Mit Wilhelm Busch in der Goethestadt Weimar

Nachdem ich in Berlin den „Club der toten Dichter“ gemeinsam mit den Freunden der E-Feldcrew zum ersten Mal erleben durfte, wusste ich nur eins: „ ich will mehr!!!“

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Wurde ich einerseits durch die altbekannten Texte Wilhelm Buschs doch lebhaft an meine Kinderzeit erinnert, in der ich leidenschaftlich gern im „Buschalbum“ blätterte, meine ersten Leseübungen mit Diesem vollführte und beim letzten Streich der zwei Lausbuben Max und Moritz zugegebener Maßen den Funken Schadenfreude nicht unterdrücken mochte, so begeisterte mich andererseits die musikalische Umsetzung der Thematik genauso, wie die witzig charmante Darbietung des Ganzen durch die Akteure.

Nun, eine Wiederholung des einmal Erlebten schien für mich in nicht allzu weiter Ferne möglich zu sein, wenn es auch wieder einmal einer längeren Autofahrt bedurfte.
Da ich mir schon lange vorgenommen hatte, die schöne Stadt Weimar einmal wieder zu besuchen und auch mein Dienstplan nichts gegen den Termin auszusetzen hatte, fiel mir die Entscheidung diesmal besonders leicht (Mal abgesehen von den wuchernden Spritpreisen jedenfalls). Auch René fand Termin und Spielort passend und so verabredeten wir uns zum Samstagnachmittag vor Ort.

Die Parkplatzsuche wurde schier zu einem kleinen Abenteuer (…Ich hatte es schon geahnt, da ich mich an einen früheren Besuch der Stadt erinnerte). Dieses endete mit einem längeren Fußmarsch durch eine, zwar wunderschöne, aber ebenso unendlich scheinende Parkanlage. Es war einfach ein Ding der Unmöglichkeit, nur annähernd in Nähe des „Köstritzer Spiegelzeltes“, der heutigen Auftrittsstätte des CdtD, einen Stellplatz für unsere Fahrzeuge zu finden.
Irgendwann nach längerer Wanderschaft tat es sich vor uns auf, das Spiegelzelt.

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Aha-Effekt !!! So also sah es wirklich aus: Inmitten der gepflegten Parkanlage, ein hölzerner Bau in Form eines Zirkuszeltes. Davor einige Tische und Stühle und ein Bierstand. – Dem Namen alle Ehre! Also an den von uns favorisierten Erfrischungen sollte es heute scheinbar nicht mangeln.
Noch waren nur wenige Passanten zu sehen und der Stand schien auch noch geschlossen zu sein. Nun, es war ja auch erst später Nachmittag und der Beginn der Vorstellung noch in weiter Ferne. Die Situation sollte sich allerdings noch ändern, denn als wir später von unserer zweiten Wanderung quer durch den Park zurück kamen, wir mussten ja noch Renés Fotoausrüstung holen, war der Platz vor dem Eingang des „Zeltes“ schon gut gefüllt und der Bierstand belagert.

Komplett ausverkauft, die Veranstaltung, erfuhren wir etwas später. Es gab nicht einmal mehr eine einzige Karte an der Abendkasse zu erstehen. …Schön! Dies freut die Akteure, genauso wie alle anderen Beteiligten und natürlich auch den geneigten Fan. Wieder einmal konnte vor vollem Haus gespielt werden. Und das, in einer historisch so von Kultur und Dichtung geprägten Stadt, welche wohl neben Goethe noch so manche Größe deutscher Kunst schon einmal beherbergt hatte.

Dann war es soweit. Wir betraten das Rund der Arena. Ein traumhafter Anblick! Das Innere erinnerte wahrlich an eine historisch- zirzensische Stätte. Ein Flair aus „1000 und einer Nacht“ in rotem Samt und Spiegelglanz. Man hätte vermuten können, sogleich würden prächtig geschmückte Pferde in das Rund des Zeltes traben und uns mit Pirouette, Piaffe und Passage erfreuen, wäre der Innenraum nicht mit stilvollen Stühlen und Tischen angefüllt gewesen, an denen fröhliche Menschen saßen, in Erwartung des nun Kommenden. Selbst eine Trapezschaukel sollte nicht fehlen, welche heute allerdings nicht zum Einsatz kam. – Schade eigentlich… Max und Moritz am Trapez, in luftiger Höhe, ihre Geschichten singend dargeboten, wäre sicher ein besonderer Genuss geworden.

