Zwiebelmarkt in Weimar

weimar00.jpgAlle Jahre wieder zieht es im Oktober Tausende Menschen in die Stadt von Goethe und Schiller. Der Grund eigentlich banal, die Zwiebel. Doch nicht nur dieser Knolle wegen machen sich viele Besucher auf den manchmal recht weiten Weg nach Weimar.

Der Weimarer Zwiebelmarkt findet nunmehr bereits zum 353. Mal statt. Der Besucheransturm war auch dieses Jahr immens, die Innenstadt war praktisch komplett dicht. Wer mit dem Auto kam hatte die schwierige Aufgabe einen der wenigen freien Parkplätze zu erhaschen. War dies nach endlosen Kreisen durch teils enge Gassen hinter sich gebracht und die Blechkiste sicher abgestellt sah man sich der nächsten Aufgabe gestellt. Menschen überall, soweit das Auge reichte. Ängstliche Gemüter hätten jetzt sicher den sofortigen Rückweg angetreten, aber wer zum Zwiebelmarkt fährt ist hart im Nehmen. Also auf ins Getümmel.

Der Tradition des Marktes stand natürlich die Zwiebel im Mittelpunkt, an zahllosen Ständen wurde sie feil geboten. Verarbeitet zu wunderschönen Zwiebelzöpfen fand sie reißenden Absatz und damit sicher auch den Weg über Thüringens Grenzen hinaus. Ein anderes Produkt hingegen blieb in Weimar, gleich vor Ort wurde der leckere heiße Zwiebelkuchen verspeist.

Doch nicht nur der Gaumen hatte an den 3 Tagen seine Freude, auch Ohren und Augen kamen auf ihre Kosten. Auf zahlreichen Bühnen in der gesamten Innenstadt gab es den ganzen Tag über etwas zu sehen. Besonders am Samstag Abend fiel es sehr schwer sich zu entscheiden, die Auswahl an hochkarätigen Künstlern war groß. Zu nennen wären hier Mothers Little Helpers, IC Falkenberg, Andreas Marius Weitersagen, Wolf Maahn & Band oder Katharina Franck & Band, bekannt noch aus Rainbirds Tagen.

Nun für mich fiel die Wahl nicht ganz so schwer, auch wenn ich mir natürlich auch andere Künstler gerne angesehen hätte. Wie schon im letzten Jahr sollte erneut Keimzeit auf der Bühne stehen. 21:45 Uhr, Theaterplatz, das waren Zeit und Ort, nun hieß es pünktlich sein. Das sollte sich schwierig gestalten. Warum so viele wichtige Termine auf genau einen Tag fallen ist mir schleierhaft, aber an diesem 14. Oktober war es so. Da hat die liebe Cousine Geburtstag, klar da geht man gerne hin. Dafür musste dann schon der Orgelsaxtermin von Ralf in Sondershausen dran glauben, Schade ich wäre auch gerne gekommen. Dann gedenkt mein Verein noch einen Bowlingabend durchzuführen, soll ich mich zerteilen. 🙂 Also blieb nur Geburtstag und Keimzeit. Nachdem der Bauch bis zum Bersten gefüllt war kam der Punkt wo man sich irgendwie geschickt aus der geselligen Runde entfernen musste.

Da man ja meist immer bis auf die letzte Minute wartet war es bereits kurz nach 20:30 Uhr als ich endlich im Auto saß. Die erste Baustellenampel ließ sich natürlich an diesem Abend besonders lange Zeit um endlich auf Grün zu springen. Also gut, fix auf die Autobahn, es sind ja nur 50 km. Die A71 sonst zügiger Zubringer Richtung Erfurt erwies sich kurz vorm Behringer Tunnel als Sackgasse. Gelbes Blinken und rote Rücklichter bremsten mich erneut aus. Es war bereits nach 21:00 Uhr und nichts bewegte sich. Nun denn ausgestiegen und den Fahrer eines zur Absicherung am Randstreifen abgestellten Fahrzeugs gefragt was denn los sei. Wie man erfuhr wurden Inspektionsarbeiten im Tunnel durchgeführt, mehr wusste er auch nicht. Warum sucht man sich ausgerechnet diesen Tag und diese Uhrzeit aus. Ich war am Kochen.

Der Freitag, der 13. war doch längst vorbei warum ging heute nur alles schief. Eine knappe Viertelstunde später gibt es plötzlich Bewegung. Alle steigen ein und es geht weiter, endlich.
Das Navi sagt, Ankunft 21:43 Uhr. Das wird knapp. Noch liegen 46 Km vor mir. Mit Tempo 180 über die Autobahn geflogen, ein paar Kilometer Landstrasse, dann das Ortsschild von Weimar, erstes Aufatmen. Ich liege noch einigermaßen in der Zeit, aber ein Problem gibt es noch, einen Parkplatz finden. Nirgends einer zu entdecken, der Theaterplatz längst vorbei, weiter Richtung Goetheplatz. Aufpassen nur keinen auf der Strasse laufenden Passanten anfahren. Dann links ne Strasse eingebogen, da steht nen Verbotsschild und auch ein Polizeiwagen, egal. Keiner stört sich dran. Da stehen schon andere Autos, überall Halteverbotsschilder, aber ich hoffe die Ordnungshüter sind heute gnädig.

