Als ich fortging…

… um zwei wunderbare Künstler zu erleben, jeder für sich einzigartig.

Donnerstag, kurz vor 8 im kühlen Erfurt angekommen begrüßte mich in einer stillen Seitenstraße die perfekt ins Licht gerückte Fassade des Kaisersaals. Schon beim Eintreten setzt sich die noble Erscheinung dieses Hauses fort. Edelste Materialien wurden hier verbaut, ein schöner Anblick. Man fühlt sich fast ein wenig in frühere Zeiten zurückversetzt. Zwei nette junge Damen begrüßen mich freundlich und weisen mir den Weg nach oben.

Geschwind sind die wenigen Stufen überwunden und das nächste Aha-Erlebnis wartet. Der imposante Kaisersaal, bis ins letzte Detail liebevoll restauriert, verspricht einen angenehmen Abend. Die große Bühne ist schon in rot-blaues Scheinwerferlicht getaucht, es sind sicher nur noch Minuten bis es los geht.

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Die ersten 11 Reihen sind gut besetzt, weiter hinten sitzen die Gäste noch etwas vereinzelt. Dirk wird später diesen Umstand des nicht ganz vollen Kaisersaals noch humorvoll kommentieren.

Plötzlich kehrt Ruhe ein im Saal, die Einstimmungsmusik verstummt, die großen Scheinwerfer werden langsam dunkler, auch die letzte Unterhaltung wird eingestellt.

Im strahlend weißen Hemd betritt ein ebenso strahlender Dirk Michaelis die Bühne und begrüßt leise, fast andächtig, das Erfurter Publikum. Der letzte Besuch in Erfurt ließ sich zeitlich nicht mehr genau fest machen, es muss aber noch mit der Gruppe Karussell gewesen sein.

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An dieser Stelle muss ich gestehen die Musik von Dirk Michaelis war mir bisher eher im verborgenen geblieben. Natürlich kannte ich DAS Lied, hatte auch von Karussell gehört, das war’s aber leider schon. Der Abend sollte Gelegenheit bieten diese musikalische Lücke meinerseits zu schließen.

War es ein schlechtes Zeichen als gleich zu Beginn mit dem ersten Ton eine Gitarrensaite riss oder hieß es nun aufatmen. Jetzt konnte ja nicht mehr viel geschehen.
Dirk sah schon den Aufmacher in der Tageszeitung vom nächsten Tag, ob dies eingetreten ist vermag ich nicht zu sagen. Ich wollte es dann doch nicht unerwähnt lassen.

Doch so ein kleines Missgeschick verdirbt nur kurz die Laune, hat man sich doch einen lieben Musikerkollegen eingeladen. Kurzerhand dient Norberts Gitarre als guter Ersatz. Blieb diese zunächst zwar noch stumm hauchte der eingeklinkte Stecker ihr sogleich Leben ein.

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Einige Stücke verzaubert uns Dirk Michaelis mit ruhigen wunderschönen Titeln, im Publikum wagte man kaum zu atmen, jedes Geräusch könnte diesen Zauber zerstören. Auch ich hielt mich fortan zurück während dieser Stücke zu fotografieren, wurde ich doch am Anfang schon etwas schief angeschaut, aber völlig zu Recht. Später erntete ein Herr im Publikum, der sich im tiefsten Bass mit seiner Partnerin unbedingt während besonders leiser Passagen unterhalten musste, ebenso böse Blicke, auch von mir. Ein wenig Respekt dem Künstler auf der Bühne und dem restlichen Publikum gegenüber sind manchen Zeitgenossen leider völlig fremd.

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Nach Verklingen der letzten Töne fand geschwind Norberts Gitarre ihren Platz im Ständer, sie würde ja sogleich wieder gebraucht. Der Zeitpunkt war gekommen die eingeladenen Gäste anzukündigen, dies tat Dirk mit besonderer Freude. Begleitet von einem riesigen Applaus kamen flinken Schrittes von links Norbert und Frank Braun aus dem Dunkel. Während Frank sein Instrument gleich mitbrachte erhielt Norbert seine Gitarre aus den Händen von Dirk nicht ohne mit einem Augenzwinkern darauf hinzuweisen den Stecker auch einzuklinken.

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Das erste Stück lies uns akustisch den Blick über Tokios Skyline schweifen, bevor Frank Braun unsere Lachmuskeln ein wenig strapazierte.
Auch Norberts Geschichten, z.B. über zu kurz geratene Hosen erzeugten in vielen Gesichtern im Publikum ein ansteckendes Lächeln, durch die Reihen weg war dies nun zu sehen.

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Musikalisch entzückten Stücke aus dem Hause Keimzeit wie „Dieses Mal“ und „Betrunken“ nur begeleitet von Trompete und Gitarre. Dirk bereicherte „Singapur“ und „Bunte Scherben“ im Zusammenspiel mit Norbert.

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Solo präsentierte Dirk in Begleitung seiner 5 köpfigen Band Titel aus seiner langjährigen Schaffensperiode. So manches Stück erzeugte Gänsehaut.

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Das Ende dieses wunderbaren Abends hätte nicht besser verlaufen können. Die Hymnen beider Künstler wurden gemeinsam dargeboten. Zuerst „Als ich fortging“, dieses wunderschöne einfühlsame Lied berührte wohl jeden im Kaisersaal.

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Danach das letzte Stück des Abends. „Kling Klang“, Jubel war vorprogrammiert, so wie man es von Keimzeitkonzerten gewohnt ist.

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Dann stehen alle Mitwirkenden des Abends in einer Reihe auf der Bühne und genießen ihren wohlverdienten Applaus.

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Als ich fortging überkam mich Wehmut. Sobald wird sich wohl nicht die Gelegenheit bieten diese beiden Künstler noch einmal gemeinsam zu erleben.

Danke Dirk, danke Norbert für diese schönen Stunden.

Bericht und Fotos: René

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