E-Feld-Crew mobil, oder so treffen sich Freunde

27. April 2007, ein „Arbeitstreffen“ wird anberaumt…

Frankfurt/Main 13:30 , Jörn

Das Wetter war wieder einmal ein Traum und knapp 400km Autofahrt vor mir. Erst einmal musste ich mir den Leihwagen holen, was sich als schwieriger herausstellte, als ich dachte! Da bestellt man schon Wochen zuvor einen Wagen mit Navi und bekommt keines! Erstes Problem… ich kannte die vor mir liegende Strecke nicht wirklich. Also doch noch einmal nach Hause um Online einen Routenplan herauszusuchen, bevor es dann auf den Weg nach Eisleben gehen konnte.

Die ersten 100km fast nur im Stau verbracht. Na das kann ja heute noch lustig werden, dachte ich mir schon, bevor dann kurz vor dem Ziel die Krönung kam!

Ein Abschnitt der Harzautobahn war noch nicht fertig und es wurde alles über eine Bundesstraße umgeleitet, auf welcher auch gebaut wurde.

Wechselseitig Verkehrsregelung und alle 5min ging es dann mal 200m vorwärts. Im Endeffekt fast 1 ½ Stunden für ca. 10km! Das war rekordverdächtig!

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Hamburg 15:00 , Dominik

Vorfreude. Ingo und ich hatten uns gut arrangiert und organisiert. Punkt 15:00 Uhr würde er den Mietwagen holen, um dann 16:00 Uhr bei mir zu erscheinen. Dann ab durch die Mitte und geradewegs nach Eisleben. Am Abend zuvor hatte ich alles erledigt, was an Arbeit noch an stand und bis 22:00 Uhr im Büro geschafft, um sicher am Freitag pünktlich dieses zu verlassen. Gut bewaffnet mit Bionade und Music on Board ging unsere Fahrt wohl gelaunt los, immer von Unterwegs ein kleiner Statusbericht ans Herzleferzle Torsten – dieser reiste fortgesetzt auf Umwegen durch Fernost.

Plopp.

Stau in jeder Richtung. Hier standen wir nun mitten in der City, die Blase rebellierte gegen mich und es ging nicht voran. 17:00 Uhr. Längst wollten wir auf dem Weg sein. Allerdings verübelte uns dies nicht die Laune. Ein wenig Musike vom Helge als Wurstfachverkäuferin begleitete uns durch den zähen Verkehr. An der ersten Autobahnraststätte wurde alsbald Halt gemacht, nach 1 ½ Stunden, die wir aus Hamburg benötigten, um Getränke und Tabakwaren aufzufrischen und die revoltierende Blase zu entleeren.

Wir blieben gelassen. Zu spät, waren wir der Meinung, kämen wir eh. Also was sollte es? Und am nächsten Tag stünde auch noch ein Konzert an, hierbei wollten wir spontan entscheiden, wonach uns Lust und Laune ruhte. Es sollte eher um den Spaß an sich gehen. Ein geschmeidiges Wochenende war es, nach dem wir uns sehnten. Ich wollte Ingo die Chance geben mit meiner Lieblingsmusik zu träumen, ihm zeigen, was mich bewegte und die Leute vorstellen, die mir am Herzen hingen.

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Unsere Fahrt Richtung Eisleben brachte uns durch Orte, deren Namen und Vorhandensein ich mir nie hatte träumen lassen. Endlich konnten wir den Wissensdurst lindern und erfahren welch drollige Orte sich hinter diversen Autokennzeichen verbargen. Friedlich und dem Anschein nach unberührt. Vorbei an grünen Wiesen und gelbem Raps. Herrliche Farbspiele. Die Jugend der Mode angepasst, wie ein Katalogbild vom Ottoversand, auf dem Weg zum Treffen an der nächsten Bushaltestelle. Oma und Opa saßen auf der Parkbank am Straßenrand und beobachteten genüsslich ohne Worte die vorbeifahrenden Wagen. Die Buslinie 1203 verkehrte wohl zwei Mal am Tag, unkten wir, und fuhr von a nach b, Ort um Ort, im täglichen Trott.

