Frühlingserwachen – eigentlich Keimzeit, nur…

… so wie der Frühling in diesen Tagen all die Jahre hindurch immer wiederkehrt, wäre es gerade jetzt an der Zeit gewesen, auch wieder keimzeitliches Liedgut erwachen zu lassen, unter Land und Leute zu bringen, aus dem Winterschlaf aufzutauchen und fröhlich dem fortwährenden Neubeginn der Natur musikalisch zu huldigen.
In diesem Jahr nun ist alles anders. Wider der Überzeugungskraft der sich regenden Natur, bleibt die musikalische „Keimzeit“ still. Nun, Unseren Musikern sei es gegönnt, sich neu zu besinnen, sich zu finden, um sich im Anschluss an die gemeinsame Kreativpause wieder neu zu definieren und uns mit frischer Kraft und neu entfachter Spielfreude zu erfreuen.

Uns hingegen bleibt in diesen Tagen des Neubeginns ein wenig die Rastlosigkeit, das Suchen nach Ausgleich, nach neuen Möglichkeiten und interessanten Dingen am Rande des sonst so keimzeitlichen Geschehens.

Während die einen E-feldaktiven sich an diesem Wochenende dem schlafenden Löwen, sowie dem gezeichneten und geschriebenen Wort hingaben, sich zum wiederholten Male von Max und Moritz und deren, diesmal musikalisch in Szene gesetzten Schandtaten mit moralisch erhobenem Zeigefinger Wilhelm Buschs belehren ließen, erinnerten wir uns vergangener Tage und Events, bei denen wir kurzzeitige Wegbegleiter unserer Band kennen lernen durften.
Mehr oder weniger zufällig stieß René dabei wieder einmal auf die junge, hübsche Sängerin Bobo, welche zum keimzeitlichen Tourabschluss 2005 (wir berichteten) als Gast im „Haus Leipzig“ ihr Können gemeinsam mit Norbert und seinen Mannen unter Beweis stellen konnte.

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„Bobo in white wooden houses” , 15.03.08. Plauen, Malzhaus, 21:00
… so die Ankündigung im Internet…

„Ja, das wäre eine Überlegung wert. Gute Idee!“ stimmte ich kurz entschlossen bei. Hatte sich bei mir doch inzwischen wieder einmal das Fernweh und die Sehnsucht nach einem Treffen bei guter Musik breit gemacht. „Paul“, mein kleiner aeroblauer Flitzer stand schon wieder quasi „Hufescharrend in der Box“ und wartete ungeduldig darauf, endlich wieder Fahrtwind schnuppern zu dürfen. Pläne waren also schnell geschmiedet und es ging daran, sie in die Tat umzusetzen. Dies sollte allerdings eher einem Hindernislauf gleichkommen:
Alles schien perfekt, als kurz vor dem „Startschuss“ der Anruf kam, dass es für René einige Probleme geben könne, noch zeitlich passend in Plauen anzukommen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt… wir beschlossen, es trotz arbeitgebertechnischer Unbilden darauf ankommen zu lassen .
Trotz einiger weiterer kleiner, technischen Probleme, kam mein Begleiter doch noch mit ca. einer halben Stunde Verspätung am Malzhaus an und wir konnten den größten Teil des Abends bei wundervoller Musik, in für uns erinnerungsschwangerem Ambiente gemeinsam genießen.

Das Malzhaus… der Clubkeller… Erinnerungen kochten in mir hoch. Vor nunmehr fast genau 5 Monaten waren wir hier zuletzt zu Gast. Ein schönes Konzert der letzten Tour unserer Band, mit vielen Freunden gemeinsam verbracht.

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Nun standen wir wieder hier. Nur wir zwei, René und ich, inmitten einer zwar nicht geringen, aber im Verhältnis zum damaligen Event doch recht übersichtlichen Publikumsschar.

Und dann Bobo… in kleinster Besetzung, mit nur einem Gitarristen, Thimo Sander, mit dem sie schon seit einiger Zeit mehrfach unterwegs ist. Der junge Mann schien optisch irgendwie einer 60-ger Jahre- Band wie beispielsweise den „Lords“ entsprungen zu sein, spielte sein Instrument aber auf recht eigenwillig virtuose Weise. Auch stimmlich hatte er einiges zu bieten, was er aber leider nur bei einem einzigen Song unter Beweis stellte.

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Sphärische Klänge, melancholische Melodien und die glockenklare Stimme Bobo´s … Das Kellergewölbe schwang im Rhythmus der Musik und wir mit ihm. Bobo zeigte einen Querschnitt der besten Musikstücke ihres bisherigen Wirkens mit einer selbstverständlich wirkenden Leichtigkeit. Sie erklomm musikalische Klippen schier mühelos mit ihrer zauberhaft, ja fast mystisch anmutenden Stimme, wie es wohl nur sie vermag.

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Ihre Aufforderung an das Publikum, doch ruhig mitzusingen, blieb zwar, sicher aufgrund mangelnder Text- und Melodiesicherheit weitestgehend unverfolgt, aber die Menge schien trotzdem sichtlich erfreut und begeistert zu sein. Hin und wieder machte der Umstand, dass die am Boden liegende Setliste in schier winzigen Lettern geschrieben war, ein Abstimmen der beiden Musiker unumgänglich, was aber die Atmosphäre weiter auflockerte und dem musikalischen Vortrag fast das Flair einer spontanen Session verlieh.

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Der letzte Zweifler an der Perfektion Bobo´s Stimme sollte spätestens dann verstummen, als sie als Zugabe ihren Song „Ever the wind“ a cappella in den Raum stellte.
Gänsehaut pur, Atemstillstände, offene Münder und verzückte Minen über all im Raum!

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Ein wundervolles musikalisches Erlebnis nahm sein Ende.

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Wir ließen den Abend dann geruhsam bei einem Becher Glühwein, gegen die noch empfindliche Nachtkälte, ausklingen, ehe wir uns müde aber glücklich in unsere Schlafsäcke kuschelten, um dem kommenden Vorfrühlingstag entgegen zu träumen.

Auf den Spuren Keimzeits wurden wir wieder einmal fündig, auch im Jahr der großen Pause.

Ich erinnere mich wiederholt an den einen Satz, den Norbert genau an jenem Tag im Dezember 2005 formulierte, an dem er gemeinsam mit Bobo auf der Bühne stand:

MUSIK VERBINDET !

… sie hat es wieder einmal getan…

Bericht: Birgit

Fotos: René

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One thought on “Frühlingserwachen – eigentlich Keimzeit, nur…

    Kira said:
    17. August 2011 at 15:18

    super) i love Bobo Hebold

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