Annaberg-Buchholz 4.11.2006

Das dritte Keimzeitwochenende in Folge führte mich dieses Mal ins wunderschöne Erzgebirge. Genau genommen war Annaberg-Buchholz mein Ziel. Nach trister Autobahnfahrt verwöhnten mich auf den letzten 50 Kilometern verschlafene Dörfer und die Strasse schlängelte sich fortan bergauf. Als ortsunkundiger, nicht Erzgebirge erfahrener zog ich schon eine kleine Schlange anderer Autofahrer hinter mir her und entschloss mich kurzerhand nach Erblicken des Ortsschildes von Annaberg-Buchholz beim Klinikum rechts raus zu fahren. Eine gute Entscheidung. Vom dortigen Parkplatz hatte man einen wunderschönen Blick aufs nächtliche Annaberg. Die im Scheinwerferlicht herausragende St.Annenkirche setzte ich schon mal auf mein Tagesprogramm für den kommenden Sonntag.

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Nach ein paar Fotos zog ich es aufgrund des stürmischen kalten Windes doch vor wieder ins kuschelig warme Auto zu springen und meinen Weg Richtung Alte Brauerei fortzusetzen.

Weit kam ich nicht, denn dieses schöne Begrüßungsschild wollte ich dann doch noch aufs Foto bannen.

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Nach kurzer Fahrt durch die Stadt gelangte ich auf dem Hof, der in düsteres Licht getauchten „Alten Brauerei“, an.

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Es war noch ruhig, nur gelegentlich huschte ein bekanntes Gesicht wie ein schwarzer Schatten vorbei, um dann im angrenzenden Haus wieder zu verschwinden. Bis zum Einlass blieb noch mehr als eine Stunde, die ich mir mit netten Telefonaten verkürzte. Auch ein Treffen von guten Bekannten hier aus dem E-Feld stand noch an. Wenig später klingelte es, Dirk aus Gera nebst weiblicher Begleitung kündigte sich an und Augenblicke später begrüßten wir uns beim inzwischen vierten Versuch. Nach Weimar, Leipzig, Jena nun also in Annaberg sollte es klappen. In der Zwischenzeit hatten noch mehrere Besucher das Gelände aufgesucht und wir warteten gemeinsam darauf daß nun die Pforten geöffnet werden. Kurz nach 8 war es dann soweit und wohlige Wärme erfasste uns schon im Eingangsbereich.

Eine Tür später traten wir ein in den Saal wo wir den heutigen Abend verbringen wollten. Im vorbei gehen warfen wir schon mal einen kurzen Blick auf die kleine Bühne, das wird gemütlich. In der hinteren rechten Ecke hatte sich unsere Cathrin einen Platz gesichert und war auch schon fleißig dabei diverse LP´s und CD´s an den Mann (Frau) zu bringen. Wie immer mit einem freundlichen Lächeln begrüßte man sich. Heute gab es ein wenig mehr zu tun, auch die Fanartikel der Vorband standen zum Verkauf.

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Nun da noch genügend Zeit bis zum ersten Auftritt war zogen wir uns derweil in die angrenzende Bar zurück und genossen schon mal unser jeweiliges Lieblingsgetränk und vertieften uns in Gespräche. Die Zeit verfliegt im Nu und wir werden durch laute Klänge aus dem Nachbarraum zurück geholt. Es geht also los. Schnell sind wir auf den Beinen und spurten wie viele andere auch in den Saal. Obwohl wir noch ganz hinten stehen kommen einen die Bässe mit einer Wucht um die Ohren geflogen das es schon weh tut. Aha, der Eiszeitclub musiziert.

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Zeitweise vibriert mein ganzer Körper, ich habe Blickkontakt mit anderen Leidensgenossen, für mich ist klar es ist eindeutig zu laut. Vielleicht ist es auch nur Gewöhnungssache. Ich beschließe ein paar Fotos von dieser Rockformation zu machen und platziere mich neben dem Technikstand. Der Tontechniker von EISZEITCLUB ist sehr nett und bittet mich herauf, Danke nun ist die Sicht frei über die Köpfe der gut gelaunten Besucherschar.

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Mit der Zeit gewöhne ich mich auch an die Lautstärke und finde die Musik nicht schlecht, wie viele andere auch. Ich werde sogar mutig und versuche mir einen Weg nach vorn zur Bühne zu bahnen. Es war wohl Übermut, neben der Box erwartet mich der nächste Gehörschock. Schneller als sonst erfülle ich meinen Fotojob und flüchte wieder nach hinten. Die Band um Tino Stobbe spielt noch einige Stücke, auch eine Zugabe wird den Fans noch gereicht, dann gibt es eine Verschnaufpause.

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Die kurze Umbaupause gibt Zeit die Getränkevorräte wieder aufzufüllen und abgebrochene Gespräche fortzusetzen.
Gegen halb 11 ist wieder Bewegung auf der Bühne. So langsam erscheinen 6 bekannte Musiker und machen eine Art zweiten Soundcheck. Da wird ausgiebig die Gitarre gestimmt, Gesten Richtung Tontechnik geben dem Mann an den Reglern zu verstehen daß es noch nicht so ganz passt, aber das ist schnell erledigt. Norbert genehmigt sich auch noch fix einen Schluck Kaffee und das Publikum genießt auch einmal diese Momente ihrer Band schmunzelnd.