Berlin 15:15 , Birgit

Schnell von der Geburtstagsfeier meines Vaters losgerissen, rein in meinen kleinen blauen Flitzer „Paul“, Navi programmiert und ab geht’s. 2 ½ Stunden bis Eisleben… Na ja ne halbe Stunde dazu gegeben, das müsste reichen…

Oh,oh! Vorgezogener Berufsverkehr? Die Stadt war dicht! Ja, es ist schließlich Freitag und das Wetter ist herrlich. Ganz Berlin zieht es auf die Wochenendgrundstücke im Umland… hätte ich eigentlich wissen sollen. Was soll’s, auf der Autobahn eben ein wenig schneller fahren, das wird schon passen. Schließlich hatte ich ja schon ein wenig mehr Zeit eingeplant.

Dann, Dreieck Nuthetal die große Ernüchterung! Stau und kein Ende! Die Verkehrsmeldungen im Radio überschlugen sich fast… Berlin und Umland ein einziger Stau und kein Entkommen. Was war heute bloß los? … Natürlich! Langes Wochenende, bedingt durch den Brückentag zum ersten Mai !!! Na das kann ja noch heiter werden!

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Das Handy klingelt. Eine SMS von Jörn. Nur gut, dass ich eh schon stehe, so kann ich die Nachricht wenigstens lesen. Er steht ebenfalls im Stau. Na dann bin ich ja nicht die Einzige, welche etwas später eintreffen wird.

17:00, Ich stecke immer noch fest. Werde mal René anklingeln und bescheid geben. Er fährt gerade von zu Hause los. Na ja, er hat es ja diesmal nicht ganz so weit und wird sicher vor mir vor Ort sein.

19:00 Eisleben

Jörn
Punkt 19Uhr traf ich dann doch endlich im Hotel ein, 2 Stunden Später als der Routenplaner es voraussagt, zumindest war ich nicht der letzte von der Elektrofeld Gemeinde vor Ort. René war schon kurz vorher eingetroffen und kam bei meiner Ankunft gleich auf die glorreiche Idee vor dem Konzert noch eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen! Dem konnte ich ausnahmslos zustimmen, da mich die lange Fahrt auch sehr hungrig gemacht hatte. Wir ließen uns erst einmal im hoteleigenen Restaurant fallen, um nicht mit knurrendem Magen ins Kulturhaus einzulaufen

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Birgit
René ist wie erwartet als erster im Hotel, gefolgt von Jörn. Die Zwei bestellen sich erst einmal ein erfrischendes Kaltgetränk und etwas zu essen. Gut eine halbe Stunde später treffe ich dann völlig entnervt, durstig und hungrig, jedoch trotzdem guter Dinge ein, während die Herren immer noch auf ihr Abendessen warten. Ich bestelle auch schnell noch etwas und werde gleich vertröstet. „es dauert aber ein wenig, der Laden ist voll…“ „Na prima! nicht einmal das klappt!“ Nun, bis Konzertbeginn ist ja noch eine knappe Stunde Zeit und Dominik ist mit ihrer Begleitung auch noch nicht hier. Das Essen kommt wider Erwarten dann doch schneller als gedacht und wird gierig verschlungen. Dominik plus Begleitung schlagen dann kurz vor 21:00 auch noch pünktlich am Zielort auf und es konnte endlich losgehen.

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Dominik
Endlich nach drei Stunden weiterer Fahrt gelangten wir über Landweg, Autobahn und Kopfsteinpflaster nach Eisleben. Auch das Hotel war schnell aufgespürt und der letzte Parkplatz ohne irgendwelche Laternen umzunieten unserer. Schnell stürmten wir unsere Zimmer, um uns frisch zu machen. Es klopfte an der Tür, wie zu erwarten standen davor unsere drei Mitstreiter des Efeld-Rudels. Im Gespann begaben wir uns zum Kulturhaus. Dort eingetroffen wurden wir wie gehabt „abgestempelt“, Prämisse zum Eintreten.

