Löwengebrüll auf der Buchmesse und Maxs’ Bagage im Leipziger Anker

Uns erwartete ein literarisch-musikalisch-kultureller Höhepunkt in Leipzig. Abermals zog es uns aufs Konzert des Clubs der toten Dichter um Reinhardt Repke und seiner Schelme, doch nicht allein. Norbert Leisegang sollte sein Gutenachtlied „Der Löwe“ vorstellen, verpackt in ein Büchlein dessen Seiten die Malerin „Martha“ gekonnt illustrierte. Ein rundherum abgerundetes Wochenende war geplant mit Buch, Musik und Stadtgeschichte.

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Wind und Regen peitschten uns von Hamburg geradewegs nach Leipzig. Das Messegelände ist nicht schwer aufzufinden. Wir waren beeindruckt von dessen Größe. Nach einigem Gesuche war ein Parkplatz gefunden und wir konnten eintreten in die Hallen der beschriebenen Seiten. Pünktlich zur Buchvorstellung des „Löwen“ erreichten wir den Stand, an dem das Kinderbüchlein zum Verkauf auslag und uns nun vorgestellt werden sollte. Auch Norberts Musikerfreunde ließen sich den Auftritt nicht nehmen und hatten bereits Platz genommen seinem Spiel zu lauschen. An Norberts Seite Trompeter Frank Braun – ein bekanntes Bild eines weiteren Schelmenpaars.

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Die Verlegerin Ute Fritsch stellte uns ihr Buch begeistert vor. Etwas aufgeregt wirkte sie bei dem Publikumsandrang, verständlich. Die Malerin des Buches selber konnte nicht anwesend sein. In „Lagerfeueratmosphäre“ trugen die beiden Musiker den „Löwen“ instrumental sowie gesanglich den Neugierigen von Klein bis Groß vor, während die Verlegerin die einzelnen gemalten Bilder zum Text ins Publikum zeigte. Ein Büchlein war schnell gekauft und signiert. Manch cleverer Zeitgenosse hatte außerdem seine erworbene CD des Clubs der toten Dichter zur Messe bereits dabei und konnte nun auch dieses Stück zur Signatur vorlegen.

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Nach der Vorstellung dieses Buches machten wir uns auf, weitere Neuvorstellungen in gebundener Form mit festem Einband zu erforschen. Schwarz auf weiß, Buchstaben über Buchstaben, Menschen über Menschen, Erzählungen über Erzählungen. Nach knapp drei Stunden waren wir erschlagen, sodass wir uns geschlagen gaben. Einfach zu viele Bücher. Papyrusrollen, wie sie es früher waren, hätten uns überrollt, eingewickelt und gefangen gehalten. Wir entschieden uns die ersten Sonnenstrahlen des Tages zu nutzen und unsere Unterkunft für die Tage aufzusuchen.
Ein wonniger Freitag – März – Nachmittag jetzt. Die Luft war frisch gewaschen vom Regen, nur gelegentlich kitzelten vereinzelt Sonnenstrahlen unsere Nasenspitzen durch die Windschutzscheibe.

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Eingetroffen in der Pension gaben wir unseren angeschlagenen Gliedern eine warme Dusche und ein Stündchen gerades Liegen unter flauschigen Daunen. Diese waren es dann, die uns nicht frei lassen wollten. Wir träumten vor uns hin und konnten uns nicht recht aufraffen wieder ins Auto zu springen. Der Gedanke jedoch auf gute Musik und energiegeladene Musiker mobilisierten neben einer Tasse Kaffee unsere Restenergie.

