SVZ: Ein zauberhafter Ort

SVZSVZ: BÜTZOW/LEISEGANG. – Warum heißt die Tour „Tour nach Singapur“? Hat das etwa mit dem Thema Globalisierung zu tun?

Weniger. Das ist eher eine private Sache. Als ich das Lied Singapur 1990 geschrieben habe, wusste ich gar nicht, wie es dort aussieht. Leute haben mir gesagt: Deine Vorstellungen sind falsch. Es war eher eine Phantasie-Reise.

Als wir jetzt im Hamburger Hafen waren und die riesigen Frachter rein- und rausfahren sahen, haben wir sofort an den Bezug zum Lied gedacht. Wir waren mit unserer Tour zur letzten Platte „Privates Kino“ durch. Wenn man dann in der Band nichts Neues ausprobiert, demotiviert das eher. Wenn man dann aber sagt, die Tour heißt Tour nach Singapur, ist das Interesse bei Medienleuten und Publikum auch viel größer.

Also ein Werbe-Gag?

Leisegang: Nicht Gag, es ist schon so, dass wir Kurs auf das Land nehmen.

Im Lied Singapur singt Ihr vom Heizer aus China, vom Schiffskoch aus Sizilien, der Kapitän aber ist ein Deutscher. Warum?

Leisegang: Es spricht nichts dagegen.

Aber was spricht dafür?

Leisegang: Meine deutsche Identität. Es ist wirklich so: Je älter ich werde, desto mehr spüre ich meine Identität. Es ist einfach ein Konglomerat aus verschiedenen Nationalitäten. Da sollte man nichts reininterpretieren.

„Wir wollen fünf, sechs neue Songs testen“Gerade erst fand in Deutschland der G8-Gipfel statt. Habt Ihr dazu eine Meinung?

Leisegang: Dazu würde ich mich gern nicht äußern, weil meine Meinung sehr umfangreich ist.

Singapur – heißt das auch, Keimzeit ist auf dem Weg zurück zu den Wurzeln?

Leisegang: Wir sind immer auf dem Weg zu den Wurzeln und gleichzeitig am Experimentieren. Singapur ist eine unserer Wurzeln. Zudem versuchen wir während der Tour, unaufgenommene Songs zu testen. Etwa fünf, sechs.

Heißt das, künftig weniger Elektronik?

Leisegang: Wir machen beides.

Wie viele Konzerte habt Ihr in diesem Jahr in Meck-Pomm?

Leisegang: Insgesamt sind es wohl etwa 60 Konzerte, davon drei oder vier in Mecklenburg-Vorpommern.

Warum immer wieder Bützow?

Leisegang: Weil es ein zauberhafter Ort ist.

Habt Ihr ein romantisches Verhältnis zur Stadt?

Leisegang: Nicht zur Stadt, aber zum Konzert-Ort, der Alten Badeanstalt. Der Ort hat eine gewisse Schwingung, die bei der Band ankommt und auch beim Publikum.

Ich weiß, dass die Band sehr gern nach Bützow kommt. Ich wünsche mir, dass wir eine milde Sommernacht bekommen.

Wann wird es einen Bützow-Song geben?

Leisegang (lacht): Das schreibe ich mir mal auf meinen Merkzettel.

Wann wird es eine neue Platte von Keimzeit geben?

Leisegang: Wir sind noch nicht soweit, sammeln aber. Wir haben 15 neue Titel, von denen werden es sechs, sieben aufs neue Album schaffen. Einen Termin zu nennen, wäre verfrüht.

Ihr steht jetzt seit 25 Jahren auf der Bühne. Habt Ihr keine Angst, dass irgendwann Fragen wie bei den Rolling Stones kommen: Wie lange macht Ihr noch?

Leisegang: Diese Fragen kommen immer. Keimzeit wird weiter machen, solange Inspiration da ist.

Wie haltet Ihr Euch fit. Du hast früher am Potsdamer Uni-Campus oft am Reck geturnt …

Leisegang: Das tue ich immer noch. Mein Bruder läuft. Andreas „Spatz“ Sperling macht Krafttraining. Alle sind gut im Saft.

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