Zossener Sommernachtsrausch Keimzeit-Konzert: Blind Man’s View rockte im E-Werk als Vorband

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Aus dem Teltow-Fläming-Kreis (MAZ, 1.8.) von PEGGY HEYDICK

MAZZOSSEN: Die idyllische Ruhe eines lauen Sommerabends wich einem rockigen Sturm, den die Band Blind Man’s View im Zossener E-Werk auslöste. Mit solider Rockmusik und einer actiongeladenen Schau überraschten Thomas Gehricke am Schlagzeug, Jürgen Zesche am Bass, Thomas Pioch und Sänger Marcel Wricke mit ihren Gitarren das Publikum.

Die Band aus Treuenbrietzen spielt seit 2003 in dieser Besetzung und hat sich mit eigenen Songs wie „Just another night“ und der aktuellen Single Strawberryfield in der Brandenburger Rockszene einen Namen gemacht.

Sänger Marcel legte sich voll ins Zeug. Der 29-Jährige kniete vor den Zuhörern am Nottekanal, die ihre Begeisterung während der Songs nur zurückhaltend mit leichtem Fußwippen äußerten. Vorband zu sein, das ist eben ein undankbarer Job. Doch der stürmische Beifall und viele lobende Worte waren Blind Man’s View sicher.

Ihren nächsten größeren Auftritt haben die Jungs im August als Vorband von City beim Altstadtfest in Belzig. Am 2. September werden sie Openair in Rangsdorf rocken.

Um all den hinkenden Vergleichen mit den Superstars der Musikszene noch einen weiteren hinzuzufügen: Musikalisch erinnert die Band an Bon Jovi, und Sänger Marcel erobert so manches Frauenherz mit seinem strahlenden Lächeln, bei dem selbst Marc Terenzi neidisch werden könnte.

Nach seinen Vorbildern befragt, gestand Marcel Wricke: „Ich bin ein großer Keimzeit-Fan. Das ist eine der besten deutschen Bands.“ Kein Wunder, dass Blind Man’s View in Zossen genau deren Vorband war.

Kaum betrat die Bruderschaft Leisegang & Co die Bühne, verließen deren Fans die bequemen Bänke, um Keimzeit ganz nah zu sein. Mit ihrem Lied „Das Irrenhaus“ aus dem Jahre 1989 begann die Band ihr umjubeltes Konzert. Der Text hat in den vergangenen Jahren nichts an Aktualität eingebüßt: „Selber schuld, wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt.“

Während die Zuhörer textsicher mit „ihren“ Musikern durch Jahrzehnte und Musikstile reisten, war so manch nostalgischer Blick zu beobachten. Und so mancher der Fans tanzte mit nackten Füßen auf dem warmen Gras seine Gefühle heraus. Spätestens beim Ton-Steine-Scherben-Titel „Mensch Meier“, nachdem auch die aktuelle Tournee benannt ist, gab es dann kein Halten mehr. Voll und ganz auf einer Wellenlänge lagen die Besucher des E-Werks und die Band, die 1980 in Lütte bei Potsdam als Familienquartett Jogger gegründet worden war. 1982 starteten die Musiker unter dem Namen Keimzeit ihre legendäre Erfolgsgeschichte.

Als Sänger Norbert Leisegang ins Mikrofon hauchte: „Dieser Abend könnte ewig so weiter gehen“, sprach er seinen Fans aus den Herzen. Diese übertönten ihr Idol mit lautstarkem „Natalie“-Gesang und beifälligem Lachen über kleine Gags und Pannen. Die Leisegang-Brüder, Rudi Feuerbach an der Gitarre, Andreas „Spatz“ Sperling am Keyboard und Ralf Benschu mit seinem Saxophon bedankten sich mit Ohrwürmern wie Kling Klang und mehreren gefühlvollen Zugaben.

Nach dem Konzert gingen glückliche Fans nach Hause. Unter ihnen Jan Limpächer aus Sperenberg, der erzählte: „Es war wunderbar. Ich kenne die Band seit 1989, und habe 1991 bei einem Keimzeit-Konzert meine Frau kennen gelernt. In unseren ersten gemeinsamen Jahren sind wir noch hinter der Band hergereist. Aber seitdem wir Kinder haben, beschränken wir uns auf Konzerte hier in der Gegend.“