KEIMZEIT rocken Zossen, Publikum tut es ihnen gleich

Zossen die Erste, Dominik:

Am Vortag des Konzertes holte ich meinen Mietwagen ab. Das kleinste Modell wollte ich haben, mit Navigationsgerät. Auf dem Parkplatz, mit Vergleich des Nummernschildes am Auto und dem angegebenen auf dem Schlüssel, stand ich vor einem Schlachtschiff. Zugegeben, hiermit dürfte das Einparken sich als nicht ganz so leicht erweisen.

Nächsten Morgen, das Wetter war herrlich, die Sonne schien, machte ich mich auf den Weg nach Schwerin, um meine Mutter abzuholen, die mich dieses Mal begleiten sollte. Wegen eines Ausfalles in den USA war Torsten in der Arbeit gefangen und da das Land der unbeschränkten Möglichkeiten offensichtlich keine fähigen Leute ran schaffen konnte wurde das gesamte Team Kühne und Nagel aus Hamburg beschlagnahmt. Unterwegs machte ich noch einen Abstecher bei Oma und Opa um mir Süßigkeiten für die Fahrt einzusammeln. Nachdem Mutti eingeladen war ging es in gutem Tempo Richtung Fläming, Zossen.

Dort angekommen fanden wir gleich unsere Herberge für diese Nacht und stellten erfreut fest, dass wir nur einmal über die Straße fallen müssten, um am Konzertort zu sein. Beim Einparken auf dem Parkplatz des Hotels sah ich nicht im toten Winkel eine Laterne vor einem Baum stehen. Beim zurücksetzen knirschte es kurz. Schreck! Mutti und ich sahen uns anund stürmten aus dem Auto. Verdammte Axt. Laterne umgefahren. Mit einer geschickten Handbewegung schob Mutti die Laterne noch zur Seite ins Gebüsch. „Hat niemand gesehen, das war schon!“, dachte ich noch laut, als wie ein Wiesel der Hausmeister angeflitzt kam. Ein kleiner drolliger Berliner mit Hornbrille, so um die 65 Jahre. Er trug einen Jogginganzug, dessen Hose halb in den Kniekehlen hing und ein grünes Basekap auf Halbacht. Wild gestikulierend, mit den Armen um sich fuchtelnd kam er auf uns zugestürmt.
„Dit müssen’se bezahl’n!!! „DIT MÜSSEN’SE BEZAHL’N!!!“

In der einen Hand hielt er eine dicke Teewurstbutterbemme, in die er, während des Meckerns wie ein alter Ziegenbock genüsslich reinbiss und mir in feuchter Aussprache Teewurstbutterbrot-Stücke ins Gesicht und aufs T-Shirt spuckte. Wir versuchten ihn zu beruhigen in dem wir ihm zu verstehen gaben, dass wir nicht besonders den Weg von Hamburg nach Zossen auf uns nahmen um mit Kalkül seine Laterne umzufahren und wohl dazu stehen würden, was da gerade passierte, wenn in Gedanken auch widerwillig. „Uns wurd’n schon vier Laternen umjefah’n ja und alle sind’se abjehaun, wa!“ Nach dieser Aussage war ich mir sicher: jetzt würden die uns listig alle fünf Laternen in Rechnung stellen. Vielleicht aber auch sollten sie sich Gedanken über den Standort ihrer Laternen machen. Nach ewiger einseitiger Diskussion Seitens dem Hausmeister und einem Launentiefpunkt meinerseits, ich brauchte Schokolade, bezogen wir unser Zimmer, machten uns frisch und hernach einen kleinen Spaziergang durch die Ortschaft.

Still, leer, tot. Nichts. Keine Menschenseele, nicht mal auf dem Marktplatz. Wieder einer solcher Orte, an dem man freiwillig nicht begraben liegen möchte. Vermutlich tummelten sich die Massen schon in dem Kulturkraftwerk und feierten dort bereits wilde Partys. Wieder im Hotel kuschelten wir uns noch mal kurz in flauschige Daunen, um uns ein wenig zu unterhalten. Unser Fenster war auf Parkplatzseite. Schon hörten wir Männerstimmen: „Wat is’n mit der Laterne?“ Sofort holte der Hausmeister im Laufschritt aus (Teewurstbutterstulle in der Hand), um diesen Herren die Geschichte von der mutwilligen Zerstörung zu berichten. Wie oft dies an diesem Abend geschah, möchte ich hier nicht kundtun. Wir fühlten uns wie Stadtgespräch und sahen schon die Schlagzeilen der BILD: „Keimzeit-Fans: Randale in Zossen (Deutschland). Hausmeister mit Laterne erdrosselt“. Innerlich grienten wir und heckten Ideen aus. Wir könnten alle Laternen abbauen, sie in einem Waldsee verschwinden lassen.