Nun sind flinke Füße gefordert. Von der Bühne am Goetheplatz klingt schon Musik, hier hat man schon Spaß. Doch wo ist nun dieser verflixte Theaterplatz. Zum Glück habe ich einen Plan aus der örtlichen Tagespresse dabei, kurz drauf geschaut, alles klar, Links halten.

Das Tempo noch mal erhöht, spurte ich durch die Menschenverstopfte Gasse, beinahe Zusammenstöße häufen sich. Dann ein größerer Platz, eine Bühne ist auch zu erblicken und Menschenmassen das man schon Angst bekommt. Im gleichen Augenblick bekannte Klänge von der Bühne, aha, ich bin richtig.

Nur sehen kann ich leider nichts, nur überall Menschen. Ich schließe mich einer Gruppe junger Leute an, die sich in Polonäseart den Weg durch die Massen bahnt. Ich schaffe es mit ihrer Hilfe bis auf die linke Seite der Bühne. Dort ist tatsächlich noch ein wenig Platz und ich stehe in der zweiten Reihe. Ein Lächeln durchzieht mein Gesicht. Geschafft, nun nur noch genießen.

Die Jungs auf der Bühne sind natürlich schon voll in ihrem Element und wissen nichts von meinem Kampf. 🙂

weimar05.jpg

Was nun folgt ist ein vergnüglicher Abend, der auch durch ein paar technische Pannen nicht aus den Fugen gerät. Der Techniker kann Norbert gar nicht so schnell ein neues Mikrofon reichen wie dies immer wieder versagt. Norbert und auch das Publikum nehmen es mit Humor.

weimar03.jpg

Die Stimmung ist anfangs im Publikum wie die Weimarer Nacht, noch etwas unterkühlt. Aber das legt sich schnell. Spontane „Rudirufe“ und stetig wachsender Beifall nach jedem Titel zeigen Keimzeit kommt an in Weimar.

weimar02.jpg

Und damit auch ja keiner vergisst auf das bald im Erfurter Centrum stattfindende Konzert zu kommen kündigt es Norbert kurzerhand schon mal an. Bereitwilliges Nicken im Publikum signalisiert ihm das so mancher hier eine neue Dosis der Droge Keimzeit braucht.

Zum Konzert selbst braucht es eigentlich nicht vieler Worte, gewohnt gutes Spiel, natürlich etwas abgestimmt auf so ein Fest und das kürzere Zeitfenster.

weimar04.jpg

Nachdem das letzte Lied verklungen war verabschiedete sich die Band vom Weimarer Publikum, doch das wollte mehr. Nach tosendem Applaus und Zugaberufen kam mit einem Freudensprung Norbert und auch der Rest noch einmal auf die Bühne. Weitere Stücke verzückten und es hätte noch ein sehr langer Abend werden können, doch die Uhr schritt unweigerlich auf 0:00 Uhr zu.

weimar01.jpg

Ein neuer Versuch sich zu verabschieden scheitert. Ein wenig überrascht blickten die 6 Musiker auf die tobende Menge. Es wird beraten, man ist sich ein einig. Als Dankeschön für so viel Ausdauer und Begeisterung erklingt der letzte Titel für diesen Abend. Danach ist dann wirklich Schluss. Es ging wieder einmal viel zu schnell vorbei.

weimar06.jpg

Doch die Weimarer und ihre Gäste gingen noch lange nicht nach Hause. Weiterfeiern ist angesagt, die Strassen und Plätze sind auch weit nach Mitternacht noch gut gefüllt. Am Rande des Goetheplatzes mache ich noch einmal halt. Hier spielt noch Musik, was eigentlich gar nicht mehr sein darf. Inmitten einer Art Wellblechhütte spielt auf wunderbare Weise nur mit Gitarre und Schlagzeug ein Lebenskünstler Neil Young. Es macht Spaß dabei zu sein, umringt von fröhlich dreinblickenden Menschen. Irgendwann tritt dann ein Polizist heran, der Musiker weiß das es nun Zeit wird aufzuhören, aber ein letztes Stück ist noch drin fragt er. Der Polizist nickt lächelnd und wirft nach dem Ende ein paar Münzen in den bereitgestellten Koffer. So kann es auch gehen, Ordnungshüter, die auch mal ein Auge zu drücken und den Spaß nicht verderben. Obwohl schon seit 1,5 Stunden keine Livemusik mehr zu hören sein dürfte. Danke an den für mich namenlosen Polizisten.

Bericht und Fotos: René Homuth

Share Button

Kommentar verfassen