Birgit
Das Konzert nimmt seinen gewohnten Verlauf, wir treffen auf viele altbekannte und auch neuere Fans, feiern unsere Band und die vertraute Musik und unterhalten uns köstlich. Angela, mit der wir schon länger in Kontakt standen, ist nebst Mann auch mit von der Partie und wird sofort von uns zum Schreiben des Konzertberichtes rekrutiert.

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Den Konzertabend beschließen wir dann bei einem gemütlichen Umtrunk und netten Plaudereien mit Freunden. Als der Saal schon längst leer, die Bar geschlossen und sämtliches Equipment der Band im Bus verstaut ist, machen wir uns endlich auf den Weg ins Hotel, wo wir noch ein wenig zusammen sitzen, bis die Augen müde werden und wir uns in unsere Zimmer begeben, um uns für den Rest der Nacht in flauschige Daunen zu hüllen und Morpheus die Regie zu unserem „privaten Kino“ überlassen.

Dominik
Die Bühne und Tanzstätte befand sich im oberen Teil des Hauses. Oben begrüßte uns sodann Cathrin am Merchandise und auch Ralf hatte sich dazu gesellt. Ein Schluck Wein zum Anstoßen vor dem Konzert sollte zumindest auch noch drin sein, bevor wir wie immer im Team die erste Reihe im Publikum für uns sicherstellten.

Auf die Bühne schritt ein leicht hinkender Norbert, in jedoch gewohnt breitem Grienen. Einleitung zu einem gelungenen Konzertabend war „Kintopp“. Die jetzige Tour bietet alles, was das Ohr nur wünscht. Klassiker wie „Singapur“, „Nathalie“, und das „Kapitel II“, als auch Stücke aus den letzten Jahren, wie „Am Rande“ und „Paul“ begeisterten das Publikum in tatfreudigem Mitgesang und Tanzbeinschwung. Die neuen Stücke „Valentinstagsblumen“, „Liebe wäre eine Möglichkeit“ und „Ich weiß es doch auch nicht“ sind bei jedem Hören noch schöner zu betrachten. Herrlich arrangierte Stücke denen nichts fehlt. Auf das neue Album, welches hoffentlich nicht zu sehr lange auf sich warten lässt, freue ich mich schon jetzt.

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Kritik allerdings möchte ich üben am Licht und zu viel Rauchschwaden auf der Bühne, sie vernebelten buchstäblich die Sicht auf die Musiker. Auch fiel auf, dass der Ton von außerhalb des Gebäudes viel klarer war, als im Haus selber. Dies sollte jedoch kein Abbruch an guter Stimmung und bekanntem Mitgejohle bringen.

Nach dem Konzert war erst einmal Zeit und Gelegenheit die Musiker zu begrüßen und sich auszutauschen. Der Abend danach, so zu sagen, war die eigentliche Musikaufführung. Gemütlich saßen wir noch in der Runde bei Wein und Zigarillo und ließen den Abend in genüsslicher Unterhaltung ausklingen.

Birgit
jäh reißt mich der Klingelton meines Handys aus wohligem Schlaf! … Nur noch ein viertel Stündchen… Das nervige Stück Elektronik lässt mir keine Ruhe! … „Schon gut, ich steh ja schon auf…“ die Sonne kitzelt meine Nasenspitze. …Ja, es ist höchste Zeit! die Anderen warten sicher schon beim Frühstück!… Also raus aus den Federn, ab unter das erfrischende Nass und rein in sommerlich leichte Freizeitbekleidung.

Dann in Windeseile zum Frühstücksraum hinunter. Puuh, ich bin nicht die Letzte! Der Raum ist trotz der fortgeschrittenen Stunde noch ziemlich leer und das Buffet gut bestückt. Ingo und Jörn sitzen schon am Tisch. Also fix an Frühstücksköstlichkeiten bedient und dazu gesetzt. Dominik erscheint nach einiger Zeit als Schlusslicht und unsere Runde ist wieder komplett. Nach dem Frühstück heißt es dann Pläne schmieden. Was macht man mit der freien Zeit, an einem so warmen und sonnigen Tag?

