sich bei Apfelsaft, Wasser, Salat und Zuckerschnecke zu stärken. Pö a pö erscheinen auch die restlichen Bandmitglieder und wir formatieren uns zu einer geselligen Runde diskutierend über neueste Musik, gute Konzerte, Gott und die Welt.

Rudi/Birgit

Dominik und Norbert

Hernach ist es an der Zeit zum Soundcheck und für uns heißt es, das Hotel aufzusuchen, sich frisch zu machen und für den Abend herzurichten. Im Heimatland der Rockmusik und Hochburg guten Geschmacks, möchte man ja auch einen guten Eindruck hinterlassen.

Burg1

Das Hotel „Belizi“, welches schon Größen beherbergte, wie Jürgen Drews und die Wildecker Herzbuben, nahm nun auch uns auf und nach Zweitgenannten konnten wir sicher sein, das Bett für jeden Einzelnen ist groß genug und hält stand!

Wir erkunden noch ein wenig die Burg und Belzig, lassen uns vom Sicherheitspersonal zeigen, wie das so geht, mit der Sicherheit – die Band kann eröffnen!

Security

Mittlerweile ist es 21:00 Uhr, die Nacht bricht allmählich herein und Norbert und Co. entern die Bühne. Konzertbeginn ist ein tobender Applaus des Publikums. Bekannte Gesichter, Freunde, Familienmitglieder der Band sind zahlreich erschienen. Anfangs sichern wir uns einen Platz direkt vor der Bühne, um jede Gestik und Mimik des einzelnen Künstlers beobachten zu können. Der atemberaubende Klang und die geniale Stimmung jedoch halten uns nicht lange dort.

Rene Gaffron

Wir begeben uns ein Stück weit nach Hinten, mit genügend Tanzbereich. Wir sind uns einer Meinung. „Betty May“ zum Tanzen könnte Stunden andauern. Nach „See voller Tränen“ kündigt Norbert einen weiteren Mitspieler an. Peter Schmidt, er übernahm kurz Norberts Part, als dieser zur NVA berufen wurde, sollte auf der Gitarre die Band zu „Jesus, etc“ (Wilco) unterstützen. Das Gitarrenspiel von Peter war ein genussvoller Gänsehautverursacher.

Fans3

Rudi

Die Musiker, im Vergleich zu vorherigen Konzerten, sind außerordentlich locker und entspannt. Brav spielen sie eine Zugabe nach der anderen, lassen sich vom Publikum Songwünsche reichen und albern ausgelassen auf der Bühne herum. Die schönste Sicht an diesem Abend ist das Blicken in die Gesichter des anwesenden Publikums.

Fans4

Nie zuvor konnten wir viele entspannte, fröhlich mitsingende Leute sehen. In jedem Gesicht ist deutlich zu lesen, wie viel Spaß ihnen dieser Abend bereitet, wie viel Spaß ihnen die Musik von Keimzeit macht!

Hartmut

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert, beschließen wir und sehen uns im Burgkeller das Peter Schmidt Duo an. Lange allerdings halten wir es dank Müdigkeit nicht aus und hören die Federwelt nach uns schreien. Unsere Mitstreiter halten durch. Am nächsten Morgen beim Frühstück im „Belizi“ erfahren wir, auch nur eine Stunde länger sind sie dort geblieben.

Konzert2

Eine drollige Erscheinung ist die Frühstücksdame im Hotel. Zur Guten-Morgen-Begrüßung werden wir attackiert, da wir die Dreistheit besaßen uns Tassen, Teller und Besteck eigenverantwortlich zu nehmen. Wie bedröppelt wir sie ansahen weiß ich nicht, jedoch tut es ihr in dem Moment scheinbar sehr Leid. „Ach! Die jungen Leute, wa! Dit war doch och nur’ n Spaß!“, beteuert sie, klopft dem Torsten aufmundernd auf die Schulter und zeigt ihr schönstes Zahnpastalächeln.

Spatzi

Das Frühstücksbuffet bietet uns alles erdenkliche um gut in den Tag starten zu können. Das Telefon klingelt in der Küche. Frau Frühstücksdame watet gelassen zum Telefon, hebt den Hörer und brüllt: „Ja!? … ach. Hallo, Herr Mehlhase! Ja! … na, wer is’n da? …ja!? Na! Der schläft noch, wa! Ach, wolln’se den sprechen? …soll ick den ma’ holen? … na ja, der schläft aber noch, wa! Da müssen’se später noch mal anrufen, nä! Ja, denn bis später, wa!“

Fans2

Aufgelegt. Wir kriegen uns nicht ein vor lachen. Herr Mehlhase, shame on you, was fällt dir ein anzurufen und jemanden zu verlangen, der noch schläft!? Freundlich werden wir wenig später unserer Plätze verwiesen. Wir sollen nicht böse sein, wa. Aber dit jibt ja och bald Mittag!

Konzert1

Wir beschließen also nun an dem Punkt weiter zu machen, an dem wir einen Tag zuvor begannen. Begeben uns in den Burghof, nehmen dort die erste Hopfenkaltschale des Tages zu uns, bevor wir uns traurigen Herzens voneinander verabschieden und gen Heimat aufbrechen.

Joern/Rene

An dieser Stelle schätzen wir die gute Organisation des Managements. Selbst am nächsten morgen war Dirk am Schaffen, während wir noch müde auf unseren Stühlen hingen.

Dominik und Ihr Auto

Bericht: Dominik Peters
Fotos: Jörn Brumm

Comments are closed.