HALLELUjA!

„above us only – moon“, mindestens ebenso leuchtend wie die Herzen…

Nordhausen, Ende August: KEIMZEIT kündigt sich an. Zwischen all den immer gleichen Wahlplakaten endlich verheißungsvoll (und was für eine Alternative!) jene Gesichter, die mir bei jedem Vorbeifahren ein Lächeln in meines zaubern.
Darüber ist zu lesen „brannte nicht unser Herz“. Und ich erinnere die Konzerte und denke – JA, jedes Mal!

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Hier nun war dieses Zitat Thema des Kreiskirchentages, der mit KEIMZEIT ausklingen sollte. Beginnend jedoch und einen Kontrast bietend lud man am Abend zuvor in die Blasii-Kirche zu einem beeindruckenden Oratorium.

Einmal mehr zeigt sich welch zusammenführende Wirkung KEIMZEIT hat, wir erwarteten lieben Besuch für das Wochenende. Birgit war schon am Nachmittag bei uns eingetroffen, René wollte gleich zur Kirche kommen. So waren wir recht pünktlich auf unserem Weg nach EMMAUS, hatten gute Plätze und noch Zeit für innerliche Einstimmung und Zurückerinnern der Geschichte aus dem Lukas-Evangelium, die ich doch kurz umreißen will: Nach dem Tod Jesu sind zwei seiner Freunde – sehr zeitgemäß ein Mann und eine Frau, die mir besonders gut gefällt – tieftraurig, ratlos und entmutigt auf dem Heimweg nach Emmaus, sie rekapitulieren diese hoffnungsvolle Zeit, die so tragisch endet. Ein Fremder geht ein Stück mit und eröffnet ihnen einen neuen Blickwinkel, bringt die Hoffnung wieder ins Spiel und Zuversicht und voll Freude erkennen die Beiden beim Brotbrechen Jesus in ihm.

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Alles das umgesetzt in heute verständliche Sprache und weitgefasste musikalische Vielfalt, wurde uns dargeboten von unzähligen großartigen Sängern und Musikern, unter ihnen Rudi Feuerbach, Hartmut Leisegang und zu unserer großen Freude gab es ein Wiedersehen, vor allem ein wunderbares Wiederhören mit Ralf Benschu, unter der Leitung des nun Gothaer Kirchenmusikdirektors Jens Goldhardt.

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Bewegende klassische Oratorienklänge, Vertrautes aus der Passionszeit, das seinen Schmerz mitbrachte, lebhafte Klezmermusik, dazwischen eingängige fast rockige Klänge… ließen Bilder und Gefühle lebendig werden und berührten tief.
Die Macht der Musik war deutlich spürbar, ja, die Seele reagiert! Heftig.Enthusiastischer Beifall, stehende Ovationen, Zugabe, sichtlich ergriffen dankte Superintendent Michael Bornschein für dieses eindrucksvolle Erlebnis und entließ uns in die Nacht.

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Sehr angenehm klang unser Abend aus in einem gemütlichen ‚Pub‘, den Jana und Matthias gefunden hatten.

Weitere Eindrücke zu sammeln, kam der Samstag, für den man uns KEIMZEIT als Highlight versprach. Wohlwissend, dass das stimmt machten wir uns auf, den schon recht herbstlichen Nachmittag mit mehr oder weniger aktiver Erholung zu füllen.

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Der Kirchentag hielt ein facettenreiches Programm bereit, Kindermusical und Bibelolympiade, diverse Musik, Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen, Markt der Möglichkeiten… abschließend der Gottesdienst mit der neuen Landesbischöfin.

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Als wir vom Petriturm herunter kamen, bemerkte meine Tochter „Mama, ich hab den Norbert Leisegang da gerade leise gehen gesehen“ und ich gebe zu, ich hatte auch Freude daran, dass sie so kleine Wortspiele benutzt (ich hoffe, das ist okay).

