„Familientreffen“ auf der Burg. – Deutschland trifft sich in Belzig

Schon seit dem tiefsten Winter waren die Hotelzimmer reserviert und wir freuten uns nun auf ein Wiedersehen mit vielen unserer Freunde, welche wir sonst kaum einmal im Jahr auf einen einzigen Schlag zusammenbekommen würden.

René und ich hatten uns schon tags zuvor an anderem Orte getroffen, um unsere Vorfreude mit einer anderen unserer musikalischen Passionen zu krönen und sozusagen „vorzuglühen“. Ein wenig Livemusik mit der „Blues-Caravan“, eine Nacht im Auto und ein frühstückliches Grillpicknick bei einem Mix zwischen Sonne und Regen, aufgeweichtem Toast, nassen Klamotten und entfliehen wollenden Regenschirmen hinter uns gebracht, flogen wir über die in Gewitterwolken gehüllte Autobahn unserem Ziel, dem Städtchen Belzig und der Burg Eisenhardt entgegen.

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Auf dem Burgparkplatz, wie zu erwarten keinen Platz mehr ergattert, hieß es Taschen schleppen um unser Burgzimmerchen mit den notwendigsten persönlichen Gebrauchsgegenständen auszustatten.
Der Wunsch nach einer erfrischenden Dusche (drängt sich nach ca. 24 h wilden Campens ohne fließend Wasser förmlich auf) beflügelte unsere Schritte.
Nachdem unsere Körper wieder menschenähnliche Gestalt angenommen hatten, ging es an die Planung des nun Folgenden.

Käffchen?… Käffchen! Auf dem Weg zum Hotelrestaurant trafen wir auch schon auf die ersten bekannten Gesichter. Freudiges Hallo unserer Magdeburger Freunde und die gemeinsame Runde war eröffnet.

Ein banger Blick über die Kaffeetafel hinüber zum Fenster verhieß nichts Gutes. Dort baute sich zum wiederholten Male eine dicke graue Wolkenwand auf. Auch Norbert, welcher uns gegenüber saß, ließ sich dieses Mal zu keiner Wetterprognose hinreißen. Ob das ein schlechtes Omen war?…

Bis zum Beginn des Konzertes waren ja noch einige Stunden Zeit und die Hoffnung auf Dirks „kachelmannsche“ Fähigkeiten ließ uns hoffen.

Wir begaben uns auf einen kleinen Spaziergang durch das Burggelände, als die Sonne schon wieder ihre Strahlen durch das Wolkendach blitzen ließ. Da!!! Wieder Freunde gesichtet. „Hamburg“ war inzwischen auch eingetroffen und wir begrüßten Dominik und Torsten aufs Herzlichste. Wenig später sollte auch noch Thomas herbeischneien. Natürlich mit seinem wohl inzwischen ständigen Begleiter, dem Volleyball…

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Kleiner Zwischenhalt an einem Biertisch, ein paar kurze Plaudereien … schon überkam die Sportsleute unter uns ein dringendes Verlangen und man zog sich in Richtung Wiese zurück. Etwas Abseits des allgemeinen Trubels wurde das zweite Match des diesjährigen Keimzeit-Efeld- Wanderpokals im Volleyball ausgetragen. Einige Zeit verfolgten wir „Unsportlichen“ dieses Geschehen nicht ganz ohne Sorge um den Trompeter Frank, welcher sich derart ins Zeug legte, dass wir befürchteten, er würde im Anschluss keinen einzigen Ton seinem Instrument mehr entlocken können. –Eine völlig unbegründete Befürchtung, wie sich zu späterer Zeit noch herausstellen sollte.

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Da, vom Berg aus laute Hallo-Rufe. Nun war auch „Nordhausen“ eingetroffen und Angela und Sven jubelten uns zu. Wir ließen die Sportsleute unter sich und begaben uns mit den Beiden wieder zum Burgplatz, wo inzwischen auch Jörn nebst Freundin eingetroffen waren. Also Frankfurt a.M. war nun auch vor Ort.

Der Platz war inzwischen schon gut gefüllt und am Stand mit den begehrten Kaltgetränken entstand eine meterlange Schlange durstiger Seelen. Hatten Diese vor ausgetrockneter Kehle nicht wahrgenommen, dass es nicht nur diesen einen Getränkestand gab, an welchem sie sich geduldig wartend einreihten, war es für uns das wahre Glück, da wir so in kürzester Zeit an unsere Getränke kamen.

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Auf der anderen Seite des Platzes, gleich neben dem Burgturm wurde inzwischen der Kaufmannsnachwuchs im Beraten und Anpreisen von Bandsouvenirs angelernt.