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Treffsicherheit ist garantiert, sagt man Busch doch nach, er sei der Klassiker deutschen Humors wie auch Ernstes. In seinen Zeichnungen ist ihm in knappen Strichen gelungen, das ganze Leben einzufangen. So auch seine Texte, die den Alltag sowie sämtliche Themen des Menschen wiedergeben. Dem Club der toten Dichter ist es durch die moderne musikalische Umsetzung dieser Texte und Bilder gelungen Drama, Witz, Liebe – eben Leben – uns lebendig zu machen. Wie schon Buschs Kunst Volkskunst im wahrsten Sinne genannt, so ist doch ein Konzert des Clubs das Selbe.
„(…) sie ist zu Hause auf der Gasse und in den Stuben, bei Arm und Reich, sie ist lebendig und wirkt und schafft an den Menschen, an der Kultur, am Leben selber (…).“

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Das Konzert des Clubs sollte im Anker zu Leipzig stattfinden. Dieser befindet sich in der erst kürzlich umbenannten Knop- in die Renftstraße. „Endlich ein Monument für ein Stück deutsche Rockgeschichte in Leipzig (…) in Erinnerung an Klaus Renft, dessen Combo und befreundete Musiker (…).“ Kurz vor Einlassbeginn trafen wir ein und wurden aus Gnade der Einlasser für ein kleines Hopfengetränk auch schon reingeschmuggelt. Die Kehle erfrischt und den Flüssigkeitshaushalt aus dem Schwanken gebracht, erhaschten wir noch die letzen beiden Plätze am Rande in der ersten Reihe.

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Die Konzerte muss man sich einfach aus erster Reihe ansehen, um Spielfreude sehen und fühlen zu können, die aus Gesichtern und Gestiken der Musiker sprudelt.

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Wieder hatte ein bunt gemischtes Publikum erwartungsfroh auf den Stühlen Platz genommen. Alt und Jung, Männlein und Weiblein in Abendausgehgarderobe oder gemütlich lümmelhaft forderten ungeduldig den Start des herbeigesehnten Konzertes. Unter dem Applaus der Gäste stürmten die Musiker auf die Bühne, um sich sogleich wieder auf Hockern und Sitzgelegenheiten von diesem sportlichen Kräfteverbrauch zu erholen.

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Natürlich, Bassist Helge tanzte und wippte in voller Größe während des ganzen Konzertes und auch Norbert ließ an einigen Stellen den Rocker raushängen. Wieder bei den akrobatischen Gesichtsverzerrungen von Maxs Repke habe ich mich erwischt, wie ich selbst Augenbraue hob und zusammenkniff und es ihm gleich tat, animiert vor lauter Spannung. Tausend Gänse laufen bei Jörg Mischkes Piano-Spiel des „Virtuosen“ über die Haut. Ein furioses Finale findet es, als Schlagzeug und Bass einsetzen. Ist das Stück zu Ende, kann man sich aus der Anspannung lösen und sie kräftig abschütteln, die Gänsehaut.

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Nachdem der Abend mit all den Busch’schen Bekannten wie Max, Moritz, Witwe Bolte, der frommen Helene, Onkel Kasper oder auch eher Unbekannten, jedoch nicht minder interessanten Persönlichkeiten, wieder all unsere Erwartungen erfüllt hatte, konnten wir uns wohl gelaunt mit einem kleinen schelmischen Zucken im Augenwinkel Richtung Schlafstätte begeben. Am nächsten Tage noch wollten wir etwas Stadtgeschichte um Leipzig und Auszüge aus Goethes Faust im Auerbachs Keller erhaschen. Denn „wer nach Leipzig (…) gereist, ohne auf Auerbachs Hof zu gehen, der schweige still, denn das beweist: Er hat Leipzig nicht gesehn.“

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„… gut’ Nacht!“

Bericht: Thomas Gross & Dominik Peters

Quellen
Fotos: René Homuth
Bilder: Martha (Der Löwe) – www.jena1800.de / verlag@jena1800.de (für direkte Bestellungen des Buches mit CD ohne Versandkosten)
& Wilhelm Busch
Lehrer Lempel – www-public.tu-bs.de
Der Virtuose – www.wilhelm-busch.de
Der hohle Zahn – www.bugpowder.com
Hans Huckebein, der Unglücksrabe – www.zeit.de

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