Das ist ein Geschenk, so eine Band

Von Susanne Thon / Mit freundlicher Genehmigung der MZ (Mitteldeutsche Zeitung)

ASCHERSLEBEN/MZ. „Graffities machen graue Wände lebendig.“ Und „Keimzeit“ macht das Leben lebendig. Wer einmal auf einem Konzert der Band gewesen ist, der tänzelt anschließend „zurück, nach Hause im Wiener-Walzer-Schritt“, „kling, klang – … die Straßen entlang“. Im Kopf noch die Geschichten aus dem Leben. Im Ohr noch eingängige Melodien, die sich in keine Schublade stecken lassen. Auf den Lippen noch gedankenreiche Texte, poetisch anmutend. Wer sich auf das „Keimzeit“-Erlebnis einlassen will, der hat am kommenden Wochenende Gelegenheit dazu. Zum Park- und Lichterfest spielt die Band am Sonnabend auf der Hauptbühne im Zirkuszelt auf der Herrenbreite. MZ-Mitarbeiterin Susanne Thon hat mit Frontmann Norbert Leisegang gesprochen. Der ist gerade auf dem Weg nach Suhl gewesen.

Wochenendtrip oder Konzertreise?

Leisegang: Wir spielen zwei Konzerte mit dem Keimzeit-Akustik-Quartett – Keimzeitsongs, Songs von Rudi Feuerbach und dann noch Filmmusiken.

Das Quartett gibt’s im Gegensatz zu „Keimzeit“ noch gar nicht so lange – seit 2009. Wie ist es entstanden?

Leisegang: Das war mehr ein Geschenk des Himmels. Wir hatten eine Anfrage, ob wir zu einer Hochzeit kommen können – und am besten ohne Schlagzeug eine leise Vorstellung geben. Mein Bruder Hartmut, Rudi Feuerbach und eine Geigerin, die ich noch kannte, Gabriele Kienast, haben uns dann dazu entschlossen, zu spielen und als wir das dann taten, merkten wir sofort hier „funzt“ es, wie man so schön sagt, hier geht es richtig ab. Das haben wir im Auge behalten, hin und wieder Sessions gehabt und es so ausgebaut, dass wir in diesem Sommer auf Tour gegangen sind.

Ein Zufallsprodukt sozusagen?

Leisegang: Wenn man Musiker zusammenstellt, muss das nicht unbedingt eine Band ergeben. Aber in dem Fall war’s so.

Wie schon bei „Keimzeit“. 2012 gibt es die Band 30 Jahre. Blicken Sie da eher nostalgisch zurück oder erwartungsfroh nach vorn?

Leisegang: Beides. Grundsätzlich sind wir stolz darauf, dass wir alle Höhen und Tiefen bewältigt, tolle Alben aufgenommen haben und nach 30 Jahren immer noch zusammen Musik machen. Das ist ein Geschenk, so eine Band. Darüber sind wir total glücklich. Für die Zukunft haben wir schon Pläne. Im November fahren wir nach Andalusien, nach Motril und nehmen wie schon einmal mit Paul Grau, einem ehemaligen Kölner, der dort sein Studio hat, unser nächstes Album „Kolumbus“ auf. Und das kommt dann zu den 30 Jahren – sagen wir mal – klassischem Material von „Keimzeit“ 2012 noch hinzu.

Wie ist das nach so langer Zeit, muss man sich zwangsläufig irgendwann neu erfinden oder knüpft man immer wieder an?

Leisegang: Mit dem Neuerfinden ist so ’ne Sache. Das merkt man oft erst hinterher, ob man sich neu erfunden hat mit dem Album. Will man es erzwingen, dann wird es oft peinlich, insofern versuchen wir so entspannt als möglich an alles ran- zugehen.

Und das sieht bei Ihnen wie aus?

Leisegang: Bei uns ist es so, dass ich die Songs selbst schreibe und entwerfe und ich sie der Band erst mal vorspiele. Dann gehen wir in Probekeller und nehmen das auf. Grob. Und nach einer Weile stellen wir den einen oder anderen Song auch mal auf die Bühne. Dann merken wir sofort, ob er für uns und fürs Publikum funktioniert. In der heißen Phase der Produktion – das sind dann meist drei oder vier Wochen Recordingzeit – wird das Gesamtwerk noch mal neu überdacht und aufgenommen. Das ist so, als schreibt man einen Roman. Man sammelt ganz viel und am Ende geht man mit der Harke durch. Was ist relevant? Wovon kann man sich trennen? Es soll ja ein Erlebnis für den Hörer oder Leser werden.

Klingt routiniert, aber nicht nach stupider Routine…

Leisegang: Dagegen versuchen wir anzukämpfen. Immer, wenn uns auffällt, dass eine gewisse Routine eintritt, die der Sache nicht dient, wenn es einschläfert und jeder schon weiß, was als Nächstes kommt und sich darauf ausruht, dann gehen wir mit der Axt rein und stellen alles um. Und wenn es uns mal nicht auffällt, dann werden wir auch von unserem Publikum, unserem Manager und den Leuten um uns herum wachgerüttelt.

Apropos Publikum. Worauf darf sich denn das Ascherslebener Publikum freuen? Es heißt, Sie kommen in großer Besetzung.

Leisegang: In Aschersleben spielen wir noch ein großes Stück unseres Sommerprogramms. Wir sind ja mit der Band und einem Bläsersatz – Posaune, Saxofon und Trompete – unterwegs gewesen. Wir haben natürlich viel klassisches Material dabei und einige Songs unserer letzten Alben „Stabile Währung Liebe“ und „Land in Sicht“. Und drei, vier Neuvorstellungen bringen wir im Konzert auch unter.

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