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Die ersten Klänge weckten unsere Aufmerksamkeit und wir begaben uns langsam in Richtung Bühne. Die Band „Kahler“ hatte inzwischen Aufstellung genommen und der, noch ein wenig zurückhaltend wirkende Sänger stellte seine Mannen und deren Können nun vor.

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Hatte er anfangs noch gegen diverse Begrüßungszeremonien des Publikums unter sich und dahinplätschernden Smalltalk anzukämpfen, so wurde die Aufmerksamkeit der Leute doch recht schnell geweckt und man trat langsam näher. Roland, welcher heute an allen Drums der Welt zu Hause war, erledigte seinen „Nebenjob“ in dieser Band bravourös und die Leute, welche immer noch Keimzeit entgegenfieberten, spendeten auch hier bereitwillig Applaus.

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Dann endlich war es soweit. Zumindest dachten das die auf Keimzeit wartenden Fans. Peter Lomb, welcher die Anmoderation der Band übernahm, ließ sich sichtlich Zeit und heizte das ungeduldig wartende Publikum mit kleinen Anekdoten und vor allem der Frage an, wer wohl am heutigen Tage die weiteste Reise hinter sich gebracht haben mag. Eine junge Dame, welche aus der Hansestadt Schwerin stammte, machte dann schlussendlich das Rennen. Wohl weil sich einige Leute lieber in wissendes Schweigen und Anonymität, ihre Herkunft betreffend, hüllten.

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Dann aber endlich war es so weit und Norbert sprach die uns inzwischen schon vertraute Formel: „Sehr geehrte Damen und Herren, teure Freunde…“ und ein seit zwei Jahren sehnsüchtig erwartetes Schauspiel nahm seinen Lauf.

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Viel Neues wurde geboten, alt Vertrautes neu arrangiert, ein musikalisches Kind aus der Taufe gehoben, ein Geburtstagskind gefeiert, ein alter Freund und Weggenosse begrüßt und herzlich im musikalischen Kreis aufgenommen und schlussendlich das immer noch jubelnde über 1000-köpfige Publikum mit dem Löwen zur nächtlichen Ruhe gebeten.

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Diese sollte allerdings noch auf sich warten lassen, da in den Kunsträumen der Burg noch als „Absacker“ ein wenig Live-Blues von Peter Schmidt angesagt war. Mit Blues sollte für uns der musikalische Teil dieses Wochenendes begonnen haben und sich somit der Kreis schließen. Leider ließen die etwas sterilen Räume keine rechte Stimmung aufkommen, so dass wir uns bald entschlossen, auf unser Zimmer zu gehen und uns in die Arme Morpheus zu begeben.

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Nach einem langen und ausgiebigen Frühstück mit unseren Hamburger Freunden, bei dem wir den letzten Abend noch einmal Revue passieren ließen, hieß es nun endgültig Abschied nehmen. Abschied von unseren Freunden, einer historischen und keimzeitlich traditionsgeladenen Stätte, einem unwiederbringlichen musikalischen Erlebnis und der Stadt der alljährlichen Wiederkehr.

Jeder ging nun wieder seine eigenen Wege. Die einen fuhren nach Hause, andere besuchten noch Familie oder genossen ihren Urlaub und wir (René und ich) gaben uns noch ein klein wenig der dem Verfall geweihten Romantik der Beelitzer Heilstätten hin. Wir nährten unseren Entdeckerdrang, gaben uns der Bewunderung der damaligen Baumeister und ihrer Werke hin und beobachteten die heutige „Nutzung“ dieser Gemäuer für fotokünstlerische Zwecke der verschiedensten Art. Unverständnis tat sich nur in einer Hinsicht auf: „was treibt Menschen nur dazu, mutwillig ihrem Zerstörerdrang nachzugehen, wo Geschichte und Kunsthistorie eigentlich nach Erhalt und Bewahrung schreien?“

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Angefüllt mit hunderten von Eindrücken und Erinnerungen, im Herzen warm, durch das Wissen um Freundschaft und Beständigkeit, verabschiedeten wir uns am heran brechenden Abend und traten den Heimweg an. Jeder für sich, aber doch gemeinsam.

Diesmal von mir ein: „Danke Keimzeit, für dieses alljährliche „Familientreffen“, Danke liebe Freunde, für die fortwährende Freundschaft und Danke Wettergott, für die wärmenden Sonnenstrahlen, wie so oft, genau im richtigen Augenblick.“

Bericht: Birgit

Fotos: René

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