Club der toten Dichter im Schweriner Speicher

Zeichnung von Dominik

Musik wird oft nicht schön gefunden,
Weil sie stets mit Geräusch verbunden.

Lautet ein Zitat aus Dideldum! (1874) – Der Maulwurf. Diesem jedoch wird jeder, der dieser Ansicht war widersprechen, ob des am Samstag dargebotenen Konzertes des Clubs der toten Dichter im Speicher zu Schwerin. Wilhelm Busch Texte neu vertont.

Es wussten wohl Wenige wirklich, was sie an diesem Abend erwartete. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt, Stühle wurden zuvor mit Jacken besetzt, um sich noch an der Theke mit Flüssigem für das Konzert zu stärken und auch die begehrten Treppen boten keinen Platz mehr.

Club 1

Ein Auszug aus der Schweriner Volkszeitung lässt ferner verlauten:

Speicher-Chef Dieter Manthey musste am Sonnabend rund 50 enttäuschte Musikfreunde nach Hause schicken. Das soziokulturelle Zentrum war wie der einmal ausverkauft. Das Konzert von Reinhardt Repkes “ Club der toten Dichter “ wollten sich echte Wilhelm-Busch- und Deutschrock-Freunde nämlich nicht entgehen lassen. Zumal den Gesangspart Norbert Leisegang von „Keimzeit“ übernommen hatte.

Ein leises Klick-Geräusch kündigte den Beginn des Konzertes an, das große Licht erlosch. Jeder, der noch nicht an seinem Platze war, nahm die Beine in die Hand, um sich durch Stuhlreihen und Menschentruppen an diesen zu kämpfen. Speicher Geschäftsführerin Simone nahm ein prüfendes Auge über die Stuhlreihen während sie genüsslich, oder vielleicht um der Aufregung zu trotzen, an einem Lollipopp lutschte. Möglicherweise ist es aber auch ihre Bewältigung des zu herrschenden Rauchverbots in öffentlichen Einrichtungen und Gebäuden. So ein Süßzeug ist wohl noch immer sinnenfreudiger als ein Nikotinkaugummi – dieses nur am Rande.

Norbert

Die Bühne war nicht großartig dekoriert. Wozu auch? Erwartet wurden fünf Mannen, derer Spiel zu lauschen ein jeder angereist war. Stühle mit dem Emblem des Clubs auf der Lehne und an jedem Platz das Musikinstrument, welches erahnen ließ, wer der dazugehörige Musiker war. So konnten Keimzeit Begeisterte wohl schnell die Gitarren des Norbert Leisegang ausmachen. Und der Platz an dem auf einem Notenständer eine Art Liederbuch lag? Hier sollte wohl der Vater des Clubs Platz nehmen und so geschah es dann.

Helge

Langsam betrat die Band die Bühne. Das obligatorisch große Grinsen, das den Eindruck gibt, es lächle jeden im Einzelnen an, vom Mann mit dem blonden Haarschopf ging sofort durch die Runde. Norbert Leisegang gefolgt von Bassist Helge Marx, Schlagzeuger Tim Lorenz, Komponist Reinhardt Repke und Pianist Jörg Mischke traten an ihre Instrumente. Herr Repke begrüßte das Publikum mit einem Zitat der Aufschrift des Grabes Stein des Wilhelm Busch:

Hier liegen meine Gebeine,
ich wollt‘, es wären Deine.

Maxs

Fürwahr hätte sich Herr Busch dieses Spiel wohl nicht entgehen lassen wollen. Was blieb ihm nun anderes übrig? Diese Hommage jedoch ist mehr als geglückt, kein Grund also, sich im Grabe umzudrehen. Das Konzert begann mit der Burschen Max und Moritz ersten Streich an der Witwe Boltes Hühnerschaft. Diese sollten die Narretei der Jungen nicht überleben.
Repke hat sich passende Gedichte heraus gepickt sie zu vertonen. Geeignet aus dem täglichen Leben gegriffen und für jede Situation ein Lacher. Man vergisst für gut drei Stunden Alltag und nimmt alles mit einem Lächeln hin, nein falsch, man lacht bis an beide Ohren und kommt aus dem gar nicht mehr heraus. Nicht zuletzt die Musik allein fängt und zieht einen völlig in den Bann. Zwischen den Künstlern herrscht absolute Harmonie und ihre Spielfreude sprudelt förmlich von der Bühne, man möchte ein paar Tropfen abfangen davon. Immer wieder ruft man sich in Erinnerung, dass es Gedichte sind, die hier vertont wurden. Ein wunderbares Zusammenspiel von Sprache, Melodie, Rhythmus und Lautstärke.

Tim

So wird gesungen über den armen Haushalt, das Bereiten eines guten Bratens welches weibliche Charaktersache ist, das Zahnweh um den Backenzahn. Über den Einsamen wird berichtet, den man heute wohl den Single nennt. Das entspannte Singleleben im Alltag. Niemand stört, niemand gibt vor und niemand schimpft im eigenen Haus. Der hingegen sich die Frau seines Herzens wünscht wird in „Scheu und treu“ besungen. Heimlich schielt er sie durch seine Brille immer an, während seine Liebe nicht erhört wird. So geht es weiter im Lauf der Dinge von der Sehnsucht bis hin zum Lied über das Vaterwerden.

Keyboard

Eine wahre Freude ist es den Musikern zuzusehen. Ärgern sollten sich die, die nicht das Glück hatten in den ersten Reihen einen Platz zu finden. Hier bot sich am besten die Möglichkeit, die Mimiken der Musiker neben ihrer Gestik und ihrem Witz mit einzufangen. Ein Augenschmaus war „der mit der Oma tanzt“. Helge Marxs Augen strahlten, sein Mund war ein einziges Grienen und er tanzte – soweit es ging. Schmunzeln musste man auch bei Reinhardt Repkes Gesichtsakrobatik. Gekonnt ließ er schon beim Zusehen den Backenzahn schmerzen und die Augenbrauen hob er verschmitzt bei jedem Ulk.

Maxs2

Ein Ende fand die Vorstellung im letzten Streich der Burschen, welche Max und Moritz hießen. Doch wie schrieb schon Wilhelm Busch: Was beliebt ist auch erlaubt!!! So nahm es sich das Publikum nicht mit Applaus nach einer Zugabe zu werben. Diese sollte es bekommen in Form weiterer drei vertonter Stücke. Zufriedene Gesichter im Publikum als auch von der Bühne und ein Abend ohne noch zu erfüllende Wünsche. Am Schluß bemüht ein jeder sich hinwegzutun, was hinderlich – so werden die letzten Gläser geleert, der Schal fest um den Hals gezogen, der Mantel über den Leib geworfen und mit erwärmten Herz der Weg nach Hause angetreten.

Bericht: Anja Janke & Dominik Peters

Flyer

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