Berlin, Berlin – Mein Konzertauftakt

Konzertauftakt der 25-Jahre Tour für mich war ein live-Bericht vom Ort des Geschehens, nämlich der Hauptstadt, in geschriebener Form. Thomas und ich waren in Berlin eigentlich zu einem Bier verabredet.

Ich jedoch entscheid mich eher spontan für Urlaub auf dem Spanischen Festland und bat im Vorfeld um ausführlichen Report. Der wurde mir geboten Stück für Stück. So herrlich drollig geschrieben, wie ich finde, dass ich diese Worte nicht ungelesen lassen mag. Danke Thomas!

Dominik

Andalucia

„Vorwort

Es könnte ein schöner Tag werden… die Sonne blinzelt mich an, in Andalusien könnte es jetzt wohl nicht schöner sein, schießt es mir spontan durch den Kopf. Ein Windhauch bewegt die Blätter der Sträucher vor meinem Fenster, leichtes Glitzern verrät die junge Frische des Tages. Die Vögel rufen einander ihren Morgengruß zu. Eine Katze schleicht noch trunken vom Nachtschlaf über den weg. Ich überhöre geflissentlich den entfernten Lärm eines Motors. Nichts soll mir den Eindruck dieses Morgens trüben.

Schon ist der Lärm verebbt, die Vögel sind verstummt und nur das Klappern der Tastatur liegt in der Luft. Friedliche Stimmung. Ist es ein Sonntagmorgen? Urlaub gar? Leider nicht. Ein unangenehmer jedoch bekannter Ton zerschneidet das friedliche Bild. Das Telefon läutet und holt mich ins Reelle zurück. Die Arbeit reist ihren wilden Schlund auf und droht mich zu verspeisen. Wird es unserem Helden gelingen sich zu widersetzen? Wird er kämpfen, mit Armen und Beinen um sich schlagen, asiatische Kampfkünste androhen?

Das Ungeheuer reißt sein Maul noch weiter auf, die Augen weiten sich wutentbrannt ob der Gegenwehr, sind schon blutunterlaufen. Mein Blut, ahne ich. Schlagartig erstarre ich, was das Monster jedoch auch nicht zu besänftigen scheint. Nochmals brüllt es mich an. Ich ändere meine Taktik, gehe zum Schein auf seine Forderungen ein, bewege mich emsig in demütig geduckter Haltung. In meinem Kopf jedoch reift ein rebellischer Plan, nimmt von Minute zu Minute Gestalt an. Die Stunde ist nicht mehr fern. Derer Zehn zählt der Held gerade noch. Dann wird er dem Monster entrinnen, alles abstreifen was ihn mit dem Gruseltier verbindet und in die Parallelwelt flüchten, die das Monster nicht erreichen kann.

Bild1

Derer 3 Stunden hat ihm der Hüter der Parallelwelt versprochen. Mindestens. Drei stunden die 3 Wochen der Monsterfrohn ausradieren. Mindestens. Die gefiederten Gesellen haben ihre schöpferische Ruhepause beendet und beginnen ihr lärmendes Tagwerk. Ein Auto fährt vorbei. Die Kaffeemaschine gebärt eine neue Kanne duftenden Schwarzgebräus. Ich habe noch eine Apfeltasche! Es könnte ein schöner tag werden…

Noch neun stunden und 55 Minuten. …es wird ein schöner Abend werden!

Schon vorbei I

Hey Dominikdiewodaserstekonzertverpassthat, ich hoffe du bist wohlbehalten in Andalucia gelandet, hast Dich gefreut, dass Du jetzt im Urlaub bist und Dich dann geärgert, dass Du nicht zum Konzert fahren konntest. Aber dann hast Du Dich ja sicher wieder gefreut, weil Du jetzt ein Mail von mir bekommen hast um gleich darauf wieder in Ärger bis hin in Neid zu verfallen ob meines Keimzeit-Besuches.