Nach Mühlhausen benötigen wir von hier aus nicht einmal zwei Stunden und der Tag ist noch lang. Irgendjemand schlägt Baden gehen im Stausee vor. Ich schaue René an, er schüttelt den Kopf. …Nee, baden mag ich jetzt auch nicht. Das Wasser ist eh noch zu kalt und es gibt bestimmt Interessanteres, was man in dieser Gegend unternehmen könnte. … So lassen wir die Anderen ziehen und nehmen unsere Pläne in die eigene Hand.

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Dominik
In der Nacht erlebe ich träumerisch noch einmal den gesamten Konzertabend. Als ich aufwache sehe ich kurz aus dem Fenster, die Sonne zeigt ihr schönstes Grinsegesicht. Noch einmal kuschle ich mich in mein Kissen und recke mich wie ein Katzentier, werde wach. Springe unter die Dusche und bekomme Hunger. Ich ziehe mir einen luftigen Rock über. Als ich in den Flur trete ist es ruhig. Haben alle verschlafen?

Ich klopfe an Ingos Zimmertür. Noch einmal. Niemand rührt sich. Also schlendere ich in den Frühstücksraum. Alle sitzen bereits und sind schon bei der zweiten Tasse Kaffee. Ich nehme mir etwas vom übrig gebliebenen. Obst, Gemüse, Brot. „Ich möchte gern baden gehen heute!“, werfe ich in die Runde. Birgit und Rene zeigen ein verneinendes Gesicht. Ein Teil der Truppe jedoch zeigt sich ebenso badefreudig. Nach dem Frühstück werden schnell die Sachen gepackt, Rechnung bezahlt, Sonnenbrille aufgesetzt. Am Auto beratschlagen wir noch die Route und machen uns hernach auf den Weg an den Stausee in Kelbra.

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Jörn
Mein Wecker beendete Punkt 8 Uhr die kurze Nacht, natürlich begann ich gleich mit dem Gedanken zu spielen mich noch für einen Minuten weiter auf Ohr zu hauen, aber der Magen meldete sich sofort zu Wort, das er doch etwas zum arbeiten haben wolle, also raus aus den Federn und ab zum Frühstück. Im Frühstücksraum begrüßte mich sofort Ingo und kam ins plaudern über das was er am morgen bei seinen Spaziergang erlebte.

Gleichzeitig schaute ich noch mal ein wenig ungläubig auf meine Uhr und pochte dagegen, nicht das sie doch stehen geblieben ist. Aber dem war nicht so!

Nun hieß es aber ran ans Büffet, das Müsli lächelte mich an und verlangt von mir zuerst verspeist zu werden. Bevor ich einige der restlichen Köstlichkeiten verspeisen konnte.

Nach und nach trudelte der Rest der Wochend Gemeinschaft im Saal ein und die Frage kam auf, wie die Zeit bis zu den nächsten Konzerten am Abend, bestmöglich überbrückt werden kann.

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Da der Planet immer noch von oben bis zum abwinken knallte einigten Dominik, Ingo und ich sich darauf es heute ein wenig relaxter angehen zu wollen und wir suchten uns einen See zum verweilen aus. Wir verabschiedeten uns fürs erste von Birgit und René und machten uns auf den Weg nach Kelbra an den Stausee.

Dominik
Mit geöffneten Fenstern düsen wir durch den gelb/grünen Frühlingslandstrich. Die Ewigkeit zeigt sich in ihrem leuchtenden Blau, keine Wolke versperrt die Sicht. Mit einem Heißluftballon über diese wunderbare Landschaft, ist mein Gedanke.