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Einiges nach 21:00 wurde nun der Saal abgedunkelt und die kleine Bühne beleuchtet. Musik erklang und die Künstler betraten ihr Podium. Mit viel Witz und Charme boten sie ihr Programm den Gästen dar, hatten sichtlich selbst Spaß an ihrem Spiel und ließen den Funken recht bald überspringen.

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Die „Witwe Bolte“ fand besonders bei den jüngeren Zuschauern Anklang, während „Onkel Kaspers Nase“ wohl bei manch älterem Herrn ein wissendliches Schmunzeln hervor rief.

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„Wer einsam ist, der hat es gut…“ wird wohl so manch eingefleischter Single leise für sich mitgemurmelt haben, während der „Philosoph“ unter uns wohl das „Zauberschwesternpaar“ in „Zweifach sind die Phantasien“ für sich favorisierte.

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Der „Frommen Helene“ wurde während der Pause rege zugesprochen, wobei man an Erfindungsgeist nicht mangeln ließ, was Behältnisse betraf, die es ermöglichten von dem edlen Tropfen ein Schlückchen aufzufangen. Zum Leidwesen so manches munteren Zeitgenossen, wurde bekannt getan, dass man diesen Kräutergeist wohl niemals im Handel erstehen könne. Schon aus diesem Grund wurden selbst Kaffeetassen zu „Likörtassen“ umfunktioniert; bis sich endlich jemand erbarmte und kleine Plastikbecher verteilte.

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Auch erfuhr der wissbegierige Gast, dass die Crew des CdtD auf einer Fahrt im Selbstversuch, zu acht, eine ganze Flasche des Gebräus verkonsumiert hatte, ohne am nächsten Tag die allseits bekannten „Katerbeschwerden“ erlitten zu haben.

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Nach manchem netten Plausch zwischen Zuschauern und Manager (=Merchandise-Verkäufer) ging die Pause schnell zu ende und das Programm nahm seinen Lauf. Erst bekam man sprichwörtliches „Zahnweh“, als Herr Repke den riesigen gezogenen Backenzahn in die Höhe hielt um letztlich dem „letzen Streich“ Reinhard (Max) Repkes und Norbert (Moritz) Leisegangs zu lauschen und ebenso wie ich als Kind, der Schadenfreude ihren Lauf zu lassen.

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Tosender Beifall, mehrere Zugaben, der „Vorhang“ fällt. Der alte Goethe, wäre er dabei gewesen, hätte sich sicherlich gewünscht, seine Werke ebenso vertont und vorgetragen zu sehen. … Nun, warum eigentlich nicht, Herr Repke?…

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Wieder endet ein wundervoller Abend und das „Köstritzer Spiegelzelt“ entlässt seine Gäste ins Dunkel der Nacht.
Ja, dunkel war’s… sehr dunkel. Eigentlich wollten wir den Rückweg zu unseren Autos wie gehabt antreten, entschlossen uns jedoch aufgrund unserer „Nachtsichtuntauglichkeit“ den weiteren Weg die Straße entlang zu nehmen. Unterm Sternenhimmel fanden wir noch ein wenig Zeit, vom gerade Erlebten zu schwärmen, ehe wir uns in unsere Schlafsäcke zurückzogen um dem neuen Tag entgegenzuträumen.

Nach einem morgendlichen Picknick im Grünen, bei strahlendem Sonnenschein schmiedeten wir wieder neue Pläne auf den Spuren keimzeitlicher Solopfade. In erreichbarer Nähe sollte heute noch ein Mitglied unserer Band einen Auftritt haben: Ralf Bensch(a)u und Jens Goldhardt spielten ihr Orgelsax in der Kirche zu Gräfenroda.

