Ein Abend in der Destille

Es ist Donnerstag, ein einigermaßen erträglicher Arbeitstag ist hinter sich gebracht, aber der Tag noch lange nicht zu Ende. Ein Abend mit Keimzeit ist noch fest eingeplant und knapp zwei Stunden Fahrt bzw. 100 km trennen mich noch von diesem Vergnügen. Also kurz frisch gemacht und ab ins Auto Richtung Nordhausen. Da nicht genau bekannt war wann das Konzert beginnen sollte richtete ich mich kurzerhand mal auf 20:00 Uhr ein. Nach einer entspannten Fahrt über Erfurt, Greussen und Sondershausen kam ich dann kurz nach 20:00 Uhr in Nordhausen an und mein Blick richtete sich suchend in der Grimmelallee auf eine Location namens „Destille“. Auf der linken Seite erblickte ich dann auch einen Torbogen mit den darüber liegenden Lettern, doch war ich schon vorbeigedüst. Ein nicht ganz StVO-taugliches Wenden brachte mich nach einigen Metern zurück zum Auftrittsort.

Der Innenhof war schon gut mit Autos gefüllt, unter einem Baum mit tief herabhängenden Zweigen ergatterte ich den letzten Parkplatz. Mein Blick schweifte sofort auf den rechts liegenden Eingang mit dem bekannten neonfarben beleuchteten Buchstaben, klar man hatte sich schon mal vorher im Netz informiert. Nun denn fix die berühmten sieben Sachen gepackt, in meinem Fall waren es doch ein paar weniger, hauptsächlich der schwere Kamerarucksack, es gab noch Arbeit an diesem Abend. 😉

Zum gleichen Zeitpunkt trafen noch mehrere Besucher ein und am Eingang überschütteten wir uns gegenseitig mit Höflichkeiten, „Nein ihr zuerst“, „Nein geh du mal vor“. Nun mir wurde dann der Vortritt gewährt und ich sowie die nachfolgenden Besucher traten ein in eine Location, die den Namen Destille zu Recht trug.

Gleich nach dem Eingang begrüßte mich ein gut gelaunter Dirk und hinter der Whiskytheke eine charmante Cathrin, die an diesem Abend wieder einmal die aktuelle Live-CD an den geneigten Keimzeitliebhaber brachte. Auch Ralf tauchte kurz darauf auf und ein nettes Gespräch ließ die Zeit bis zum Konzertbeginn angenehm verrinnen. Wie ich inzwischen erfahren hatte sollte es erst gegen 21:45 Uhr losgehen, also war noch genügend Zeit vorhanden um sich bei einem kühlen Schwarzen entspannt auf den kommenden Abend vorzubereiten. Als dann auch noch ein paar liebe Freunde aus dem Eichsfeld, genauer aus Worbis, eintraten, wusste ich dieser Abend kann einfach nur schön werden. Vertieft ins Quatschen verpassten wir fast den Beginn des Konzerts, denn plötzlich kam Bewegung ins Publikum, alles stürmte Richtung Bühne, denn die Musiker hatten sich schon ihren Weg durch die Anwesenden gebahnt und an ihren Instrumenten Aufstellung genommen.

Nun hieß es sich durchzusetzen, doch das Nordhäuser Publikum machte bereitwillig Platz, Danke. Doch die Panik war vollkommen für umsonst, vor der Bühne war noch genügend Freiraum, man traute sich wohl nicht so richtig heran. Rechts neben mir hatten ein paar junge Leute offensichtlich sehr viel Spaß und ihre Münder bewegten sich auch sehr textsicher. Ein angenehmes Gefühl unter Gleichgesinnten zu sein.

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Ein wenig hatte man schon Mitleid mit den Jungs auf der Bühne, Platzangst durften sie wohl nicht haben, aber es gab auch schon kleinere Bühnen. Ein sehr gut abgestimmtes Set aus alten und neuen Titeln, sowie auch das neu arrangierte „Getrennte Wege“ ließ keine lange Weile aufkommen, das Publikum wurde zunehmend lockerer und die Stimmung kam bald auf dem Höhepunkt an.

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Bei „Nathalie“ verließen wieder einmal alle Musiker bis auf Norbert die Bühne und plötzlich gesellten sich Rudi und Ralf neben mich und blödelten herum. Sie machten sich ein wenig lustig und sprachen von „ …das lohnt doch nicht, komm gehen wir lieber….“

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Doch sie liefen nicht davon sondern erschienen kurz darauf wieder auf der Bühne um gewohnt witzig die gesungen Zeilen von Norbert gestisch zu untermalen. Die Lacher hatten beide wieder einmal auf ihrer Seite. Ein echter Augenschmaus, man muss einfach immer wieder schmunzeln.

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Auch Spatz überzeugte wieder einmal durch gesangliche Qualitäten, aber auch als Beleuchtungstechniker bewies er viel Fingerspitzengefühl. Auf Norberts Wunsch bewegte er die Regler des Lichtpults hinter seiner Orgel geschickt auf und ab und zauberte so gekonnt oder eher durch Zufall manch schöne Lichtstimmung. Am Instrument musste man ihn schon fast suchen, so versteckt war er bei den beengten Verhältnissen.

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Eine Runde Tequila, beauftragt von Norbert, fand durch Rudi seinen Weg in die erste Reihe vor der Bühne und wurde dort wohlwollend genossen.

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Das 2,5 Std. wie im Fluge vergehen können mussten alle Anwesenden mit einem traurigen Blick auf die Bühne kurz nach 0:00 Uhr feststellen. Mit einer tiefen Verbeugung und verschmitzten Lächeln genossen unsere Musiker den nicht enden wollenden Applaus.

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Das Lächeln kam zurück aus dem Publikum und traf sich irgendwo im emotionsgeladen Raum der Nordhäuser Destille. Der musikalische Teil dieses Abends war nun leider viel zu schnell vorbei gegangen, doch das hieß noch lange nicht das alle sogleich nach Hause stürmten. Die Bar war auch noch am frühen Morgen gut besucht und Ralf ließ sich fachmännisch (oder doch fachfrauisch 🙂 ) über diverse Whiskysorten beraten und „genoss“ dann auch ein Glas eines ganz edlen Tropfens.

Die Müdigkeit und auch der Ausblick auf das kommende Wochenende sagte mir das es nun doch langsam Zeit wurde mich Richtung Heimat zu begeben, aus einer eigentlich zweistündigen Fahrt wurden dann doch ein paar Stunden mehr, gelegentliche Schlafstopps verzögerten die Ankunft immens. Viel Zeit blieb nicht um sich zu erholen, denn am Freitag Abend war ja schon wieder ein Treffen von lieb gewordenen Freunden hier aus dem E-Feld geplant.

Bericht und Fotos: René Homuth

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