Ein königlicher Auftritt

Es ist Freitag und noch dazu der 13. Im Radio kündigt der Moderator ein wunderschönes sonniges Wochenende an. Nur noch schnell die paar Stunden meiner Keimzeitfreien Nebenbeschäftigung, genannt auch Arbeit, hinter mich bringen. Dann geht’s fix nach Hause, die sieben Sachen packen und hinein ins rote Keimzeitspaßmobil.

Ich fasste dieses Mal den Entschluss nicht die schnelle Strecke über die Autobahn zu nehmen, sondern die landschaftlich reizvollere, aber etwas zeitaufwendigere zu wählen. Eine gute Entscheidung. Vorbei an entzückender Natur, saftigen Wiesen, großen Stauseen wurde doch so etwas fürs Auge geboten, entgegen der sonst tristen Autobahnfahrt.

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Das Thüringische lag bald hinter mir und das herrliche Vogtland lag mir zu Füßen. Noch ein paar Kilometer und ich kam gut gelaunt nach ca. 2,5 Std. im reizvollen Bad Elster an.

Gleich am Ortseingang ein Kontrast sondergleichen, die Ruine einer wohl ehemaligen Kurklinik, dem Verfall preisgegeben. Nur wenige Meter weiter Luxus vom Feinsten. Strahlend und erhebend zeigte sich das Albert-Bad von seiner schönsten Seite. Hier lässt es sich sicher gut erholen.

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Ich war überwältigt von diesem Stückchen Erde und warf im vorbeifahren auch schon mal einen Blick auf den abendlichen Veranstaltungsort, dem König Albert Theater. Dieses präsentierte sich ebenso imposant und einladend, so dass in mir die Vorfreude immer mehr stieg.

Nun es war noch genügend Zeit bis zum Konzertbeginn, also hieß es erst einmal das Zimmer in der gebuchten Pension aufzusuchen. Was auffiel, in Bad Elster gibt es viele, sehr viele Pensionen.

Schnell war „Haus Vogtland“ gefunden. Die Dame, welche gerade genüsslich mit der Nachbarin klatschte, stellte sich als Hausherrin heraus und verhalf mir auch fix zu meinem Zimmerschlüssel und auf Nachfrage bekam ich auch noch eine Wegbeschreibung zum Albert-Theater geliefert, nur zur Sicherheit.

Der Zeiger der Uhr bewegte sich indessen unaufhörlich weiter, inzwischen war es schon kurz vor halb Acht. Das Konzert sollte ja schon 19:30 Uhr losgehen, was ich mir aber gar nicht so recht vorstellen konnte.

Die Angst doch zu spät zu kommen veranlasste mich einen Schritt schneller als normal zu gehen. Zu Fuß zog sich der Weg bis zum Albert-Theater doch länger hin als vermutet. Nach endlosen Minuten war dann endlich der Ort des Geschehens erreicht. Schon beim Hochschreiten der Stufen überkommt einen ein erhabenes Gefühl, das sich beim Eintritt in den Kassenbereich noch verstärkt. Wow was für ein besonderer Ort für ein Keimzeitkonzert.

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Gleich am Eingang begrüßte ich noch schnell Cathrin, die leider dieses Mal vom Konzert nicht viel mitbekommen sollte. Ihr bunter Keimzeitstand war längst aufgebaut und wartete auf kauffreudige Musikliebhaber. Sie bestätigte mir auch noch einmal den frühzeitigen Konzertbeginn.

Jetzt war wirklich Eile angesagt. Eine nette junge Dame nahm mich auch gleich in Empfang, schaute auf meine Karte und geleitete mich sicher in Reihe 9 vom Theater. Das ich wirklich spät dran war bewiesen die zahlreichen Gäste, welche schon auf ihren Plätzen saßen. Und kaum hatte ich mich ebenfalls hingesetzt tat sich auch schon auf der Bühne etwas.

Ein sonst spritzig auf die Bühne springender Norbert tat sich dieses Mal etwas schwerer. An zwei Krücken gestützt trat er aber keineswegs weniger gut gelaunt vor das Publikum. Für alle die nicht regelmäßig auf der offiziellen Keimzeitseite unterwegs sind oder den Newsletter erhalten, Norbert hatte sich nach einem der letzten Konzerte am Meniskus verletzt.

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Nun denn, die Show begann. Wie immer eine perfekte Mischung aus dem Keimzeitrepertoire der vergangenen Jahre gemixt mit neuen Stücken, die wir mit etwas Glück bald auf einer neuen Studio-CD hören dürfen.

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Das Publikum war am Anfang noch etwas gehemmt, bedingt durch den Stuhlzwang. Diesem versuchten aber recht bald in den hinteren Reihen einige zu entkommen. Das sieht man gern, aber auch die sitzen gebliebenen hielt es nur mit Mühe auf den Plätzen. Hin und her wippend zeigte sich auch hier, daß längst der Funke von der Bühne übergesprungen war.

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Norbert machte es sich zwischenzeitlich immer wieder mal auf seinem Barhocker bequem, um seinem lädierten Knie etwas Entspannung zukommen zu lassen, aber sehr lange hielt es ihn dort meist nicht. Schon bald stand er wieder am Mikrofon oder schwang sich rüber zu Rudi um mit ihm zu blödeln.

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Ein insgesamt schönes Konzert vor wunderbarer Kulisse. Das Ende nahte natürlich zu vorgezogener Stunde und plötzlich hielt es fast niemanden mehr auf den Stühlen, Standing Ovations für Keimzeit, das erlebt man auch nicht alle Tage, aber es findet ja auch nicht alle Tage ein Sitzkonzert statt.

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Blumen gab es auch noch für die Künstler von einer Dame des Hauses, artig bedankten sich diese und stimmten weiter in das gerade begonnene Stück ein.

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Dann Verbeugung und ein kurzes Winken ins Publikum, nun war wohl wirklich Schluss. Die Ersten erhoben sich schon aus ihren Stühlen, ein Großteil versuchte weiterhin mit stürmischen Applaus die Band noch einmal auf die Bühne zu locken.

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Skeptische Blicke, kommen sie noch mal, oder sollen wir nun doch gehen. Als schon die ersten an den Türen stehen und die Klinke betätigen wollen humpelt Norbert und der Rest der Band (dieser natürlich nicht humpelnd) abermals auf die Bühne und spielen ein letztes Stück.

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Ein fantastischer Abend ist zu Ende und die Eindrücke wirken noch lange nach.

Nun was bleibt nach so einem Abend noch, ein kurzer Umtrunk und dann „heim“ ins gemietete Schlafgemach. Draußen leuchtet das Albert-Theater inzwischen im gelben Scheinwerferlicht.

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Die Straßen sind leer und ich bin froh, daß ich mich nach ein paar hundert Metern in einem weichen Bett lang machen kann. Nach einer kurzen Nacht genoss ich noch ein ausgiebiges Frühstück gespickt mit Anekdoten vom Hausherren über den schweren Kampf der kleinen Pensionen sich am Markt zu behaupten.

Nach der Begleichung meiner Rechnung verabschiedete ich mich vom schönen Bad Elster und begab mich auf den ebenso schönen Rückweg in Richtung Heimat.

Bericht und Fotos: René Homuth

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