Sommerzeit… die Zweite

…Vergnügt machten sich zwei Reisegefährten auf den Weg. Wir fuhren immer schön die Autobahn entlang, brav mit dem Strom der dahin ziehenden Kolonne, bis zur Abfahrt nach Belzig. Dann ging’s durch Baumbestandene Alleen bis wir die Stadt erreichten. Die Sonne zeigte hin und wieder ein Einsehen und schob sich zwischen den langsam dichter werdenden Wolken hindurch. Die Ordner, welche sich rund um die Burg Eisenhardt positioniert hatten zeigten sich da weniger einsichtig. Sie leiteten uns unnachgiebig weiter, vor die Tore der Stadt an den Straßenrand. Wollten wir doch eigentlich nur unsere sieben Sachen auf die Burg schaffen, wo wir schon längst das Hotelzimmer gebucht hatten. Aber nein, nun hieß es erstmal einen längeren Fußmarsch mit schwerem Gepäck in Kauf nehmen, welcher bergan und über Stock und Stein verlief.

…So hatte ich mir das Leben als „Burgfräulein“ nicht vorgestellt! Wo blieben die Bediensteten, welche ihrem Ritter und dessen Begleitung das schwere Packzeug abnahmen? Nix da! Selbst ist der Mann…! Ääähh, natürlich auch die Frau…
Am Burgtor schweißgebadet und erschöpft endlich angekommen, wurden wir gleich „in Ketten gelegt“ und mussten sogar noch einen „Burgzoll“ entrichten, ehe wir endlich unsere Gemächer beziehen konnten.

Nachdem wir uns etwas erfrischt hatten, promenierten wir noch ein Weilchen auf dem Burghof umher und sahen den „anderen“ Rittern bei ihren Reiterspielen zu, bevor uns die trockenen Kehlen nach etwas Erfrischendem suchen ließen. Ja, wir hatten zwar die Stadt, jedoch scheinbar nicht die Feierlichkeit gewechselt. Auch hier hatte das Mittelalter Einzug gehalten und die Gegenwart mit ihrem fröhlichen Treiben in ihren Bann gezogen.

Ein Blick auf unsere, zugegebenermaßen hier nicht zeitgemäßen Chronometer, verhieß uns, diesen beschaulichen Ort nun so langsam zu verlassen, da unser Ansinnen hier und heute ein eher Neuzeitlicheres denn das des Minnegesanges war.

Zuvor hatte uns das Orakel, in neuzeitlicher Umgangssprache auch WWW oder Internet genannt, schon verraten, dass es außer dem keimzeitlichen Jubiläums-Abendprogramm auf dem Belziger Marktplatz, nachmittags noch eine weitere kleine Überraschung geben sollte. „Norbert Leisegang und Freunde“ sollten sich auf einem der Höfe ein kleines Stelldichein geben und dies wollten wir uns natürlich auf keinen Fall entgehen lassen.

Also, losgerissen von der Welt der Ritter und Hofnarren und herabgestiegen in die Gassen der die Burg umgebenden Stadt.
Kaum auf dem Hof des baldigst erwarteten Geschehens angekommen, schüttete doch tatsächlich der Himmel seine feuchte Fracht über uns aus und lehrte uns wieder einmal, dass nichts so unsicher wie das diesjährige Sommerwetter war.

Da auch die Akteure noch nicht am Ort des Geschehens angekommen waren, wurden die Zeiten zwischen den Regenschauern dazu genutzt, den hiesigen Kindern eine Lehrstunde zu bieten, dass mit einem Ritt auf ner Kuh nicht wirklich zu spaßen ist, besonders wenn sie durch gezielten Stromeinsatz um ihre eigene Achse gejagt wurde. Unsere kleinen Cowboys hielten sich tapfer und unterhielten somit die wartende Menge.

Dann endlich: Musikanten im Anmarsch! Nur waren wir nun wirklich im Zweifel, ob wir vor der richtigen Bühne standen. Vor uns bauten sich zwei stattliche Herren in Schottenkostümen auf und musizierten begeistert auf ihren „Säcken“. Überbrückungsprogramm… wurde uns mitgeteilt.

Norbert wird gerade vom Bahnhof abgeholt und müsste mit den Anderen gleich hier sein. „Was denn? War schon wieder Lockführerstreik?“ So lange kann es doch auch mit der Bahn nicht gedauert haben, von Weißenfels hier her zu kommen… Nun, wie dem auch sei, einige Minuten später erschien Norbert in der Menge, gefolgt von Rudi und Frank Braun.

Alle schienen gut gelaunt und das Wetter besserte sich auch um ein weniges. Kurzer Soundcheck und schon offenbarte sich uns, was sich hinter „Norbert und Freunde“ verbarg. Zwei Gitarren und eine Trompete, keimzeitliches Liedgut quasi unplugged vorgetragen, ungezwungen und mit viel Freude am Spiel. Ein wunderbarer Vorgeschmack auf das am Abend noch kommende große Konzert.

Nach knapp einer halben Stunde war diese „Messe gelesen“ und wir begaben uns langsam in Richtung des Marktplatzes, auf dem in kaum mehr als zwei Stunden die Attraktion des Abends steigen sollte.