Mittlerweile kündigten sich auch Birgit und René an. Mit ihrem Erscheinen begrüßten wir uns freudig, saßen noch in elustrer Runde zusammen bei Abendessen und Heißgetränk und begaben uns wohl gestärkt auf das Konzert. Im Konzertsaal trafen wir sogleich auf Freunde und begrüßten alle mit Umarmungen. Das Kulturkraftwerk ist eine fantastische Location. Sehr groß und doch urig gemütlich.

Nach ein wenig Konversation mit diesem und jenem positionierten wir uns im Gespann in der ersten Reihe, um wie immer den Tanzbereich dort auszunutzen. Eine gut gelaunte Band spielte ein fantastisches Konzert.

Das von der bisherigen Tour für mich beste und „tanzbarste“, was aber größtenteils an dem klasse Publikum und den lieben Menschen lag, die ebenfalls zugegen waren. Mutti und ich haben uns entzückend amüsiert. Neue Stücke für die Herzen, wie „Liebe wäre eine Möglichkeit“ und „Valentinstagsblumen“ waren herrlich gespielt, wie Alt-Bekannte Stücke aus dem Repertoire.

Belohnung für standhaften Beifall im Publikum war eine dritte Zugabe. Fröhliche Gesichter in allen Ecken. Bei Zigarillo und Getränk ließen wir den Abend ausklingen, beteuerten immer wieder, wie schön dieser Abend doch war, wenn auch einer im Bunde leider fehlte.

Verabschiedeten uns von der Band und dem Management – an beide noch einmal großen Dank – und verabredeten uns in unserer Viererrunde zum Frühstück am Morgen, um danach von der Sonne hofiert durch Berlin zu schlendern.

Zossen die Zweite, Birgit:

Vorabend des Konzertes in Zossen, ich telefonierte mit René. „… Hotelzimmer sind gebucht, aber Torsten kommt leider nicht…“ Ein wenig Traurigkeit machte sich breit. Schade, wir hatten uns alle auf das gemeinsame Konzert gefreut und nun sollte unser „Kleeblatt“ doch nicht komplett sein. Aber für würdigen Ersatz war ja gesorgt, also überwog doch die Vorfreude auf einen schönen Abend mit Freunden und guter Musik.

Früher Nachmittag des Konzerttages, diesmal hatte ich ja den kürzesten Weg, konnte mir also Zeit lassen. SMS von Dominik: … wo seid Ihr? Wir sind schon im Hotel!…
Uuups…, nun muss ich wohl wirklich los, hab ja noch ne knappe Stunde Weg vor mir. Also flink Tasche gegriffen, das brandneue Navi programmiert und los ging’s.
Am Hotel angekommen, vielen wir uns in die Arme und ich erfuhr das Neuste vom Neuen: … Torsten in USA, Laterne platt, Hausmeister kurz vor Zusammenbruch, aber Laune trotzdem nicht im Keller. Ich brachte schnell meine Tasche aufs Zimmer und wir okkupierten alsdann das Hotelrestaurant. Zu meinem Erstaunen bestellten die zwei Damen mir gegenüber erst einmal einen Kamillentee. Es hatte wohl seine Gründe… Gemeinsam warteten wir auf René, welcher eine gute halbe Stunde später hier aufschlug und unsere Runde komplett machte.
Vielleicht sollte man noch eine Kleinigkeit essen, wurde vorgeschlagen. Gute Idee! Nur sollte man dies denn SO wörtlich nehmen? Fünf winzige Champignonköpfe auf einem Teller drapiert mit zwei verschiedenen Dips serviert, waren selbst für den ganz kleinen Hunger relativ wenig. Das Ganze wurde dann mit Baguettebrot und einem kühlen Getränk etwas aufgewertet und wir vier zogen anschließend frohen Mutes zur Stätte unserer Begierde, direkt gegenüber unseres Hotels.