Der Fahrtwind bläst ins Gesicht begleitet von den Bässen der Anlage im Wagen. „Kings of Leon“, „The Divine Comedy“, „Duke Special“ und „Mano Negra“ hauen uns klangreich ihre Töne um die Ohren. Kelbra erreicht, stürmen wir auch gleich den ersten Supermarkt. Ein Sechserpack Wasser, Apfelschorle und jeder bekommt ein Eis. Noch dazu greife ich zum Angebot der Woche: Bettwäschengarnitur – Zweiteilig, nur neun Euro neunzig.

Am Stausee angekommen geht es einen leichten Berg hinab von einem kleinen Gasthof direkt ans Wasser. Der Weg dahin ist noch mit hohem Gras gesäumt. Es kribbelt an den nackten Beinen. Am Abend wird hier wohl eine Goa-Party steigen. Zelte sind aufgebaut in denen Discokugeln munter die Sonne spiegeln. Alienartige Figuren prangen gekreuzigt an der Wand.

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Ich überlege kurz: Handgemachte Hausmusik als Balsam für die Ohren oder Elektobeats ohne Melodieerkennung und Kopfschmerz als Bilanz? Meine Entscheidung lässt nicht lange auf sich warten, eine selbstgestellt rethorische Frage, wenn man so will. Hiermit ist auch geklärt, wir werden den zweiten Konzertabend mitnehmen. Bietet sich nur an.

Der Strand ist leer. Wir haben keine große Mühe einen Platz für uns zu finden. Hier nun kommt mein erstandenes Bettzeug in Betracht. Mit einem Taschenmesser trennen wir alle Enden auf und haben somit eine ausreichende Liegewiese für uns fünf zum Sonnenbaden. Das Wasser des Stausees wirkt nicht gerade einladend auf uns. Bräunlich verfärbt, schlammiger, steiniger Boden.

Baden gehen werden wir hier wohl nicht, aber von der Sonne lassen wir uns hofieren. Kurz erscheinen uferlose Ausläufer der Keimzeit-Crew, das Management voran, um sich die Badestätte vor Augen zu halten. „Das Wasser sieht scheiße aus!“, erklingt „Spatzgeflüster“ und kaum erlischt es, macht die Mannschaft eine Kehrtwende Richtung Trockenland.

Wir verharren alldieweil noch drei Stunden in der knalligen Sonne, bis es auch uns zu heiß wird und wir beschließen nach einem Koffeingetränk den Ort zu verlassen um Mühlhausen aufzusuchen. Jörn entscheidet sich spontan doch das Orgelsaxkonzert in Neustadt noch mitzunehmen. Mit Erreichen des Ortes Mühlhausen begeben wir uns vorerst auf die Suche nach der Kulturfabrik.

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Jetzt noch ist die Luft darin angenehm, etwas abgestanden zwar, doch vergleichsweise frisch im Gegensatz zu dem, was am Abend, in der Nacht noch folgt. „Hgrbrumpf!!!“, kommt es aus der Magengegend. Hunger meint dieser. Um die Ecke erspähen wir ein griechisches Lokal und machen uns zu viert auf dort etwas Feines zu uns zu nehmen.

Gegen 18:00 Uhr heißt es für die Band die Proben zu beginnen und für uns, das Publikum, sich frisch zu machen und die Kleiderwahl zu treffen. Logieren sollen wir in dieser Nacht im Jagdhotel Peterhof, ein kleines Stück Außerhalb der „Stadtmauern“.

Peter’ s Hof. Eine, in der Tat, rustikale Jagdvilla geschmückt mit Geweihen und Schädeln aller Tierart der deutschen Wälder. Mir wird ein wenig anders. Erst Recht beim Anblick einer Elchtrophäe im Eingansbereich. Vor einem so gewaltigen Tier möchte ich nicht stehen ohne dem Einfallsreichtum Helge Schneiders, der sich womöglich mit ein paar Handgriffen in seinen Rucksack als Gleichgesinnter unter die Tiere mischte oder ihnen gar auf den Rücken sprang und akrobatische Tänze auf diesem ausübte.

Lieber ließe ich mich vom Bus überfahren. „Darf ich mal anfassen?“, frage ich die Dame an der Rezeption. Klar gewährt sie und ich tue, wie mir geheißen. Im Zimmer wird fix geduscht, sich Garderobe an den Leib geworfen und los geht es auf’s Konzert.