Wie auch schon am Vortage in Weißenfels, schallten uns von Weitem schon altbekannte „Retroklänge“ entgegen, welche dieses Mal von der nun nicht mehr ganz jugendlichen Schlagerikone Mary Roos vorgetragen und dem mehr als zahlreich erschienenen Publikum jenseits der 60 Jahrgrenze beigeistert aufgenommen wurde. Auch Größen wie Ecki Göpelt Roland Neudert und andere Gäste gaben sich die Ehre, was das Rentnerherz um einiges höher schlagen ließ.

Wir indes ignorierten die lautstarken Klänge und taten bei Champignonpfanne und nem kühlen Schwarzen erst einmal etwas für Leib und Seele.
Frisch gestärkt wurde gemeinsam noch ein „lauschiges Plätzchen“ für den Merchandise-Stand ausgesucht, das Zelt schnell aufgebaut und Tische und Bänke hinzu getragen, damit Cathrin all den hier anwesenden Fans und Freunden die mitgebrachten Werbeträger wie T-Shirts und Jacken, Schlüsselbänder etc. gut und bequem feil bieten konnte.
Inzwischen hatten sich „Ecki und Gäste“ längst verzogen und für Oma und Opa war der Sandmann auch schon gekommen. Der riesige Platz füllte sich mit dem Rest der Stadt und ihren Gästen, so dass vor der Bühne kaum noch eine Stecknadel zu Boden kam.

Dann die große Ankündigung: Keimzeit feiert 25 jähriges Jubiläum und dies hier beim Altstadtsommer in Belzig! … Beifallsstürme, die nicht abebben wollen..

So begann die Show, in schon seit 6 vorhergehenden Jubikonzerten gewohnter Manier.

Mit einer Ausnahme: Der Rückblick über die Jahre kam diesmal nicht vom Band. Nein, Norbert höchst persönlich las den Text vom Blatt. Eine charmant improvisierte Variante, welche wohl einmalig bleiben wird. Die Band spielte sich in Rage und man sah allen an, dass es sich hier um ein Heimspiel handelte.

Als dann Mathias Opitz, bar jedes Instrumentes aber mit einem riesigen Blumenstrauß in Händen vor dem Mikrofon erschien und den zwei Menschen mit warmen, herzlichen Worten für die letzten 25 Jahre dankte, welche wohl den größten Anteil am Werden und Sein Keimzeits hatten, standen auch bei mir sekundenlang Tränen der Rührung in den Augen. Beiden Eltern der Leisegang-Geschwister war der Stolz und die Freude über ihre Kinder so ins Gesicht geschrieben, dass es hier keiner weiteren Worte bedarf. Mir bleibt dem nur hinzuzusetzen, dass auch wir Fans, insbesondere wir E-Feld-Aktiven, uns ebenso herzlich bedanken, dass sie alles möglich machten, um diese wunderbare Band entstehen und wachsen zu lassen.

Das Programm nahm seinen Lauf und der Einsatz der Bläser war nun gekommen.

Eines meiner Lieblingslieder wurde angestimmt und prompt bekam die Band ungebetenen Besuch. Ein junger Mann mit einer nicht gerade winzigen Trommel enterte den Konzertgraben und begann sich in Rage zu tanzen. „Du kommst wohl grad aus Amsterdam“ so Norberts lachender Kommentar. Der Angesprochene fühlte sich sichtlich geehrt und legte noch einen Zahn zu. Allgemeines Gelächter und Aufmerksamkeit war ihm nun gewiss und er schien sich als Hauptperson des Abends zu feiern. Nun, irgendwann wird jeder Spaß trivial, so er zu lange anhält und der Gute wurde des Ortes verwiesen.

Wie es kommen musste, war auch dieses Mal irgendwann Schluss und nach diversen Zugaben gingen die Lichter dann aus.

Der Platz lichtete sich, es wurde noch der eine oder andere Plausch gemacht, Bekanntschaften aufgefrischt oder Neue geschlossen und spät in der Nacht zogen die Letzten von dannen. Auch wir machten uns bei netter ortskundiger Begleitung auf den Weg in unser schönes Burghotel, in dem wir dann müde, aber zufrieden ins „Burgbettchen“ fielen.

Erfrischt wurden wir von der Sonne und Aufräumarbeiten im Burghof geweckt, nahmen unser Frühstück ein und packten wieder einmal unsere sieben Sachen. bei der Verabschiedung an der Rezeption sah ich „meinen holden Ritter“ schwärmerisch an, welcher der Rezeptionsdame gerade beteuerte, dass es uns gefallen hatte. „Klar kommen wir wieder! Das nächste Mal…

Wir schlossen noch einen kleinen Stadtbummel an, sahen ein wenig bei den Abbauarbeiten der großen Bühne zu und genossen noch ein hier im Ort selbst gebrautes Bier, statteten der kleinen Kirche neben der Burg auch noch einen Besuch ab, bevor wir uns auf den Weg zur Zwischenstation unserer Urlaubsetappen nach Berlin begaben.

Fortsetzung folgt …

Bericht: Birgit

Fotos: René

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