Bombenstimmung in Heyrothsberge

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Heyrothsberge, eine kleiner verschlafener 5000 Seelen Ort vor den Toren Magdeburgs. Ein Ort mit Vergangenheit, deutscher Vergangenheit.

Auf historischen Gelände soll heute Abend unsere Band spielen.

Zu DDR-Zeiten gab es hier unweit von zwei wunderschön gelegenen Seen eine wichtige Abhörzentrale der STASI. In einem unterirdischen Bunker sollten die Telefongespräche zwischen West und Ost und umgekehrt abgehört werden.

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Weit unter der Erde, geschützt vor neugierigen Blicken, wollte man seiner „Arbeit“ nachgehen, dem Bespitzeln.

Wie mir Bunkerchef Christian in einem interessanten Gespräch mitteilte fand man bei Ausschachtungsarbeiten am Fundament des Bunkers alte Zeitungsfetzen, datiert auf das Jahr 1961. So lässt sich das Baujahr sehr genau festlegen.

Viel weiß man leider nicht über die Geschichte dieses Reliktes vom kalten Krieg. Auch nicht ob die Anlage je richtig in Betrieb war. Anwohner berichteten das alle paar Tage oder sogar Wochen kurzzeitiger Betrieb zu verzeichnen war, man schaute wohl nach dem Rechten.

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Das Gelände wurde schon gleich nach der Wende wieder genutzt, aber dieses Mal auf ganz andere Weise. Studenten suchten ein neues Domizil und so wurde nach vielen Schwierigkeiten und sehr viel Arbeit über die Jahre eine Location mit besonderem Flair geschaffen.

Geht man die Stufen zum Bunker hinunter sieht man noch die Original Gasschutztüren. Auch im Inneren lässt sich noch erkennen das dies hier tatsächlich ein Bunker ist, die Notausstiegsluke, über die man im Bedarfsfall den Bunker hätte verlassen können, ist noch erhalten.

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Durch die neue Nutzung wurde das Innere komplett umgestaltet, eine gemütliche Kneipe, mit der Gewissheit, das hier so schnell nichts nach draußen dringt (ca. 30cm starke Stahlbetonwände machen´s möglich), lädt zum gemütlichen Verweilen ein.

Nun eigentlich geht es ja um das Konzert, man verzeihe mir mein etwas ausführliches Eingehen auf die Geschichte dieses ungewöhnlichen Ortes. Aber selten lassen sich meine Leidenschaften an einem Abend so wunderbar verbinden. Da spielt meine Lieblingsband, ich als alter Bunkerfreak erfahre interessantes zum Bauwerk und kann beides auch noch ablichten. Oh Herr, welch ein Glück.

Ach ja, das Konzert, da war ja noch was. 🙂
Schon auf dem Weg von Magdeburg nach Heyrothsberge kündigte sich das Ereignis an, man hatte großflächig plakatiert. Das stach ins Auge und lockte die Gäste zahlreich an. Schon kurz vor dem Einlass um 19:30 Uhr bildete sich eine längere Schlange vor dem Tor.

Aber Hektik kam nicht auf. Etwas abseits in der Nähe zum See machten es sich ein paar alte Bekannte indessen gemütlich beim Picknick unter einer alten Eiche. Bei Käseeckchen und einem Glas Rotwein lies man es sich gut gehen und ludt auch den gerade vorbei schlendernden Saxophonisten nebst Begleitung ein. Diese unterbrachen gern ihren Spaziergang und verköstigten die an der Käsetheke gereichten Häppchen. Nach dem Einpacken der verbliebenen Köstlichkeiten begaben wir uns zusammen mit vielen anderen fröhlich gelaunten Menschen auf´s Gelände.

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Hier kommt man sofort in´s Schwärmen, alles passt hier vorzüglich zusammen. Eine kleine schnuckelige Bühne, den Bunker in greifbarer Nähe und ein altes Zirkuszelt, was bei einem Regenschauer Schutz geboten hätte.

Für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt, bei Pilzpfanne oder einer Schale Gulasch und einem Glas kühlen Schwarzbier konnte der Abend beginnen.

Der Platz war inzwischen gut gefüllt und etwas überraschend gesellte sich Bunkerchef Christian gegen 20:45 Uhr ans Mikro und kündigte das bevorstehende Konzert an. Er wünschte viel Vergnügen.

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Das stellte sich sodann auch augenblicklich ein. Nachdem es plötzlich viele nicht mehr auf den Bänken aushielten und sich die Reihen vor der Bühne schlossen, war klar der Abend mit Keimzeit hatte begonnen.

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Gewohnt gut gelaunt verzauberte die Band mit ihren Klängen die Menschen. Schon vom ersten Titel an sah man das keimzeittypische Lächeln auf den Gesichtern der Zuhörer, und das steckt an. Man kann gar nicht anders als einfach nur zu Grinsen und zu genießen.

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Das Programm war stimmig, ein bunter Mix aus alten und immer wieder gewünschten Titeln und natürlich auch Titel von der letzten CD. Dann aber eine wirkliche Überraschung, Norbert schöpfte aus seinem nie versiegenden kreativen Topf ein neues wunderschönes Lied „Tokio Skyline“. Die Musik dazu komponierte Rudi. Bleibt zu hoffen das wir es noch oft hören dürfen.

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Gescherzt wurde auf der Bühne natürlich auch, wie könnte es bei einer Truppe von Schalken anders sein. Roland´s Schlagzeug sah man schon in Flammen aufgehen, denn Rauch lag über ihm. Er und sein Instrument hielten durch. Ralf und Rudi starteten mit ihrer Komik bei „Nathalie“ einen Angriff auf die Lachmuskeln des Publikums und gewannen diesen auch.

Die Zeit verging wie im Fluge und das Ende nahte. Die Band verabschiedete sich und dankte dem großartigem Publikum.

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Das hatte natürlich noch keine Lust diesen wunderschönen Abend zu beenden und legte einen Beifall hin, der sich gewaschen hatte.

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Zugaberufe erschallten in der sternengezeichneten Nacht und fanden die Ohren und die Herzen unserer Musiker. Sie ließen sich auch nicht lange Bitten und die Stimmung war weiterhin auf dem am ganzen Abend nicht absinkenden hohen Level. Es wurde weiter getanzt und mitgesungen bei „Nah bei dir“ und „Jesus etc.“. So hätte es bis in den frühen Morgen weitergehen können, doch leider muss so ein Abend auch ein Ende haben.
Die „Flugzeuge“ läuteten diesen ein. Zufrieden und glücklich, und das auf beiden Seiten, genoss man zusammen noch die Nacht in geselliger Runde bei so manchem Getränk, das durch die durstige Kehle floss.

Als schon lange keine Gäste mehr zu sehen waren und schon das Aufräumen begann, begaben wir uns auch langsam auf den Weg zu unserem fahrbaren Untersatz um dort ein paar Stunden zu schlummern und vielleicht im Traum das vergangene Konzert noch einmal Revue passieren zu lassen.

Ein schöner Abend mit vielen Freunden.

Bericht und Fotos: rene.h

http://www.bunker-musik-kneipe.de/

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