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Jörn
Die Stunden verrinnen, die Sonne brannte sich auf die Haut um für die nächsten Tage ihre Spuren zu hinterlassen. „So mir reichst“, sagte ich mir und schlenderte hoch ins Restaurant mit Seeblick um noch zur Kaffeezeit einen Milchkaffee zu schlürfen und danach so langsam nach Mühlhausen aufzubrechen.

Auf der Weiterfahrt kamen die Gedanken über den bevorstehenden Abend ins brodeln und mich wunderte es so langsam, dass es noch immer kein Lebenszeichen von Birgit und René gab. Wir wollten doch zusammen noch nach Neustadt/Harz zum Orgelsax Konzert.

Ob sie schon im Hotel sind dachte ich mir und rief ein wenig ungeduldig an. „Hi, wo steckt ihr denn? Oh ihr schafft es nicht rechtzeitig um noch den Schlüssel zu holen! OK bringe Ihn euch mit.“

Die Zeit verrann und es waren nur noch 90min bis zum Konzertbeginn in Neustadt, als ich im Hotel eintraf um einzuchecken und die Schlüssel für die Crew zu holen. Leicht beeindruckt von der Innenarchitektonischen Gestaltung des Hotels. Der Name Jagdhotel passte wie die Faust aufs Auge.

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Nur noch 70min, Hilfe ich muss los nach Neustadt! Ah ich vergaß, Dominik braucht noch ihren Schlüssel, mhmm also noch mal schnell direkt in die City. Boah ist das eng und verwinkelt im Zentrum und wo stecken die denn? Da kamen sie mir schon froh gelaunt mit breitem Grinsen entgegen und ich warf ihnen den Schlüssel mehr oder weniger vor die Füße, gab noch eine kurze Beschreibung wo das Hotel sich befindet und verschwand fürs erste.

Nur ca. 60min bis Ultimo, und etwas über 60km Landstraße! Man wird das eng, dachte ich mir da schon, aber etwas verpassen wollte ich auch nicht. Die Kilometer zogen sich endlos dahin, bis dann kurz vor 19Uhr das Ortsschild Neustadt auftauchte. Die Kirche lag idyllisch inmitten einer von alten Fachwerkhäusern gesäumten Kleinstadt. Als ich dann auch noch René und Birgit inmitten eines Restaurants entdeckte wurde ich erst einmal neidisch, ne Kleinigkeit könnte ich jetzt auch vertragen, aber die Zeit machte mir einen Strich durch die Rechnung.

Wollte ja keine Sekunde meines ersten Orgelsax Konzertes verpassen. Daher ging es anstatt ins Restaurant in die Kirche nebenan, wo wenige Minuten später die wunderbarsten Klänge ertönten. Ralf und Jens sind einfach Meister ihres Faches. Eine Symphonie nach der anderen verklang und man spürte regelrecht die Zurückhaltung der anderen Besucher nur eine Note zu zerstören, auch wenn das Stück bereits ausgeklungen war. Wie in einer verzauberten Welt, die nur von Musik gefühlt ist. Welche leider nach gut 90min wieder entzaubert wurde und uns die Realität auf den Boden der Tatsachen zurückholte.

Nach dem Konzert begleitete mich irgendwie das Gefühl dass ich ein Stück, welches gespielt wurde von irgendwo her kannte! Aber woher war das denn nun nochmal! TV genau. Musste dann Ralf Benschu unbedingt fragen, wie es hießt! Er gab mir nach kurzem Nachdenken, welches Stück ich denn meine, die passende Antwort und die Groschen in meinem Kopf waren gefallen! Der Titelsong „Road Jack“ von der TV-Serie „Auf schlimmer und Ewig (mit Al Bundy)“.