Kulturkraftwerk, … ehemaliges Elektrizitätswerk mit ins neunzehnte Jahrhundert zurückgehender Vergangenheit und einiger interessanter Relikte aus vergangenen Zeiten. Zumindest einem von uns fiel mit großem Interesse die stählerne Kellertür mit Bunkercharakter auf. Leider fehlte Zeit und Gelegenheit, mehr über dieses Relikt vom Chef des Hauses zu erfahren.
Ansonsten ein netter Saal mit ebenso nettem Nebengelass, welcher diesmal unsere Band und ihr Publikum beherbergen sollte. Nur an einem sollte noch gearbeitet werden, es gab zu unserem allgemeinen Leidwesen nicht eine Puseratze unseres Lieblings-Abendgetränkes und das hier angebotene Flaschenbier hatte auch eher den Charakter eines Spülmittels mit Bieraroma.
Nichts desto Trotz behielten wir unsere gute Stimmung und starteten in einen musikalischen Abend der Superlative.

Unsere Band, bestens motiviert, spielte gekonnt auf und das Publikum sang begeistert mit. Der diesmal mit Anekdoten etwas sparsamere Norbert schenkte uns dafür einen, zwar etwas verspäteten, aber dafür brandneuen musikalischen „Blumenstrauß zum Valentinstag“, flog mit dem Heißluftballon über die „Tokio-Skyline“ um nach anfänglichen Zweifeln mit den Worten „Ich weiß es doch auch nicht“ festzustellen: „ Liebe wäre eine Möglichkeit“.

Natürlich sollten auch unsere getreuen Freunde „Nathalie“ und „Paul“ in diesem Rahmen nicht fehlen und getreu dem Motto der Tour legten wir dann auch noch ab, um einen musikalischen Abstecher nach „Singapur“ zu unternehmen.

Irgendwann im Laufe des Abends wurde von einem Teil der Band plötzlich festgestellt, dass solche Reisen im Laufe von 25 Jahren Bandgeschichte wohl etwas ermüdend sein können und unserem „holden Sängerknaben“ wurde ein Lehnstuhl angeboten, den Dieser auch dankbar annahm.

Das Sitzmöbel schien auch auf andere einen besonderen Reiz auszuüben, denn auch der Pianist machte es sich später darauf gemütlich um das Geschehen vom Bühnenrand aus zu beobachten.

Als alle dann wieder aufgestanden und „der Löwe“ verklungen war, wurde sich brav vom jubelnden Publikum verabschiedet, welches nicht im Traum daran dachte, die Band schon ziehen zu lassen.

Diesmal gab es nicht eine, sondern gleich zwei Zugaben und auch das reichte noch längst nicht aus. Das unermüdliche Publikum arbeitete hart, um die Band aus dem Backstage noch einmal hervorzulocken und den ihnen wohl vergönnten Feierabend noch um ein Lied hinauszuschieben.

Natürlich! Eines hatte ja auch noch gefehlt! Es wäre zu schade gewesen, wenn Keimzeit gegangen wäre, ohne uns noch das allseits so geliebte „Was ich im Wasser sah“ zu präsentieren. Mit dem Wasser floss dann auch der musikalische Teil des Abends dahin und machte Platz für nette Gespräche, kühle Getränke und die eine oder andere „Zigarette danach“ (zurzeit noch erlaubt…).

Als das Gros der Besucher schon gegangen war, die Bar langsam schloss und wir uns von Band und Freunden verabschiedet hatten, zogen wir wieder in Richtung unseres Hotels, um uns von den abendlichen Freuden zu erholen und in süßen Träumen zu versinken.

In dieser Nacht konnte ich noch eine, für mein weiteres Leben wohl entscheidende, Feststellung machen. Von nun an weiß ich mit Sicherheit, dass Bettfedern in Hotelzimmern nicht immer nur aus Daunen bestehen, besonders wenn sie sich im Kern der Matratze befinden. Als dann auch noch am „frühen“ Morgen nach dem Duschen, das am Vorabend so betörend besungene „Wasser“ das ganze Bad überflutete, wurde mir bewusst, dass wir alle dieses Wochenende und dieses Hotel der Spitzenklasse wohl so schnell nicht vergessen werden.

Bericht: Dominik und Birgit

Fotos: René und Dominik

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