30.07.2005 Privates Kino am Arendsee

So ganz privat war es dann doch nicht am schönen Arendsee im Herzen der Altmark, ein paar Gäste hatten den Weg ins Strandbad gefunden um nicht Kintopp zu erleben, sondern die Potsdamer Band Keimzeit. Die brauchten aufgrund der Entfernung nicht mit Flugzeuge kommen, sondern in einem Auto.

Übrigens auch Rosi war dort.

Die Band Bordstein aus Kläden bei Arendsee hatte die Aufgabe die erschienenen Gäste einwenig auf das Programm einzustimmen. Ebenso wie Keimzeit machen sie seit 25 Jahren Musik, allerdings aus Hobby.

Keimzeit haben smart und gelassen wartend genauso viele Dienstjahre hinter sich gebracht.Das Publikum war gemischt, wer keine Männer erwartete wurde enttäuscht, vom pickelbesetzten Teenager bis zum Rentner war alles vertreten an diesem Abend. Es gab einen Mix aus privatem Kino und alten fast vergessen geglaubten Titeln.

Vielleicht dachte sich zwar mancher Karneval wird im Kaffee serviert, aber ganz so war es nicht. Niemand kam als Schmetterling verkleidet und tanzte im Untergrund, es wurde Keimzeit-Party vor der Bühne gemacht. Basspapst Hartmut Leisegang brillierte ebenso gekonnt wie Ralf Benschu an seinem Instrument.
Das die beiden so gut sind liegt mit Sicherheit daran das sie ihre Zeit nicht den Einarmbanditen leihen.

Bei den alten Titeln freute sich besonders die Damenwelt, für sie war es sicher als würden Primeln & Elefanten gleichzeitig tanzen. Selbst einsame Donauangler sollen beim Konzert gesichtet worden sein. Zumindestens behaupteten das die ganz normalen Frauen.

Ein junger Mann mit Fotoapparat sagte zu einer neben ihm stehenden Frau „erzähl mir von dir“, daraufhin griff sie keck zu seinem besten Stück dem Fotoapparat sprang auf die Bühne und versuchte Norbert abzulichten.


Leider gelang ihr das nicht mit dem megagrossen Teil und sie flüsterte nur leise vor sich hin „für diesen Augenblick dich in die Kamera zu kriegen, haut mal wieder nicht hin“.

Der junge Mann glaubte entweder im Irrenhaus zu sein oder in Singapur, aber die Dame gab ihm die Kamera zurück und vollführte erst einmal den Tanz der sowjetischen Streitkräfte.
Mensch Meier hörte ich so manchen sagen und tatsächlich Manager Dirk Tscherner hat diesen Titel von Ton Steine Scherben ausgesucht für einen im September erscheinenden Tributsampler, auf dem auch Keimzeit mitvertreten sein werden.

Die bei Keimzeit-Konzerten üblichen Lichteffekte gab es natürlich auch, die Avangard bekam also ihr Licht. Supermann Norbert trat ab und an auch in den Hintergrund um Spatz das Mikrofon zu überlassen oder auch das Schlagwerk. Was ungewöhnlich aber interessant war.

Nach dem Keimzeitauftritt, der viel zu kurz war, eigentlich sollten Keimzeit-Konzerte bis zu fünf Tage dauern, denn solange dauert es bis alle Keimzeittonträger abgespielt sind, kam die einheimische Trachtenkapelle Bordstein nochmals zum Zug bis alle Anwesenden merkten „etwas höher nur der Mond“, „denn solche Tage sind gezählt, sagt man“, „trinken wir das Licht der ersten Sonnenstrahlen“.

Die Karawane machte sich dann langsam mit Kling Klang auf den Weg der Heimreise. Auch die Seerosen schienen zu weinen, wo ihnen so etwas nie passiert. Aber jeder wusste das ist nicht das Ende, nur nach Hause im Wiener Walzer Schritt.

Auf spanisch „alles Märchen“ auf italienisch „alles jux“ ob es nun wirklich wahr ist oder nicht, das weiß der Fuchs, eines aber ist plausibel und sonnenklar „la vie de la boheme“ heute Nacht in dieser Bar Keimzeit.

Alle Bilder (C) bei Bernd Zahn

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