Schwerin, Schwerin

Das letzte Mal hatten wir diese Kombination in Leipzig erlebt. Zwei Tage mit Kultur und Freunden. Der Club der toten Dichter zugegen in Schwerin und am nächsten Tag luden Norbert Leisegang und Malerin Martha ein zur Vorstellung ihres Löwen-Buches.

Reinhard Repke und sein Club hatten zum Konzert einen Saal des Kinos Capitol zu Schwerin okkupiert und dort aus der sonst mit Leinwand verhängten Bühne eine Konzertbühne gezaubert. Vor dieser in unseren Kinosesseln Platz genommen, warteten wir wieder einmal gespannt auf den Beginn des Konzerts.

Dieser kündigte sich in alter Tradition mit dem uns bekannten Geräusch an – „bing, bing – bing, bing“ – und in noch lila gedämpftem Lichte traten die Musiker auf die Bühne an ihre Instrumente und spielten sich in folgenden zwei Stunden durch ihr Repertoire aus vertonten Gedichten und Geschichten Wilhelm Buschs. In der Pause schon verriet Norbert Leisegang uns Neugierigen bei einer Kostprobe der Helene Neuigkeiten aus dem Hause Keimzeit und versprach ein kleines Interview am nächsten Tag nach der Vorstellung des Löwen zu geben.

Nach einer kurzen Nacht und einem stärkenden Frühstück machten wir uns also Sonntagmorgen zu um 11:00 Uhr auf in den Speicher, wo die Buchvorstellung stattfinden sollte. In den ersten Reihen hatten schon die Kleinsten mit ihren Eltern Platz genommen. Für sie im eigentlichen Sinne ist ja das Gutenachtlied des Löwen gedacht.

Wir nahmen in der letzten Reihe Platz und warteten gespannt auf den Beginn, vor allem aber waren wir neugierig auf den Umgang der Künstler mit den Kindern. Diese schienen hellwach. Chic zurecht gemacht in Kleidchen und Jeans, mit lustigen Zöpfen lugten sie durch ihre großen Kulleraugen dem Geschehen, als Malerin Martha, Verlegerin Ute Fritsch, Sänger Norbert Leisegang sowie Geigerin Gabriele Kienast auf die Bühne traten und  beide letzt genannten gleich zu Beginn den Löwen musikalisch anstimmten.

War noch auf der Buchmesse in Leipzig Bläser Frank Braun dabei, vertrat ihn nun die Geigerin Gabriele. Wunderschöne Klänge konnte sie ihrem Instrument entlocken und lud somit sofort zum schwärmen ein. Nach einem freudigen Applaus begrüßte Ute Fritsch das Publikum und in einer kleinen Runde erzählten die vier von der Entstehung des Löwen. Vor allem Norbert Leisegang zeichnet sich dafür verantwortlich, hat er ihn doch durch Musik und Text erst lebendig gemacht und dies schon vor knapp 20 Jahren, inspiriert vom englischen Titel „The Lion sleeps tonight“.

Malerin Martha, mit bürgerlichem Namen Irene Leps, die schon diverse Kinderbüchlein schrieb und illustrierte nahm sich dann des Löwen an, ihm und all den anderen Figuren des Liedes Gestalt zu schenken. Dies tat sie auf ganz eigene Weise in gekonnter Strichführung. Ihr künstlerisches Talent zeigte sie auch gleich an einer Tafel aus Packpapier, als sie den Löwen noch mal in Menschengröße zeichnete.

„Was meint ihr? Jetzt zur Weihnachtszeit, wie sollte der Löwe da aussehen?“, richtete sie ihre Frage an die Kinder. Diese überlegten nicht lange, klar war es sofort, der Löwe sollte eine Weihnachtsmannmütze und einen Sack voller Geschenke bekommen.

