Zwischen(T)räume

Eben noch mittendrin in den Geschichten und Bildern aus Wirklichkeit und Illusion, gemacht aus Worten und Klängen, gelesen in den Gesichtern und festgehalten, eingeatmet, eingesogen, damit sie unsere Träume und fernen Gedanken speisen.
Auch wenn mich die Allee jetzt unweigerlich von all dem wegführt, nehmen kann sie mir das nicht. So bleiben rechts die Bäume, links die Bäume, doch dazwischen…!

Es begann im warmen Abendlicht. Kontrastreich zeigt sich die Landschaft, kontrastreich auch die Düfte, zumeist bezaubernd. Mit Macht lässt uns die Natur das triste Grau des Winters vergessen. Hohe Zeit für Keimzeit also. Was für ein Frühling!

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Mit althergebrachtem Charme empfing uns das recht wuchtige Kulturhaus der Bergleute zu Eisleben. Ich vermutete darinnen einen riesengroßen Saal für viele Menschen und wurde von einem Sälchen überrascht. Die Bühne recht klein, fast kuschlig (dass das noch „steigerungsfähig“ ist, sollte ich am nächsten Abend in Mühlhausen erleben), mit niedlichen Vorhängen hinterlegt war sie wie gemacht für eine Märchenaufführung des Kinderballetts. Wären da nicht die vertrauten Utensilien der Musiker, die der Grund unseres Kommens sind.

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Endlich begrüßte uns Keimzeit freundlich mit dem Hinweis, dass das alles nur zur Unterhaltung gedacht ist. Alles klar, dann will ich mal kein Drama draus machen. Hab ja auch keinen Grund! Die Musiker, gut gelaunt und charmant, wie wir sie lieben, nahmen uns mit über Tokio, Moskau, Mittel- und Südamerika, vorbei am See voller Tränen und am schlafenden Löwen nach Singapur.

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Der Barhocker inmitten der Bühne erinnerte das lädierte Knie des Sängers, der aber nicht so recht aus seiner Haut zu können scheint – hier eine kleine Choreographie mit Rudi, da fast ein kleines bisschen Leichtsinn und das Publikum fest im Griff! Wann lässt man sich schon so bereitwillig Altersangaben entlocken, und das, was meist Anlass zu beginnender Depression ist, entwickelte sich unter Norberts Motivierung zu kollektivem Stolz.
Das sonst eher zurückhaltende (oder anders: mehr zuhörende) Publikum verteilte sich auf angenehme Weise im Saal und ließ jenen, die mehr Raum brauchten ihre Bewegungsfreiheit. Also bewegten wir uns. Zwischen Vertrautem und Neuem und neu Aufbereitetem.

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Dazu möchte ich nur mal noch loswerden, dass GETRENNTE WEGE in der neuen Version so eingängig ist wie noch nie, während BETRUNKEN viel weniger bitter klingt, dass so ein ICH WEISS ES DOCH AUCH NICHT eigentlich ganz sympathisch macht, dass es den Konjunktiv in LIEBE WÄRE EINE MÖGLICHKEIT doch hoffentlich nur des musikalischen Gefüges wegen gibt und dass DIESES MAL grad mein Lieblingslied ist, mein Ortspfarrer möge mir verzeihen, obwohl ich glaube, dass das was er seinen Schäfchen allsonntäglich nahezubringen versucht, nicht weit weg ist von „leuchten soll sie anstatt zu sterben“! Allein dieser Satz sollte doch multipliziert mitgedacht und weitergetragen werden.

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Es wurde Zeit, wir mussten aus Feuerland zurück und das mit der abfallenden Endgültigkeit müssen wir noch ein wenig üben.

Am besten gleich am darauffolgenden Abend.

Birgit hatte mir schon eine kleine Geschichte vom Vorjahr aus der innerlich sehr hübschen Kulturfabrik erzählt. Später erinnerte ich mich daran, dass sie auch diese große Hitze und das eng zusammengerückte Publikum erwähnte. Die Luft war einfach schlecht, was wahrscheinlich vor allem für Ralf ein Problem war. Aber die Musiker zeigten wie gewohnt Spielfreude und versprühten gute Laune auch als man sie streckenweise aufgrund des allzu dichten Nebels nur noch hören konnte.

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Liebe auf Polnisch, Frühling auf Griechisch? Mensch Norbert! Gerade hatte ich meine Russisch-Kenntnisse aufgefrischt! Auch das Publikum war vorbereitet – im Chor erklang das russische Lieblingswort – und textsicher. Mit Ausnahme vielleicht der Valentinstagsblumen. Die waren ja noch ganz frisch.
Ach was hätte ich nicht noch alles hören mögen…

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Doch auch der zweite Abend bei meiner Lieblingsmusik musste irgendwann enden. Es bleibt die Aussicht auf den Sommer und es bleiben wieder neue wunderbare Eindrücke und Begegnungen, die ich gern noch vertieft hätte, „…eine Flut von leuchtenden Perlen…“. Das Schöne ist, sie sind in dieser wirklichen Welt zu finden. Kopf, Herz und Seele jedenfalls sind jetzt bereit, sie besser zu ertragen, sie vielleicht mit andern Augen anzusehen und ihr möglicherweise ein wenig gut zu tun.

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Danke Keimzeit

Bericht: Angela

Fotos: rene.h

Weitere Fotos von den Konzerten an diesem Wochenende findet ihr hier. (Fotograf:Jörn)

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