Bin also gerade zurückgekehrt und kann noch nicht richtig einschlafen. Also schreibe ich schon mal einige Sachen auf, damit meinem Kurzzeitgedächtnis Vorschub leistend, welches permanent neue Eindrücke aufnehmen will um damit den Verlust des kürzlich Erlebten zu rechtfertigen.

Nachdem ich mich gegen 18 Uhr mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen getroffen hatte setzten wir uns kurz in einen etwas abgelegenen Biergarten und brachten unseren Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung mit einem schönen Radler. Hernach begaben wir uns zur Stätte der Begebenheit welche zu besuchen wir angereist waren. 15 Minuten noch Zeit, also hurtig. Eine große Menschentraube scharrt sich um eine schmale Gasse und begehrt Einlass. Nach kurzer Zeit den Innenraum erreicht. Puh, war schon ziemlich anstrengend, da wankt doch der Flüssigkeitshaushalt wieder bedrohlich und droht umzuschlagen.

Also (als rein medizinische Vorsichtsmassnahme) schnell noch einen Becher mit kühlem Pilsgebräu bestellt und dann flinken Schrittes in die Menschentraube geschlendert. Kurz noch links und rechts geschaut, wie erwartet kein bekanntes Gesicht zu sehen. Also erstmal auf den Start konzentrieren, der auch pünktlich 19 Uhr seinen Anfang nimmt. Nach einer kurzen Eröffnungsrede in welcher der lokale Veranstaltungsbeauftragte alle genannt und nicht genannt werden wollenden Kommerz-Beteiligten vorstellt nimmt der Abend seinen erhofften Lauf.

Bild2

Der Anfang beginnt natürlich beim Anfang. 4 jugendliche Halbstarke stehen auf der großen Bühne. Schau, ein Mädel ist auch dabei. Könnten vielleicht verwandt sein, sehen sich recht ähnlich. Geschwister gar, wird hinter mir gemunkelt. Nee, widerspreche ich, der Dürre mit der blonden Kopfmatte passt da überhaupt nicht rein. Na gut, die Jesuslatschen sehen schon ähnlich aus. Vielleicht ist ja doch was dran.

Jetzt singt sie. Englisch. Ist wohl schon ein alter Song, sagt sie. Ich glaube die Janis Joplin hat den später mal gecovert. Kam mir auch irgendwie bekannt vor. Zwischendurch singt dann der dürre Blonde auch. Irgendwelche Soldatenlieder glaube ich.

Plötzlich kündigt eine Stimme aus dem Off das Erscheinen eines neuen Jünglings an. Mit seinem Saiteninstrument betritt er die Bühne, im weiten Rund brandet Jubel und Applaus auf. ULLEEEEE höre ich, er scheint wohl einigen Anwesenden nicht unbekannt zu sein. Vor Verlegenheit versucht er reflexartig sein Haupthaar in den Nacken zu streichen, bemerkt jedoch im letzten Moment seinen Fauxpas und hält ruckartig inne um das mühevoll aufgebaute Bild der ewigen Jugend nicht durch eine unachtsame Bewegung zu zerstören.

Nun beginnt er seinem Instrument die tausendfach geübten Tonfolgen zu entlocken, formt daraus eine Melodei und lädt den Rest der Bühnensteher zum gemeinsamen musizieren ein. Wer mag dieser Mensch sein? Slowhand höre ich neben mir, ein anderer stimmt ein ja, Eric Clapton. Aber da irrte man wohl, Clapton spielt doch Geige soviel ich weiß …

…to be continued…

Schon vorbei II

Wir erinnern uns: Eine Horde von etwa 4.000 Menschen hat sich zu einem gemeinsamen Happening in der Kulturbrauerei zu Berlin versammelt. Zur kulturellen Ausgestaltung wurde eine Tanzkapelle aus dem kleinen Dörfchen Lütte bei Belzig engagiert. Nachdem diese soeben von 4 auf 5 Protagonisten angewachsen ist harret man des Fortganges der Dinge.

