Nach Erfurt kommt Riesa

– Erdgas Arena – 28.10.2006

Ein schöner Abend mit Freunden und vertrauter Musik war zu Ende, das letzte Bierglas geleert und die Nacht hinter uns gebracht. Wir genossen unser Frühstück bei fast strahlendem Sonnenschein und schmiedeten Pläne ob der kommenden Stunden, die uns von unserem nächsten Konzerttermin in Riesa noch trennten. Kulturprogramm war angesagt. Wir nutzten den vermeintlich sonnigen Vor – Mittag, uns die „Zitadelle Petersberg“ zu Erfurt anzusehen und an einer interessanten Führung teilzunehmen.

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Glücklicher Weise fand der größte Teil der Führung in den Innenräumen statt, denn inzwischen hatte sich die Sonne gänzlich in ihr Wolkenbett zurückgezogen und es schüttete wie aus Eimern.

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Nach der sehr interessanten und humorvoll gehaltenen Führung stärkten wir uns noch ein wenig im ansässigen Lokal, stellten bei dieser Gelegenheit fest, dass Salat nicht nur botanisches Leben beinhalten konnte und machten uns hernach auf den Weg ins sächsische Riesa.

Nach nicht enden wollender Fahrt über die vor Nässe strotzende Autobahn, einer längeren Erholungspause und beschaulicher Regenfahrt durch unzählige kleine verträumte Dörfer kamen wir endlich in Riesa an. Nun noch die Spielstätte unserer Band finden… Nachdem wir das riesige Gelände der Sportstätte so einige Male umrundet hatten, sahen wir endlich den Eingang zur „Erdgas-Arena“ und sogleich auch die Ankündigung für den heutigen Abend in Leuchtbuchstaben.

Jetzt konnten wir beruhigt ein Quartier für die Nacht suchen und uns noch einige Zeit von den Strapazen der letzten Stunden ausruhen, bevor der zweite „keimzeitliche“ Abend dieses Wochenendes begann.

Kurz vor 21:00Uhr begaben wir uns zum Eingang der Arena, es schien diesmal eine ziemlich große Halle zu sein, und traten erwartungsvoll ein. Groß war diese Halle, wenn auch geteilt, und dunkel und kalt, aber viele fröhliche Menschen belebten sie und hauchten ihr emotionale Wärme ein.

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Das Konzert begann, die Leute applaudierten. Die Höhe des Raumes verschlang einen Teil des Jubels, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Wir sahen eine fröhlich gestimmte Band mit einem ausgelassenen zum Albern aufgelegten Norbert, bei guter Akustik (man konnte im Gegensatz zum Vorabend das gesungene wie auch gesprochene Wort Norberts sehr gut verstehen), und interessant eigenwilligem Licht, welches den Sänger häufig erst Sekunden nach Beginn des Liedes aus dem Dunkel der Umgebung auftauchen ließ.

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Auch das Publikum wurde, zum Teil auf Wunsch unseres Sängers, mehrfach in Licht gehüllt, was der Band sicherlich auch einmal einen ungewohnten Ausblick ermöglichte. Zwischenzeitlich musste die Tontechnik wohl so gut gewesen sein, dass die kleinste Unstimmigkeit der Töne unsere Gitarristen aus dem Konzept brachte und die Instrumente mehrfach neu gestimmt wurden. Ab und an entwickelten auch Texte ihr Eigenleben und entschwanden auf wundersame Weise dem Gedächtnis des Sängers um sich in neuer Formation wieder zusammen zu finden und den Sinn des gesungenen Wortes völlig neu zu kreieren. Besonders betroffen waren hierbei die Lieder mit russischem Hintergrund, was sicherlich eher dem Zufall geschuldet war.

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Ja, es wurde viel gelacht und gescherzt auf und vor der Bühne und als dann noch ein Schraubenschlüssel ins Spiel kam, ein „Neunzehner“ wie von Norbert bemerkt, konnte sich wohl kaum jemand mehr das Lachen verkneifen.

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Eine junge Dame aus dem Publikum wurde damit glücklich beschenkt, um ihn kurz darauf leider wieder zurückgeben zu müssen. Wie sonst hätten die Techniker im Anschluss des Konzertes die ganze Lichttechnik wieder demontieren können.

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Mit dem Ertönen des unvermeidlichen „Kling Klang“ war dann die Stimmung auf ihrem Höhepunkt und das Publikum so in Ekstase, dass die Größe des Saales kaum mehr zu spüren war. Es gab wie immer multiple Zugaben und der Abend fand seinen Abschluss mit einem, wie schon so oft, traumhaft dargebotenen „Flugzeuge“, welches bei mir wieder einmal ein ganz besonderes Bauchgefühl hervorrief.

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Das Konzert war zu Ende, der Saal wurde erhellt, die Leute nutzen die Gelegenheit sich noch etwas mit Hotdogs und diversen Getränken zu stärken, sich in lockere Gespräche zu vertiefen, oder das soeben gehörte auf CD oder sogar in Vinyl, als echte Rarität, käuflich zu erwerben.

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Indessen waren die Mitglieder der Band eifrig damit beschäftigt, ihr Equipment wieder zu verpacken, was ein Mensch aus dem Publikum, welcher scheinbar die Wende verschlafen zu haben schien, zum Anlass nahm, Spatzi eine brisante Frage zu stellen: „ das dürft Ihr wohl nich mehr spielen? ne?… dürft ihr das nu nich mehr spielen, oder was?… na, Amsterdam???“
Spatz schaute etwas irritiert in die Runde… „ was? wie?… na, es gibt noch ca. 80 weitere Titel…“

Der Saal leerte sich nun endgültig, Instrumente und Technik waren wieder gut verstaut und es hieß wie schon so oft, wieder einmal Abschied zu nehmen.
Auch mich befiel in diesen Momenten wieder ein wenig die Traurigkeit, über ein viel zu schnell vergangenes Konzertwochenende. Doch wie heißt es so schön in einer altbekannten Textzeile:
… auch wenn Regenwolken weinen, ein Clown der lacht! …

Getreu diesem Motto warf ich mich Selbigem im Foyer an den Hals, was selbstredend den einen oder anderen Lacher nach sich zog…

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So zogen wir der Nacht und unserem Hotel entgegen, erholten uns in wohligem Schlaf und traten am nächsten Tag, frisch gestärkt den Rückweg aus dem Sachsenlande an.

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Nach Anfänglicher Regenstimmung kam auch die Sonne aus ihrem Versteck wieder hervor und zauberte uns einen wunderschönen Herbstkurzurlaubstag herbei, den wir, bei einem kleinen Abstecher ins Vogtland, in „Gottes Natur“ und aus vollen Zügen genossen.

Bericht: Birgit Buchheim

Fotos: René Homuth

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