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So langsam drängte uns ein wenig die Zeit, wenn wir noch pünktlich in Mühlhausen zum für mich dritten Keimzeit Konzert innerhalb von 3 Tagen ankommen wollten. Als erstes führte ich natürlich unsere Autokolonne in eine Sackgasse, da mich das Navi zu spät in die Straße leitete, an der wir einbiegen mussten! Das fängt ja wieder einmal gut an. Eine Fixe Wende und der zweite Versuch klappte auf Anhieb.

Birgit
Zusätzlich zu den beiden Keimzeit-Konzerten gibt es in der Nähe noch ein Event, welches ich unbedingt noch erleben wollte. Unser Ralf ist mit Jens Goldhardt in Sachen Orgelsax in Neustadt/Harz zu Gast. Das müsste doch noch drin sein! Könnte zwar zeitlich knapp werden, da man von Neustadt bis Mühlhausen gut eine Stunde Autofahrt benötigt, aber Ralf muss ja auch pünktlich dort sein und ohne ihn würde die Band sicher nicht anfangen zu spielen. Also begeben wir uns auf den Weg.

Schön die Landstraße entlang, wieder vorbei an leuchtend gelb strahlenden Rapsfeldern, satt grünen Wiesen, malerisch anmutenden Bergen und Tälern. Durch verschlafene Dörfer, vorbei an kleinen Kirchen und Dorfweihern, hin zu dem idyllisch gelegenen Städtchen Neustadt. Der Veranstaltungsort ist diesmal nicht zu verfehlen. Die Kirche inmitten des Ortes kann man nicht übersehen. Wir parken unsere Autos genau davor, gehen noch eine Kleinigkeit essen und finden uns gerade noch rechtzeitig im Kirchenschiff ein, bevor das Konzert beginnen würde. Auch Jörn ist inzwischen eingeflogen und wir gesellen uns zu ihm.

Der hiesige Pfarrer spricht noch einige einleitende Worte und die ersten Klänge der Orgel durchfluten die festlich in Kerzenlicht gehüllte Kirche. Dann auch das Saxophon… Sinnlich und betörend durchfahren mich die Klänge, dann wieder jauchzend, fröhlich hüpfend und mitreißend… ein wahres Feuerwerk der Gefühle keimt in mir auf. Die Orgel hält Zwiegespräch mit dem Sax, um hernach mit ihm wieder zu einer Einheit zu verschmelzen. man merkt den Musikern an, dass sie mit ihrer Seele musizieren. Die Zuhörer halten fast den Atem an, sobald die Musik verstummt, dann tosender Beifall.

Die Kirche ist bis fast auf den letzten Platz besetzt und jeder, vom Kind bis zur Großmutter scheint begeistert zu sein. Zum Ende hin ertönt ein altbekanntes Lied. Eines, welches sich mir schon auf einer der alten Keimzeit-Cds (Primeln&Elefanten) tief ins Herz gebrannt hatte: „Lisa“ … ich verdrücke mir eine Träne der Rührung. Ja, auch das ist wundervolle Musik!

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Fern der uns so vertrauten keimzeitlichen Klänge und doch wieder so nah… ich liebe den Klang der Orgel und ich liebe das Sax und Ralfs wohl einzigartige Weise es zu spielen. So sanft und liebevoll, ja, fast zärtlich, aber auch raumgebend und fordernd…, dann wieder fröhlich dahinplätschernd, mit einer Leichtigkeit, die alle Schwermut vergessen macht. Einfach nur schön! Just im Moment, da die letzten Töne verklingen, spüre ich genau: ich lebe, ich liebe und bin glücklich! Das Leben ist schön!!!

Etwas unsanft werde ich aus meinen musikalischen Tagträumen gerissen. „los, los! wir müssen uns beeilen um noch rechtzeitig nach Mühlhausen zu kommen“. Rein in die Autos und ab geht die Post! Ja richtig, Eile ist angesagt! Die Jungs fahren voran, ich mit meinem kleinen „Paul“ hinterher. Die Zwei jagen mich schon sehr über die Straßen! Mein kleiner Flitzer macht an jeder Steigung dicke Backen, bleibt aber tapfer dran. Eine Stunde später treffen wir in Mühlhausen ein und auf den Rest unserer „wilden Meute“. Nur mit den Parkplätzen sieht’s schlecht aus. Es dauert geraume Zeit, bis alle versorgt sind und wir machen uns zu Fuß auf den Weg, die Kulturfabrik für diesen Abend zu okkupieren.

