Theaterschiff Potsdam – die Zweite

lesung01.jpg „Zu einer Lesung wollte ich und ging auch hin…“, das zweite Mal, der gleiche Ort und wieder war es zauberhaft und amüsant.

Als ich erfuhr, dass im Theaterschiff Frank Braun und Norbert Leisegang ein zweites Mal zu Gast sein würden war für mich klar, ich würde mir das Schauspiel der verbal heruntergelassenen Hosen der beiden Herren auch ein zweites Mal nicht entgehen lassen.

Hatte mich das bezaubernde Flair dieser Spielstätte doch schon Anfang dieses Jahres in seinen Bann gezogen. Also brach ich, mit meiner Tochter im Schlepptau, nach Potsdam auf, um wieder einmal einen Abend mit extremer Lachmuskelakrobatik zu erleben.

Das Schiff war diesmal zwar wieder gut besucht, aber nicht so überfüllt wie zur Premiere Anfang März und so nahmen wir, nach einer kleinen Stärkung, im Bauch des selbigen platz, um den heiteren Geschichten und musikalischen Einlagen der zwei Musiker und „Schreiberlinge“ zu lauschen.

Norbert und Frank gaben sich wieder einen verbalen Schlagabtausch, indem sie abwechselnd beispielsweise über mehrfach geklonte Nancys sinnierten ( „für jedes Bandmitglied eine“), welche die männliche Grundstimmung an sonnigen Frühjahrsvormittagen mit Sicherheit um einiges gehoben hätten, oder kopf stehend über „Lernprozesse“ zur Verständigung mit Vertretern des weiblichen Geschlechts zwecks Anbandelung nachdachten und dabei den Vergleich mit „reifen Kirschen“, welche es zu pflücken und hernach zu vernaschen galt nicht außer Acht ließen. Während Norbert von einer Begegnung der etwas anderen Art mit einem Insekt namens Pyrochroa rubens, übrigens wohl der Gattung der im Volksmund Feuerkäfer genannten Art angehörend, nach einer etwas heftiger ausgefallenen Nacht berichtete, hatte sich Frank wohl eher dem „smarten Volkssport „trunkener Gäste einer Sonnabendabend-Nacht“ verschrieben, welche „smarten Barrikadenbauübungen in Krisengeschüttelten Zeiten“ nachgingen, während „deren Besitzer vermutlich schon schliefen“.

Norbert brachte zum Ausdruck, dass in Begegnungsstätten wie Internetcafés der das Wort hat, welcher nach polyphonen Randfichten-Holzmicheltönen aus dem Handy lautstark mit seinem optisch nicht vorhandenen Gegenüber kommuniziert und hinzukommenden „Froschjungen“ „Rapport“ leistet. Hingegen philosophierte Frank über die zuweilen „Unbedachtheit“ der Kirche im Allgemeinen wie auch im besonderen Fall. Er träumte weiterhin von „einem Sonntag, wie er im Buche steht“ mit denen er sein straffes Laken beschwerte und dabei zu der Erkenntnis kam, dass „Moral“ doch zu achtzig Prozent aus „oral“ besteht und demzufolge „Oral“ ja nichts un“moral“isches in sich tragen kann. Als Norbert schlussendlich zu der Erkenntnis gelangte, dass man mit etwas mehr „Standhaftigkeit“ auch mit einer etwas zu kurzen Hose aufrecht durchs Leben hätte gehen können und Frank das „Hosennutzungsverhalten“ männlicher Wesen in unterschiedlichen Altersstufen beim „Pieseln“ hinlänglich beleuchtet hatte, schloss sich der Ring zum „Arbeitstitel Hose runter“ und der Leseabend neigte sich seinem Ende. Natürlich nicht, ohne die vom Publikum lautstark geforderten Zugaben, sowohl in gesprochenem Wort, als auch in musikalischer Manier.

Wir ließen den Abend dann mit einem alkoholträchtigen Erfrischungsgetränk an der Schiffsbar ausklingen, warfen sinnbildlich Anker und verließen das Schiff um den Heimweg nach Berlin wieder anzutreten.

Bericht: Birgit Buchheim

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