Bild3

Ulle Slowhand Sende tritt mit seiner Gitarre an das ihm zugeteilte Mikrofon und stimmt sogleich ein etwas merkwürdig anmutendes Liedchen an. Merkwürdig dahingehend, dass es in seinem Textfluss und der Worte Bedeutung nicht aus der Feder des blonden Schreibknaben zu stammen scheint. Danach geht man jedoch wieder zu mehr oder weniger bekanntem Alt-Liedgut über. Kurze Zeit danach schleicht sich der Tastenkünstler an sein Arbeitsgerät, 2 Songs später erscheint ein Mensch mit hoher Stirn und einem dicklichen Stock in der Hand. Wieder brandet frenetischer Jubel auf. Artig verbeugt er sich und führt dann den Stock zum Munde.

Statt, wie ich annahm, ihn aufzuessen entlockt er ihm magische Töne zur Erbauung des Volkes. Nachdem man sich nun nach und nach durch das Liedgut der Jahre bis 1993 spielt öffnet der Himmel nach nun knapp einer Stunde langsam seine Schleusen. Da es sich jedoch nur um einige Tropfen handelt wird dies bei ca. 26°C eher als Abkühlung empfunden. Trotzdem bleibt jedoch der Himmel bedrohlich dunkel, hier und da wird des Öfteren ein skeptisch prüfender Blick über den Rand der Bühnenbedachung hinweg in das graue Geviert über der Stätte der Belustigung geschickt. Doch vorerst hat der Wettergott ein Einsehen, er möchte wohl ebenso wie die Anwesenden dem Fortgang der Geschichte lauschen.

Plötzlich gesellt sich ein zweiter Lautespieler zu unserem Herrn Sende, ein kleines quirliges Männchen mit geringem Haarwuchs. Damit nicht genug wird nun auch die Besetzung der Tastenfraktion verdoppelt. Ein schlaksiger Mensch mit lustigem Kinnbärtchen und gelbem Leibchen versucht sich an seinen Platz zu schleichen, was dem aufmerksamen Publikum jedoch nicht verborgen bleibt. Wieder Geschrei und Gejohle, einige haben einen Spatz entdeckt, ich schaue in die Luft, nehme jedoch nichts dergleichen wahr. Es ist ja auch schon etwas dunkler geworden.

Band auf Buehne

Da taucht auch wieder der freundliche Mann mit dem Stock auf, diesmal jedoch mit einem Blechblasinstrument in der Hand. Er scheint sich wohl in der Pause beschmutzt zu haben, so dass er nun mit einem orangefarbenen Hemd der Berliner Stadtreinigung auftreten muss. Damit er sich dabei aber nicht ganz so blöd vorkommt hat man ihm noch zwei weitere Mitarbeiter der Stadt zur Seite gestellt. Diese haben ebenfalls Blasinstrumente in der Hand und geben bisweilen Kostproben ihrer Spielkunst.

Nachdem der Sängersbursche in einem Kirchenlied beschrieben hat was Gott will kündigt er nun das elektromagnetische Feld an. Der anwesenden Musikelektronik scheint dieser Stilbruch wohl nicht bekommen zu sein, zu Beginn des „Projektils“ kündigt der Verstärker ihm seine Freundschaft und gibt böse schnarrende Geräusche von sich. Sogleich stürzen sich die Freunde Rudi und Spatz auf den Störenfried, können ihn jedoch nicht überwältigen. Während sie nun weiter im Hintergrund kämpfen nutzt unser Sangesknabe die unfreiwillige Gunst der Stunde um erstmalig an diesem Abend zu einer seiner gefürchteten Erzähl-Geschichten anzusetzen.

Dies versetzt wiederum einen der anwesenden Techniker in derartige Panik, dass er auf die Bühne springt, das Kabel aus dem beleidigten Verstärker reißt und in einen anderen Verstärker steckt. Nachdem der blonde Norbert nun aber bemerkte, dass man die Verstärkerlautstärke seines Spielgerätes gegen Null geregelt hatte blieb unserem armen Techniker nichts weiter als die Läutstärke doch wieder zu erhöhen. Nun könnte der Abend also wieder seinen geplanten Lauf aufnehmen.

