23.7.05 – Belzig, Keimzeit auf Burg Eisenhardt

An diesem Wochenende ist es wieder so weit, Keimzeit haben ein Heimspiel in Belzig auf der Burg Eisenhardt. Ich wünsche allen Fans, die nach Belzig fahren und natürlich der Band viel Spass, viel Erfolg und natürlich kein Regen.

Belzig

Für alle Fan’s die nicht nach Belzig fahren konnten, wird in den kommenden Tagen ein ausführlicher Bericht hier zu finden sein und wie ich hoffe auch viele, neue schöne Bilder.

Es ist vorbei, das Konzert in Belzig ist für dieses Jahr wieder gelaufen und wir haben nun schon die ersten Berichte, zum einen von Rene, welcher auch gleich sehr schöne Bilder hinterlegt hat und hier zu finden ist: Artikel von Rene H.

Aber auch Dirk hat einen Artikel verfasst, welchen ich hier direkt posten will.

Heimspiel – Keimzeit auf Burg Eisenhardt, 23.7.05, Belzig

Von Dirk Hardegen

Da stehe ich nun leicht fröstelnd im Burghof von Belzigs kolossalem Blickpunkt: der Feste Eisenhardt. Viel zu dünne Klamotten am Leib und immer noch leicht matt. Einerseits wegen des verlockend süffigen „Berlinder Kindls“, andererseits wegen der übern Daumen 4 Stunden Anfahrt, die mir noch immer in den Knochen stecken. Immerhin hab ich seit eben einen neuen Kumpel neben mir – „Lenin“, das ist sein Spitzname, und mehr will er auch nach 3 weiteren gemeinsam genossenen Bierchen nicht von sich verraten.

Immerhin präsentiert er mir da etwas unvermittelt sein Tattoo – „Rory Galagher“ steht auf dem stolz gespannten Oberarm – zu Ehren des legendären Bluesgitarristen an dessen Todestag gestochen, grinst Lenin.

Lenin hat weder Bart noch Halbglatze – dafür trägt er die dunklen Haare schulterlang, raucht Selbstgedrehte und steckt in einer abgewetzten, olivgrünen Parkajacke. Keimzeit auf Burg Eisenhardt – das ist für ihn seit Jahren heiliger Pflichttermin, erklärt er. Und ich denke bei mir: genauso hab ich sie mir nach Lektüre des Keimzeit-Buches vorgestellt – die Hippies im Osten, jene beinharte Parka/Jeans-Gemeinde, die in den frühen Bandjahren der Truppe treu und ergeben nachgepilgert ist, „als sie noch ´Joker´ hießen“, wie Lenin anmerkt. „Moment“ – protestiere ich jetzt, „Du meinst: ´Jogger´“ – wie gesagt: ich hatte das Buch gelesen…

Doch Lenin lässt sich nicht beirren, rasch raunt er: „nein, nein, nein, ist falsch – das denken nur alle.“

Hier wende ich mich ab („Goodbye Lenin“) – und der Bühne zu. Die Band ist gut in Form und sichtlich in Spiellaune. „5 Sekunden“ und „Ganz normale Frauen“ eröffnen den Abend – getreu dem bisherigen Tourprogramm. Rudi Feuerbach hat vorm Gig leichte Nervosität eingestanden – doch das hat einen ganz speziellen Grund: eine neue Gitarre – eine pechschwarze Fender „Telecaster“, ein Modell aus den 80ern, die er sich erst kurz vorm Auftritt beschafft hat und die hier auf der Burg ihre Bühnentaufe mit Keimzeit erlebt. Der „Tele-Fehler“ – also: die neue Gitarre ungeprobt live einzusetzen – der beim Soundcheck noch spaßhaft innerhalb der Band die Runde macht, ist schlussendlich keiner – das Brett macht sich gut im Soundbild – setzt sich durch, so wie es Rudi bei den Aufnahme-Sessions in Hamburg schätzen gelernt hat (Plasas Franzerl ist Tele-Fan).

Vor allem optisch gut, macht sich hingegen eine frisch getraute Braut in voller Hochzeitsmontur – die Norbert urplötzlich auf die Bühne bittet, um „etwas ganz neues zu versuchen“ – „Nathalie“ als Duett mit der Braut, deren gesangliche Einwürfe sich aber sicherheitshalber auf den Leileileilei-Teil beschränken. Bis der Bräutigam seine entführte Holde nach dem Lied endlich von der Bühne holt, dauert´s nach Ansicht einiger Umstehender einen Tick zu lang – der Typ neben mir sagt augenzwinkernd, er als Bräutigam wäre schneller oben gewesen – und als die Braut Norbert noch einen Abschiedskuss auf die Wange drückt, dämmert mir langsam, was er damit meint.

„Ferien“ vom neuen Album, eine Coverversion des Erdmöbel-Songs „Nah bei Dir“ (den die Band schon mal gelegentlich gejamt hat), sowie der frisch aufgenommene Scherben-Track „Mensch Meier“ sind die speziellen Farbtupfer im Programm – dass von einer gut halbstündigen „Flugzeuge“-Version als zweiter Zugabe gekrönt wird.

Wie mir zu Ohren kam, hat die Band das Konzert mitgeschnitten, wohlmöglich steht mal wieder eine Live-Veröffentlichung ins Haus? Es wäre ja mal wieder an der Zeit für eine Live-Bilanz nach vier Studioalben.

Sollte das tatsächlich passieren – hören wir demnächst nicht nur Lenin, mich und viele hundert Fans mehr jubeln, sondern auch die komplette Leisegang-Familie mit Schwester und Eltern sowie an die 150 Verwandte, enge Freunde und Kumpels der Belzig-Buben, die an diesem Abend auf der Gästeliste standen.

Ein Heimspiel eben.

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