Allgemeine Volkszeitung Bützow am 27.07.2007

Folgendes Ereignis trug sich am vergangenen Samstag in der Alten Badeanstalt zum Seesack in Bützow zu, als ein durch Bewusstseinsverändernde Drogen leicht benommener Reporter des Radiosenders „Radio Freizeitwelle Bützow“ vor Ort einen Rapport abgab.

Steg1

Dank unfreiwillig folgendem Bericht bleibt schweißtreibendes Geschreibe den Reportern des Elektrofeldes dieses Mal erspart. Es loben Thomas und Dominik, die sich Dank hervorragender Moderation beruhigt in den Sessel zurück lehnen.

Butz-Flyer

„Hallo liebe Zuhörer an den Radioapparaten. Hier meldet sich live vor Ort Klaus Peter Meier Ihres örtlichen Radiosenders „Radio Freizeitwelle Bützow“ von der weltberühmten Kanustrecke „Zur Alten Badeanstalt“ in Bützow (Deutschland). Heute soll hier der finale Vorbereitungswettkampf der Mannschaft der „BSG Traktor Keimzeit“ aus Lütte bei Belzig statt finden.

Steg6

Die ersten Zuschauer befinden sich bereits an der Strecke alldieweil die Sternchen wohl noch in ihren Loungen im VIP-Bereich über ihr zur Verfügung gestelltes Catering herfallen. Ich werde mich für Sie da Draußen, für all diese traurigen Gestalten, die diesem Spektakel aus unempfindlichen Gründen nicht beiwohnen können, mal ein wenig umhören.

– Junger Mann, wie ist Ihre Einschätzung dieses Wettkampfplatzes?

„Ähem, wie? Also ich finde es sehr schön hier. Alles ist wunderbar ruhig, ich würde diesen Platz nicht unbedingt als Wettkampfstätte betiteln, eher ist es doch ein feines verschlafenes Städtchen. Das Wetter ist super … .“

Apropos Wetter, schauen wir doch mal auf die Wettkampfbedingungen an diesem Tage. Bis vor kurzem schien noch die Sonne, 24 Grad, nahezu windstill. Ideales Kanuwetter also.

Interview1

Doch in diesem Moment verdunkelt sich der Himmel, Wolken ziehen auf, die Zuschauer blicken sich unruhig um und nesteln an ihren Regenschirmen. Überm See jedoch sehe ich, reißt die Wolkendecke schon wieder auf. Bedanken wir uns bei dieser Gelegenheit doch gleich beim örtlichen Veranstalter und dem Management Dirk „Kachelmann“ Tscherner, der diesen Termin so vorausschauend zwischen zwei Tiefdruckgebiete gelegt hat.

Steg5

Just in diesem Moment rollt der Sportlerbus der Mannschaft aufs Gehöft. Man streckt und reckt sich. Die Mannschaftskanus stehen wohl noch im Stau, hoffentlich treffen sie pünktlich zum Startschuss hier ein. Die Mannschaft verteilt sich auf dem Platz. Begrüßung folgt.

Inzwischen ist auch der Platz belebt. Unmengen Zuschauer sind angereist, diesem Sportereignis beizuwohnen.

Hier drüben auf dem Bootssteg sehe ich einen Kollegen der Video-Fraktion in einem gelben Shirt mit „KEIMZEIT“ – Aufdruck zusammen mit der Mannschaft. Hallo! Sind sie der Trainer – und Sie junge Frau, wohl Mannschaftsärztin, wie? Kann ich kurz bei Ihrer Taktikbesprechung stören?

„Trainer? Nein, ich bin Torsten und das ist Dominik vom Elektrofeld. Wir möchten hier mit den Jungs von Keimzeit einige Aufnahmen machen. Dieser Gig steht ja in Verbindung mit dem ehemaligen Bützoraner Maik Duwensee.

Dieser wanderte nach Los Angeles aus. Er selber ist großer KEIMZEIT Fan und wir werden ihm ein kleines Video mit Aufnahmen und Interviews mit Norbert Leisegang und den Jungs zukommen lassen, im Vordergrund natürlich mit dem speziellen Gruß aus Bützow.“

BUTZ1

Vielen Dank! Liebe Zuhörer, den Namen des Mannschaftskapitäns Herbert Leisemeier sollten wir uns wohl merken, er scheint ein aufstrebendes Jungtalent unter den Kanurennfahrern zu sein und Altmeister Duwensee an den Rudern abgelöst zu haben.

Überlassen wir die Crew aber nun wieder ihrer Konzentrationsphase und wenden wir uns nochmals der örtlichen Rennstrecke zu. Eingebettet in diese malerische Umgebung liegt die kleine Bucht zwischen Schilfrohr und Seerosen am Rande des Sees.

BUTZ2

Leise plätschern die Wellen ans Ufer, in der Ferne streift ein Fischreiher vorbei (vielleicht war es auch ein Storch oder eine Libelle, ich habe leider meine Brille nicht dabei).

Am Rande der kleinen Wiese hier vor dem Bootshaus wurde die Seitenwand der Holzgarage abgenommen und eine Showbühne errichtet. Die Zuschauer haben sich in kleinen Gruppen auf der Wiese zusammengefunden und fachsimpeln ein wenig, andere wollen sich noch mit einer Bratwurst oder einem Bier oder auch beidem für das Kommende stärken.

BUTZ3

Allen steht die Spannung und Vorfreude schon in die Gesichter geschrieben. Ich werde diese Gelegenheit nutzen um mich noch kurz im Bootshaus umzuschauen.