Nach der Umbaupause lauschten wir schon mal dem Sound-check, der einem kleinen Privatkonzert gleichkam. So kamen unsere beiden Kleineren zu einem Keimzeit-Live-Erlebnis bevor sie zu den Großeltern durften (somit war auch dem allzu frühen Wecken durch Wühlen in der Lego-Kiste am nächsten Morgen vorgebeugt).

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Schnell verging die Zeit bis das Konzert endlich begann. Birgit übernahm hinten das Merchandising, René war überall und ich ließ mich vom Publikum schlucken.
KEIMZEIT in meiner Stadt! Ich bin nicht sicher, ob und wann ich das während des Konzertes überhaupt realisiert hab. Wenn KEIMZEIT aufspielt, dann ist alles KEIMZEIT – der Ort, die Zeit, selbst die Gedanken. Das ist schon wie so ein Zauber. Der bleibt und der Ort wird nicht mehr derselbe sein… ZauberBerg.

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Jetzt also tauchte der Petersberg in keimzeitliche FARBEN. In der TA werde ich später lesen vom „spektakulären“ Auftritt mit neuen Stücken und „Evergreens“(!), das mag ja irgendwie richtig sein, klingt aber trotzdem nach altem Schlager. Was uns hier dargeboten wurde war jedoch eine mitreißende Auslese, ein Feuerwerk aus all dem, was in den vergangenen Jahren aus Beobachtungen und Erkenntnissen, aus Wahrheit, Zweifel und Schmerz, aus Wunsch und aus Liebe zu Liedern wurde.

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Mal entführte uns KEIMZEIT kraftvoll und unerbittlich zum „Brighton Beach“ auf GETRENNTEN WEGEN oder SO ganz leise aber unausweichlich dorthin, wo die „Wünsche wohnen“, dem Himmel ganz nah entlang der TOKIO SKYLINE und natürlich über SINGAPUR, wo all die hübschen Seifenblasen, die so passend zu dem immer schöner klingenden IMAGINE auftauchten mit den „Träumen und fernen Gedanken“ zerplatzten. Übrig blieb eine Hand voll BUNTER SCHERBEN, die aber dank des fantastischen Zusammenspiels mit den immer gut gelaunten Bläsern in sommerlicher Frische glänzten.

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Eines noch, weil das alte SCHWEIN ja noch so in einem drinsteckt, dass man oft denkt ‚jetzt aber – Bewegung!‘, hat es einen besonderen Reiz, dass es die Musiker betont entspannt werden und vergehen lassen.
Zum Glück waren hier solche schlimmen Folgen von Trägheit nicht zu befürchten.

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Von Anfang an war es KEIMZEIT gelungen, die sonst eher zurückhaltenden Nordhäuser zu bewegen, zu begeistern. Es schien, als lägen die Herzen offen.
Auch hier hungern die Menschen nach guter Musik. Belohnt wurde das mit einer allerletzten Zugabe – NATHALIE!

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Über all dem thronte ein zauberhaft leuchtender Vollmond. Er hatte keinen Grund zum Weinen, außer vielleicht der Vergänglichkeit wegen.

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„Vergesst uns nicht“ hörte ich Norbert sagen. Keine Sorge, solch ein Geschenk bleibt unvergesslich. Und die Gedanken treiben ja weiter, Grenzen verschwimmen und die „Stimme in des Herzens Tiefe“ ruht niemals.
Ganz herzlichen Dank, KEIMZEIT. Ich hoffe, Ihr konntet Euch hier wohlfühlen.

Ausklang

Gegen das Vergessen und dankbar jetzt zu leben, entschieden wir uns am Sonntag für eine Besichtigung der KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die auf bedrückende Weise eine zum Himmel schreiende Unmenschlichkeit der Menschen dokumentiert.

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Am Abend verließ uns René, Birgit schenkte mir noch einen ihrer Urlaubstage und es war einer der letzten richtig schönen Sommertage.
Ein sehr wohltuendes Wochenende mit zwei so unterschiedlich genialen Musikereignissen, viel Zeit für Gespräche, Wein und mal wieder Platten hören ist nun Erinnerung. Danke allen, die dazugehören.

Bericht: Angela

Fotos: René

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