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5 Minuten später greift Norbert zum Mikrofon und begrüßt strahlend das Publikum und verspricht einen langen Abend mit Keimzeit. Das Irrenhaus eröffnet diesen sogleich und schon ist man wieder eingetaucht in eine andere Welt, der man nie wieder entweichen möchte. Ja die Musik hat uns wieder gefangen, ich bin gern Gefangener.
Die erste „Neuvorstellung“ an diesem Abend „Dieses Mal“ ging der Band laut Norbert erst jüngst ins Netz, er sollte oft mal rausfahren um zu fischen.

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Nachdem wir einen Ausflug im Heißluftballon über Tokio gemacht hatten landeten wir sicher wieder in Annaberg und waren anschließend Breit.

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Auf wundersame Weise gelang es Norbert uns wieder aufzurichten, indem er uns einfühlsam mitteilte „was er im Wasser sah“. Bei diesem Titel schmilzt man einfach dahin, ein Höhepunkt bei jedem Konzert.

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Norbert wurde an diesem Abend auch noch als Amor tätig, verkündete er doch eine Liebeserklärung von Anne für ihren Martin, ob „Kling Klang“ da der richtige Titel war bleibt dahingestellt. Er hat sich sicher darüber gefreut.

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Als die ersten Töne von Nathalie erklangen verhedderte sich Norbert naturgemäß wieder und stellte kurz darauf fest „Ich schwitze wie ein Schwein.“ Das sagt man doch nicht . 🙂 Nun war auch noch der Lichtmann gefordert. Ein wenig Licht aufs geschätzte Publikum war gewünscht, „…so ist besser, nein so ist auch nicht gut, so ist besser…“.Wer sich das mal anschauen wollte wurde auf die Bühne gebeten, aber keiner traute sich. Kurz darauf waren wir wieder ins Dunkel getaucht.

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Das Ende nahte und „So“ läutete es schon mal ein, irgendwie hat dieser Titel so etwas endgültiges, man weiß dieses wunderschöne Gefühl unter Gleichgesinnten zu sein und diese einmalige Musik zu genießen ist bald vorbei. Aber eins ist auch klar, wir werden eine Zugabe fordern und sie auch bekommen, das ist sicher.

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Eine weitere halbe Stunde dürfen wir uns noch diesem Gefühl hingeben, aber die „Flugzeuge“ bringen uns zurück auf den Boden der Realität. Rudi lässt uns erschauern, hingebungsvoll dreht er an seinen Reglern und lässt jedes Mal andere Töne aus den Lautsprecherboxen erklingen. Das Publikum und der Rest der Band schauen fasziniert zu, bis er lächelnd den Regler auf Null dreht und es still wird. Aber nicht lange, denn tosender Applaus lässt den Saal noch einmal beben. Glücklich und zufrieden beenden Band und Publikum diesen Abend.

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Gegen 3 Uhr war dann der Saal fast leer und das Bett rief schon.

Nach einem guten Frühstück blieb noch ein ganzer Tag Zeit die Schönheiten des Erzgebirges kennen zu lernen, aber das Wetter ließ nicht die richtige Stimmung aufkommen. Bei strömenden Regen machte ich mich auf in die Innenstadt um mir die imposante St.Annenkirche in ihrer wahren Größe einmal anzusehen. Gleich gegenüber befindet sich das Erzgebirgsmuseum mit dem angegliederten Gößnerstolln.

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Über einen Kunstschacht geht es hinab um Zeugnisse des Silberbergbaus des 15. und 16. Jahrhunderts zu erleben. Die begehbare Fläche ist zwar nicht sehr groß, aber trotzdem hat es Spaß gemacht. Nachdem auch das Museum ausgiebig betrachtet war gings weiter Richtung Frohnau, einem Ortsteil von Annaberg-Buchholz.

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Dort befindet sich das Besucherbergwerk „Markus-Röhling-Stolln“. Hier findet man alles wieder was man sich als Tourist so wünscht. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt. Einen netten kleinen Shop mit allerlei bergbaulichen Produkten, einen Raum zum Video schauen, um sich schon mal für die kommende Untertagetour vorzubereiten, alles ist vorhanden. Dann geht es los. Natürlich ist ein Helm und Umhang Pflicht, der Sicherheit wegen. Die Grubenbahn wartet schon. Auf geht’s, 600m hinein in den Berg, rechts und links der Strecke sind anschaulich diverse Bergbaumaschinen ins rechte Licht gerückt. Es geht zu schnell vorbei um alles intensiv zu betrachten. Dann die Ankunft im Berg.
Unsere Führerin erklärt anschaulich die Technik und die Arbeitsbedingungen der Bergleute, man hat Respekt und weiß dies zu schätzen.

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Ein riesiges wieder original aufgebautes Wasserrad lässt uns erstaunen, wie haben das die Menschen damals nur hinbekommen.

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Nur mannshohe Stollen lassen so manchen über 1,70 m großen den Kopf einziehen, beeindruckend unter welchen Bedingungen damals gearbeitet wurde. Nachdem wir wieder ausgefahren waren blendet das Tageslicht, es regnet immer noch.

Ein schönes Wochenende im Erzgebirge findet seinen Abschluß.

Bericht und Fotos: René Homuth

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