Norbert

Jedoch schien unterdessen unser Kollege Wettergott ob der ungeplanten Unterbrechung ein wenig ungehalten. Wieder ließ er einige Regentropfen auf die anwesende Zuschauerschaft hernieder, diesmal jedoch in etwas größerer Zahl und Zeit. Aber Pah, diesmal ließ sich kein Schirm blicken, hier und da wohl eine hochgezogene Jacke oder eine Regenhaube, ein Versiegen der Sanges- und Bewegungsfreude war bei den Umstehenden aber nicht zu erkennen. Im Gegenteil. Leicht erfrischt ging es weiter und damit in die letzte Stunde des Konzertabends.

…to be continued again…

Schon vorbei III

Nachdem sich nun also unsere bunte Schar auf der Bühne gefunden hat werden verschiedene (haptsächlich alt-)bekannte Weisen angestimmt. Natürlich werde ich hier keine Einzelheiten verraten, es soll ja schließlich für alle eine Überraschung sein (wie Birgit in ihrem Artikel schon so treffend formulierte). Außerdem kannst du ja von mir sicherlich nicht mehr erwarten, dass ich mir die ganze Setlist merke, geschweige denn nach 4 Tagen noch wiedergeben kann. Apropos Setlist, zu diesem Theme fiel mir beim Konzert auch eine Begebenheit aus vergangener Zeit ein. Auf einem der damaligen Konzerte in Magdeburg (Anfang der 90er) verriet uns Norbert, dass es keine festgelegte Reihenfolge der Titel gibt.

Die Band hatte ihr Repertoir an Songs und Norbert sagte nach Laune und Befindlichkeit den nächstfolgenden Titel an. Dafür gab es festgelegte Zeichen. Im nächsten Konzert habe ich dann mal bewusst darauf geachtet und es waren schon einige lustige Zeichen dabei. Aber dies nur nebenbei.

Roland und Hartmut

Gegen 21.30 Uhr verlässt man zum ersten Mal die Bühne um kurz darauf wieder zurückzukehren. Gegen 21.45 Uhr beginnt die zweite Zugabe und um kurz vor 22Uhr verabschiedet man sich wieder. Die Massen fordern eine weitere Zugabe, ca. 10min lang. Dann kommt der Sprecher des Veranstalters auf die Bühne und erklärt das Konzert für beendet, da man leider nur bis 22 Uhr „Lärm“ machen darf. Obwohl ich es fast im Vorfeld ahnte war die Art und Weise dieses Konzertendes irgendwie verbessernswert. Hätte es vor der zweiten Zugabe ein entsprechendes Statement gegeben, wäre die Enttäuschung bei vielen nicht so ausgefallen. Wie im Elektrofeld zu lesen wird dies teilweise sogar der Band angelastet. Schade.

Ich habe dann noch ein kleines Entspannungsbierchen geholt, meinen Rücken wieder gerade gebogen und bin langsam gen Ausgang geschlendert. Am Keimzeit-Devotalien-Stand habe ich noch Birgit bei Katrin stehen sehen, ich bin aber weiter, wollte nach Hause. Es war etwa 23 Uhr als ich mich dann auf mein Fahrrad schwinge, auf nach Hause. Dort angekommen noch ganz aufgeregt und vollgegessen mangels Schlaffähigkeit den Rechner gestartet und ein erstes Mail verfasst … leider schon vorbei …

Jetzt habe ich also wieder den neuen Tag schreibenderweise erreicht und kann mich ruhigen Gewissens nach vollbrachtem Tagwerk zur Ruhe begeben. Lasst es Euch noch die verbleibenden Tage gut gehen und gib Torsten endlich mal was von Deiner Sonnencreme ab!!! Habe gerade Euren Gruß an die Gemeinde gelesen.

Ciao
Thomas“

Bericht: Thomas & Dominik, Fotos: Dominik

Share Button