Nach dem zeichnerischen Teil war nun wieder die Musik an der Reihe. Norbert und Gabriele spielten Melodien vor und die Kinder sollten erraten, für welche Figur aus dem Buch diese Melodie gedacht sein könnte. Norbert fand es dabei angebracht, die Kleinen dazu an seine Seite zu holen! „Jetzt kommt alle auf die Bühne!“, gesagt, getan.

Nur vereinzelt gab es ein paar übervorsichtige Kinder, die diesem Ruf nicht folgten und lieber aus sicherem Abstand den weiteren Gang der Dinge beobachteten. So auch ein junger Mann in der Bankreihe vor uns, der sich auf dem Schoß der Mutter sitzend an sie klammerte. Ich streichelte ihm über die Wange und munterte ihn auf, auch auf die Bühne zu gehen, er dürfe vielleicht sogar den Löwen spielen. „Den Löwen hat er heute morgen schon gespielt!“, verriet die Mutter mit einem Augenzwinkern. Wir konnten ihn verstehen, man kann ja schließlich nicht immer einen guten Tag erwischen.

Inzwischen hatten die Kleinen die Bühne gestürmt und waren den Erwachsenen dort oben definitiv überlegen. Ein putziges Bild war unser Sänger mitten in dieser Kinderschar. „Und, alles knorke?“, fragte er kokett. „Los geht’s!“, so stimmte Norbert die erste zu erratende Melodie an.

Die Mädchen und Jungen auf und vor der Bühne schlugen sich fabelhaft. Alle Tonfolgen waren sofort erkannt, wir hingegen taten uns da schwerer und waren erstaunt, was die Kleinsten doch für ein gutes Gehör und Gespür bewiesen. Für jede richtig erkannte Melodie bekamen die Kinder eine gebastelte Figur aus dem Buch, die sie für den Moment sein sollten. Neben Musikern und Kindern standen nun auch das Nashorn und der Löwe auf der Bühne. Die Schlange hatte sich zusammen mit einem Mädchen eingerollt und die Käfer und Mäuse krabbelten förmlich durch den Speicher.

Nach diesem Ratespiel wurden die Schauspieler in den Kindern geweckt. Nochmals stimmten Norbert und Gabriele den Löwen an und jedes Tier, so es besungen wurde, sollte sich auf der Bühne schlafen legen. Dafür breitete Ute Decken aus und so hielt es auch nicht Norbert auf den Beinen. Mit einem Lachen von ihm und aus dem Publikum legte er sich zwischen die Sprösslinge und war dank seines jungenhaft schelmischen Blickes kaum noch von ihnen zu unterscheiden.

Einen großen Applaus spendete das Publikum, der vor allem ging an die Kleinen, die fröhlich die Bühne hinunter hüpften. Abschließend spielten Gabriele und Norbert noch ein paar kindlich behauchte Keimzeit-Lieder. Nicht lange dauerte es, die Kinder ihre Köpfe an die Schultern der Eltern gelehnt, da sie müde vom Gutenachtlied zwischen „Mama, sag mir warum“, „Trauriges Kind“ und „Kling Klang“ ehrlich in ihren Mittagschlaf fielen.

Mit der Zugabe „So“ entließen uns die Musiker in den gerade angebrochenen Tag. Das Kinderbüchlein lag zum Verkauf bereit, die Künstler warteten es zu signieren und die Kinder, wieder wach, tobten ausgelassen durch den Speicher.

Anschließend sollten wir noch das versprochene Interview mit Norbert zu Neuigkeiten und Entwicklungen bei Keimzeit bekommen. Davon soll in einem separaten Beitrag berichtet sein. Also bleibt gespannt und freut euch auf dieses vorweihnachtliche Geschenk.

Lasst euch noch gesagt sein, die nächste Buchvorstellung des Löwen findet gleich im neuen Jahr statt in der Anderen Buchhandlung, Wismarsche Str. 6/7 18057 Rostock (Tel. 0381-492050). Wie ihr last, es lohnt sich also am 31. Januar, 15:00 Uhr dort zu sein.

Bericht: Dominik

Fotos: René

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