Orgelsax – Im Wandel der Zeit

Kalt ist es geworden, aber trotz allem zeigte sich der Herbst an jenem Tage von seiner noch angenehmsten Seite, als wir von Frankfurt/Main ins Pfälzische Städtchen Frankenthal aufbrachen, um Ralf Benschu und Jens Goldhardt musizieren zu sehen.

Die Tore der Zwölf Apostel Kirche waren noch verschlossen, als wir vor Ort eintrafen. Daher nutzen wir die Chance, uns im Café ganz in der Nähe der Kirche, den späten Nachmittag mit heißen Getränken und Torte zu versüßen.

Einer Wohltat für den Gaumen folgte eine für die Augen und ein klein wenig Später für die Ohren. Die von außen recht unscheinbare Zwölf Apostel Kirche entpuppte sich innen als Wolf im Schafspelz. Ein strahlendes Weiß und der ovale, mit dorischen Säulen umstellte Zentralbau, über welchem die Orgel thront, beeindruckte uns doch sehr.

Wir ließen uns oben auf der Empore nieder und ließen die Atmosphäre des Gebäudes erst einmal auf uns wirken.

Um 18 Uhr ging es dann mit einer kurzen Einleitung der Pastorin los. Ralf und Jens begannen mit dem Stück „Im Kreuzgang“. Anfangs wurden hauptsächlich kirchlich geprägte Stücke gespielt, wie „Hoffnung“ („In dich hab ich gehoffet, Herr“) aus dem 15. Jahrhundert, oder „Klage“ („Aus tiefer Not schrei ich zu dir“) von Martin Luther, als auch „Lob“ („Lobt Gott, den Herren, ihr Heiden all“) von Melchior Vulpius.

Mit einem Stück von Antonio Vivaldi kamen mediterrane und sehr weiche Klänge angeschwirrt und das Träumen von Sommer, Sonne, Strand und Meer ergriff unsere Phantasie, bis uns traditionelle Irische Stücke wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen holten. Diese Stücke ließen sich prima mit dem Herbst und Winter, mit ihren kalten, rauen, nebligen und dunklen Tagen in Verbindung bringen.

Die Zeit schien wärend dessen davon zu fliegen! Ruck Zuck war eine Stunde vorüber, als die Pastorin der Kirche wieder einmal das Wort ergriff und recht blumig, aber sehr passend das Gehörte in Worte fasste, bevor das letzte geplante Stück des Abends gespielt wurde, welches mit einem sehr langen tosenden Applaus der ca. 100 Zuschauer quittiert wurde.

Durch diesen Schwall an Sympathien ließen Ralf und Jens es sich nicht nehmen noch ein paar Zugaben zu spielen. Leider fanden auch diese als bald ihr Ende und wir mussten uns nach kurzem Plausch mit den beiden Musikern auch auf den Rückweg machen.

Bericht und Bilder: Jörn Brumm

Share Button

Kommentar verfassen