Diese Gelegenheit wollten wir uns nun nicht entgehen lassen, also beschlossen wir, uns auf den Weg durchs Thüringer Land zu machen. Wir durften dabei nicht allzu viel Zeit verlieren, da die Veranstaltung schon um 14:00 Uhr beginnen sollte. So fuhren wir durch Höhen und Täler, vorbei an Wäldern, Wiesen und Feldern. Ich spürte einen Hauch Romantik in mir emporsteigen, als ich die kleinen verträumten Orte durchquerte, die das schöne Thüringen zu bieten hat. Orte zum träumen, gemacht wie für ein Märchen. Ein wenig Neid stieg in mir, als Großstädter auf, bei dem Gedanken an ein Leben in Natur und Idylle, fern ab von Hektik und Stress der großen Metropolen dieser Welt.

In Gräfenroda angekommen, war der Spielort nicht zu verfehlen. Wie es Kirchen so eigen ist, überragte diese den ganzen Ort. Auch die Parkplatzfrage war diesmal kein Thema und etwas Zeit hatten wir auch noch um uns ein wenig umzusehen. Als erstes fiel uns das kleine Plakat mit der Ankündigung des musikalischen Nachmittags auf. Oh, da hatte sich doch ein überflüssiger Buchstabe in Ralfs Namen eingeschlichen. Oder sollte hier ein anderer Saxophonist mit ähnlichem Namen spielen?

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Wohl kaum… und da sahen wir sie schon… Ralf und Jens kamen gerade mit ihren Anzügen in der Hand auf uns zu. Kurze Begrüßung, dann verschwanden sie im neben liegenden Gebäude um sich umzukleiden.

Wir indes suchten uns einen guten Platz in der Kirche, von dem aus wir sowohl Jens an der Orgel, als auch Ralf an den Blasinstrumenten gut beobachten und ablichten konnten.
Nach einer kurzen einladenden Ansprache des hiesigen Pfarrers begann auch schon das Konzert im gut besetzten Kirchenschiff.

Ich schwelgte wieder in den Klängen, genoss die Musik teils mit geschlossenen Augen, teils mit bewundernden Blicken auf die Künstler und deren Instrumente. Feierlich getragene Kirchenmelodien wechselten mit fröhlichen leichteren Klängen der klassischen Moderne.

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Wieder einmal wurde mir bewusst, wie sehr ich den Klang dieser Instrumente und das Spiel der beiden Musiker liebe. Und dann die Atmosphäre, welche nur die hohen festlichen Hallen einer Kirche hervorbringen kann. Jedes Mal wieder ein Ohren- und Augenschmaus.

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Leider ging auch dieses Konzert, wie immer, viel zu schnell seinem Ende zu und nach einer Zugabe war dann auch, zum Bedauern der Zuschauer, wirklich schon Schluss. Die Künstler wurden mit freundlichen Worten und Blumensträußen verabschiedet, um sich alsbald wieder auf den Weg zu machen.

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Die Eile hatte natürlich einen Grund. Schon gut eine Stunde später wartete die nächste Gemeinde in Sonneberg auf die zwei Musiker, welche dort ein weiteres Konzert geben sollten.
Wir verabschiedeten uns also von den Beiden, wünschten noch gutes Gelingen und ließen uns, zusammen mit der Gemeinde und ihren Gästen, zu Kaffee und Kuchen nieder, ehe es auch für uns wieder hieß Abschied zu nehmen.

Ja, es war wieder ein gelungenes Wochenende. Eines, das zu denen zählt, die man nicht so schnell wieder vergisst. Wir trafen auf liebe Menschen, denen wir hiermit wieder einmal herzlich für die schönen Stunden danken möchten, welche ohne sie nicht möglich gewesen wären. Und wir freuen uns, Euch, unsere interessierten Leser, ein wenig an diesen schönen Stunden teilhaben lassen zu können.
Ich hoffe unsere Berichte haben einige von Euch neugierig gemacht und möchte Euch allen zurufen: wenn es für Euch irgendwie eine Möglichkeit gibt, eines dieser Events live zu erleben, geht hin! Es lohnt sich!

Bericht: Birgit

Fotos: René

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