Ein besonderes Gastspiel

Ein besonderes Gastspiel: “Keimzeit-Publikum ist auf Entdeckung oder zum Wiedersehen da

Interview von Rene Gaffron / MAZ Belzig

BELZIG:

Das ist gute Tradition im Tourneekalender der Gruppe „Keimzeit“: Seit Jahren tritt das Sextett aus Lütte am dritten bzw. vierten Wochenende im Juli vor heimischer Kulisse auf – präsentiert von der Märkischen Allgemeinen Zeitung. Es ist ein spezielles Konzert in diesem besonderen Sommer, wie Frontmann Norbert Leisegang im Gespräch mit MAZ-Redakteur René Gaffron bestätigt hat.

Einmal mehr ist ein lauer Sommerabend zu erwarten. Die Saison der Freiluftkonzerte muss diesmal ja besonders schön sein . . .
Leisegang: Das stimmt. Publikum, Veranstalter und Band sind wegen dieser anhaltend guten Vorausssetzungen bei bester Laune. Jeden Morgen, wenn man das Fenster öffnet, ist da Sonne pur. Sie soll ja den Südländern ihre Leichtigkeit geben. Bei Gastspielen wie zuletzt an der Ostsee ist tatsächlich eine extrem entspannte Atmosphäre zu registrieren. So wird es einem einfach gemacht, das Publikum zu erreichen. Und derart ist ja wohl auch die Euphorie während der Fußball-Weltmeisterschaft entstanden.

Norbert Leisegang ist also neuerdings Fußball-Fan!
Leisegang: Das kann man nicht so sagen. Aber spätetestens als die Nationalmannschaft das Viertelfinale erreicht hatte, konnte sich niemand diesem Ereignis entziehen. Das wäre ignorant gegenüber den begeisterten Menschen gewesen. Statt dessen hatten sie eine geradezu magische Sogwirkung. Ich jedenfalls habe das internationale Flair in Berlin sehr genossen.

Jetzt kommt es der Tradition folgend zum Wiedersehen mit vielen alten Bekannten. Wie groß ist die Vorfreude?
Leisegang: Sehr groß. Schließlich ist die Burg Eisenhardt als Veranstaltungsort etwas Besonderes. Das ist aber nicht nur so, weil dort ein bisschen Klassentreffencharakter herrscht. Viel mehr noch wird das Konzert außerhalb für seine gewisse Note sehr geschätzt. Einige Besucher aus der Ferne buchen bewusst ein ganzes Wochenende in der Kur- und Kreisstadt. Mit gutem Grund sind jedenfalls exklusive Plakate hergestellt worden, mit denen im Fläming und darüber hinaus dieser Termin beworben wird.

Gibt es Konzerte der vergangenen Jahre in Belzig, die in besonderer Erinnerung geblieben sind?
Leisegang: Nicht jedes, obwohl wohl alle gut gelaufen sind. Aber die Bläser seinerzeit auf der Rutsche im Freizeit- und Erlebnisbad waren phänomenal. Schwester Marion Bohn mit der Gruppe „Lilit“ auf der Bühne waren eine gute Ergänzung, auch wenn diesmal bewusst auf ein Vorprogramm verzichtet worden ist und alle Blicke so auf „Keimzeit“ selbst gerichtet sein werden.

Und die spontane Gesangseinlage des Hochzeitspaares Michael und Nicole Grund im vorigen Jahr?
Leisegang: Ja, an das Spektakel erinnere ich mich ebenfalls sehr gern.

Wie ist es denn bei der Tournee in diesem Jahr gelaufen?
Leisegang: Zuletzt standen vor allem Festivals und Feste auf dem Plan. Da wird in der Regel nicht so lange gespielt und das Publikum muss erst einmal gewonnen werden. Das ist beispielsweise beim Jugendfestival in Prora/Rügen oder zwischen „Revolverheld“ sowie „City“ und Peter Maffay beim Potsdamer Stadtwerkefest gut gelungen. Beim Wasserfest in Fürstenberg/Havel war das kleine Finale der Fußball-Weltmeisterschaft (zu) große Konkurrenz.

Nun also ein Konzert ausschließlich mit der Gruppe „Keimzeit“. Was darf erwartet werden?
Leisegang: Ein zweieinhalbstündiges Programm, in dem sich vornehmlich die Titel der vergangenen vier Alben wiederfinden. Darüber hinaus werden ein paar umarrangierte Klassiker und als Neuvorstellung das Lied „Was ich im Wasser sah“ zum Besten gegeben. Obendrein natürlich „Mensch Meier!“, jener gecoverte Titel von Rio Reiser, nach dem die aktuelle Tour benannt ist. Schließlich wird Gitarrist Rudi Feuerbach wieder zweimal als Sänger im Rampenlicht stehen.

Im Frühjahr sind Live-Mitschnitte von zwei Konzerten im Schweriner Speicher entstanden. Wann werden sie veröffentlicht?
Leisegang: Voraussichtlich im September wird – zehn Jahre nach der Doppel-CD „Nachtvorstellung“ – ein Live-Album erscheinen. 16 Titel aus dem eben beschriebenen Spektrum hat die Band ausgesucht.

Der Prozess war dem Vernehmen nach kompliziert.
Leisegang: Das ist schmeichelhaft ausgedrückt. Dabei glaube ich, hatten einige Musiker zu wenig Vertrauen in die eigenen Stärken. Letztlich kann sich das Ergebnis – produziert von Jürgen Block und Andreas Sperling – hören lassen. „Das Projektil“ etwa kommt sehr viel emotionaler daher als in der aufwändig erarbeiteten Studiovariante. Das darf, kann und soll von Band und Publikum – nicht zuletzt auch in Belzig – gern so empfunden werden.

Share Button

Kommentar verfassen