Dominik
Als wir eintreten entgegnet uns ein von der Sonne gezeichneter Norbert. Wir begrüßen ihn mit den Worten „henry the lobster“. Norbert grient. „Ihr habt aber auch gut Farbe bekommen!“ Die kleine Kulturfabrik ist zum Anschlag gefüllt und wir bekommen gerade noch Platz am Rande. Leider versperrt die Box die gesamte Sicht. Wir sehen also dieses Mal nicht und konzentrieren uns ganz auf Gehör. Ein Gutes ist genügend Tanzbereich in dieser Situation, den Jörn und ich gekonnt ausnutzen. Halbzeitpause Viertelstündlich heißt für uns Frischlufttanken. Die Luft in der Fabrik ist schwer und feucht, nicht angenehm auf die Dauer. Als ich wieder eintrete beschlagen meine Brillengläser.

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Jörn
Wir flogen dann mehr oder weniger schnurstracks durch eine sehr kurvenreiche Strecke ins Zielgebiet zum zweiten Zapfenstreich des Abends. Wie es der Zufall so wollte, trafen wir am Ort, wo wir die Autos abzustellen gedachten, gleich Dominik und Ingo wieder. Somit trudelten wir wieder gemeinsam in Richtung Veranstaltungsort und dies gerade noch rechtzeitig! Kaum eine viertel Stunde später begann das krönende Spektakel, welches den Abschluss für mein Konzertwochenende wieder spielte.

Leider fand ich keinen guten Platz, um gute Fotos schießen zu können, daher wurde die Kamera recht fix beiseite gelegt und mit Dominik bis an Rande der Erschöpfung um die Wette getanzt.
Leider hat auch der schönste Abend irgendwann ein Ende und wir trotteten von dannen ins Hotel, um noch in kleiner gemütlicher Runde das bisher erlebte Revue passieren zu lassen.

Dominik
Geschafft vom Tag und dem Abend zuvor benötigen wir, angekommen im Hotel, nicht lange uns in die Traumwelt gleiten zu lassen. Kaum entschwunden in diese klingelt auch schon der Wecker. Frühstück ist serviert. Nach diesem lassen wir noch ein Gruppenfoto machen, bevor wir uns leider wieder einmal traurigen und lachenden Auges von einander trennen

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Birgit
Wieder klingelt mein Handy, und wieder mag ich nicht aufstehen. Schon gar nicht heute, denn es heißt heut wieder Abschied nehmen. Abschied von einem erlebnisreichen und wunderschönen Wochenende, von lieben Freunden, Menschen, die mir so unwahrscheinlich ans Herz gewachsen sind, dass ich an die Zeit ohne sie nicht einmal denken mag. Aber es hilft nichts, die Elektronik ist unbarmherzig und hart und die Zeit zollt ihren Tribut.

Vorletztes

Also raus aus den Kissen, frisch gemacht, in Garderobe geschmissen, heut etwas weniger sommerlich, denn es ist trotz Sonne etwas kühler geworden über Nacht, und ab zum Frühstück. Diesmal sind René und ich nun doch „Bummelletzter“, die Anderen sind mit dem Frühstück schon fast fertig und wir fordern vom Hausherren Nachschlag.

Ein Weilchen bleiben alle noch sitzen, wir ziehen gemeinsam Resümee der letzten Tage und tauschen Pläne für zukünftige Treffen aus. Dann holen wir unsere sieben Sachen und treffen uns noch einmal bei den Autos. Ein herzlicher Abschied und das Versprechen, sich bald wieder zusehen und schon trennen sich unsere Wege wieder einmal.

… sicher nicht für immer, … sicher nur für jetzt …
Letztes

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