Hier am gemütlichen Tresen treffe ich Dieter, den Chef des Hauses und Schirmherren dieser Veranstaltung. Ein alter Seesack, wie er mir versichert – ich dachte immer es hieße Seebär? – , dem ich von diese Stelle aus alles Gute für die Zukunft wünschen möchte.

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Inzwischen scheint auf der Wiese Bewegung in die Massen gekommen zu sein. Alle strömen in Richtung der Holzgarage, äh Showbühne.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, teure Freunde, herzlich Willkommen in Bützow, herzlich Willkommen zu Keimzeit.“

Konzert1

Ich werd verrückt. Nun spielt die Mannschat selbst an Musikinstrumenten, um ihre Kasse aufzubessern. Habe ich die Rennen verpasst oder ist das nur eine neue Form der Wettkampfvorbereitung?

BUTZ5

Wie es scheint kennen die Zuschauer dieses Prozedere schon, man tanzt und singt mit, ich sehe Alt und Jung glücklich den Sportlern zujubeln. Schlagmann Roland hat hier das Sagen und gibt seinen Mitstreitern den Takt an während der Kapitän den Zuschauern die Übungen erklärt.

So gibt es jetzt wohl ein besonderes Manöver für Ralf, man möchte ihn ins Schwitzen bringen und seinen Trainingfortschritt im Bereich des Lungenvolumens an Hand diverser Blasinstrumente testen. Er spielt jedoch mit Bravour und erntet dafür verdient Beifall.

Konzert8

Nicht so gut schlägt sich unser Sportkamerad Leisemeier, der inzwischen schon den wohl siebten Textaussetzer hat. Aber zum Glück ist er ja Kanurennfahrer und nicht Sänger, ich glaube das würde nämlich so nichts werden. Die Mannschaft ist unermüdlich und gut in Form. Schlagmann Roland hat gut zu tun, so dass es ihm Schweißperlen auf seine Stirn treibt wie Kapitän Leisemeier süffisant feststellt.

BUTZ6

Die Zuschauer sind begeistert, wenn man von den fiesen Mücken absieht, die das Publikum wild um sich schlagen lassen. Dies hat der Sportkamerad Roland bedacht und sich laut Leisemeier im Vorfeld dick mit Butan eingesprüht.

Nach Protesten aus den Zuschauerreihen einigt man sich auf Autan als Mückenabwehr. Zum Lied „Tequila“ wird der Mannschaft von jungen Damen der medizinischen Abteilung ebenjenes Getränk in kleinen Gläsern auf die Bühne gereicht. Hier muss man natürlich aufpassen, daß keine verbotenen und leistungssteigernden Substanzen enthalten sind, sonst wird auch diese feine Sportart in den aktuellen Dopingsumpf gezogen.

Konzert7

Ein Gruß und Prost noch mal an die Zuschauer und nach L.A., „Nathalie“ wird gewünscht, auf Französisch gar. Kapitän Leisemeier lehnt dies jedoch ab, meint er hätte schon mit der deutschen Fassung so seine Textprobleme.

BUTZ7

Ich frage mich noch immer, wann denn das Rennen nun starten wird, doch bin völlig überzeugt inzwischen von dieser Art der Erwärmung, in die selbst das Publikum durch Arm- und Beineschütteln einbezogen wird.

Zur Belohnung gibt es ein Feuerwerk der örtlichen Kanumannschaft direkt vom Boot aus. Liebe Zuhörer, es ist ein wunderbares Schauspiel, besser kann es selbst zu Olympia nicht sein.

BUTZ8

Das Aufwärmen neigt sich dem Ende entgegen, das Rennen wird beginnen. Frohlockender Applaus, „Zugabe“ wird gerufen. Auch ich bin begeistert. Moment, mein Handy klinget. Ha, mein Chef, sagt das Display. Er wird mich sicher loben wollen für diesen umfangreichen Live-Bericht.

– Herr Semmelrogge, ich grüße Sie. Sagen Sie nichts! … Hervorragend, nicht wahr! … Keimzeit, jaja. Bützow. Rennen beginnt gleich, ja! … Wie meinen? … Kanustrecke 1000 Meter entfernt? Konzert, was für ein Konzert?? … Rennen verpasst? … ENTLASSEN??? …

BUTZ9

Aufgelegt! Sacht noch nicht mal tschüss! Grumpf. Oh, da sehe ich jemanden von der Presse, Fotograf oder so. Entschuldigen Sie junger Mann, was wird hier gespielt? Sind Sie denn nicht auch hier die Kanumannschaft bei Ihrem Sieg festzuhalten?

„Gespielt? Sie waren doch dabei! Ein wunderbares Konzert. Es wird sicher gleich noch eine Zugabe geben „Flugzeug ohne Räder“, hören Sie, ein tolles Stück. Keimzeit auf der Tour nach Singapur. Ich muss jetzt auch wieder. Ich fotografiere für das Elektrofeld.“

Ich werd nicht mehr. Langsam begreife ich. Ich brauch’ n Schnaps. Meine Damen und Herren, entschuldigen Sie mich. Sie hörten es ja. Keimzeit. Dies war Klaus Peter Meier von „Radio Freizeitwelle“ – bald wieder live aus der Agentur für Arbeit, heute noch live aus Bützow, … ich übergebe, … zurück ins Studio.“

Bericht: Dominik & Thomas

Fotos: Dominik, René und Sebastian Samp

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