Keimzeit in Erfurt 09, Erinnerungen und die „geschenkte“ Stunde

Herbstlich zeigt sich das thüringer Land. Ein, schon empfindlich kühler Wind weht uns auf dem Weg nach Erfurt entgegen. Die Sommerzeit dieses Jahres ist unwiederbringlich vorbei und Geschichte, bemerken wir spätestens, als wir das Auto verlassen und durch den eindeutig herbstlichen Abend dem Gewerkschaftshaus entgegen gehen.

Spät sind wir vor Ort, reichlich spät. Zu spät, den Beginn des Konzertes zu erleben?

 

Nein, das Glück ist uns hold und es bleibt sogar noch ein Augenblick, Freunde zu begrüßen und am „Merch.“ die neue Kollektion Fanartikel zu bestaunen. Dann sollte es aber auch schon losgehen. Just, als hätte die Band nur auf unser Erscheinen gewartet (natürlich reiner Zufall), die Begrüßung Norberts in gewohnter Manier. Wir begeben uns schleunigst in die vorderen Reihen, wo wir auf unsere Magdeburger Freunde treffen, diese freudig begrüßen und dann unseren „Helden des Abends“ zujubeln.

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Immer wieder ein Genuss, diese Musik live zu erleben, den Musikern bei ihrem leidenschaftlichen Spiel zuzusehen, mitzusingen und Erinnerungen aufleben zu lassen. Jedes Lied, dass ich höre hat für mich eine eigene Geschichte, Anekdoten der letzten Jahre. Flüchtige Momente, welche sich in mein Herz, mein „Ich“ tief eingruben, mich zurückdenken lassen und vorausblicken… und hoffen auf das, was noch kommen mag.

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„Gold für einen Ring“ – lang nicht mehr gehört und erfreut über die Wiederkehr „Mach ihm Mut, weil man ihm schwer auf seine Füße tritt. Gib ihm Kraft und sag: Los spring! …“ Der Text…, er lässt Raum für Interpretation. Einen Moment hänge ich meinen Gedanken nach. Viel Zeit bleibt nicht, denn weiter geht´s, Lied auf Lied. Unzählige Male gehört und doch jedes Mal neu. „Tauch mich in Deine Farben“ scheint Norbert dem Herbstlaub entgegen zu singen. Und Maggie, die traurig ist „ wenn wir auseinandergehn“ erinnert mich ein wenig schmerzlich an die unzähligen Abschiede, aber auch an die Wiederkehr.

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Ja, auffallend viel „Kapitel elf“ dieses Mal., aber auch „Nathalie“ darf nicht fehlen und wird vom Publikum lautstark eingefordert.

Und Neues gibt es zu hören.

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Erinnerungen an einen traumhaften Spätsommer am Meer werden wach.

„ leuchte, leuchte, leuchte – Leuchtturm an der See…“

Ach, wie sehr wünsch ich mir die Tage des Urlaubs zurück! Befreites Durchatmen, jenseits von Alltagsstress, Sorgen und Last. Einfach die Seele baumeln lassen und der Liebe Raum geben… Wie durch einen Zauber, kommt das Gefühl bei diesem maritimen Song wieder zurück. Vor meinem inneren Auge sehe ich Möwen ziehen, mein inneres Ohr hört das Rauschen der Brandung und ich fühle den Sand zwischen den Zehen…

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Doch nun wieder aufgewacht! Das „Irrenhaus“ erinnert an den Wunsch, endlich die „schlauen ins Parlament“ zu beordern. Ein Verlangen, welches wohl bis heute streitbar bleibt.

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Ja, Keimzeit-Musik ist immer aktuell: wenn davon die Rede ist, dass „DU zum Schwein wirst“, kommt einem doch glatt die „Schweinegrippe-Panik“ in den Sinn.

Eine große Auswahl Songs des neuen Albums soll heut natürlich nicht fehlen und gräbt sich tiefer in mein Herz. Und Keimzeit-Songs bilden auch noch, wie ich erfahre. So hält beispielsweise das „Kind im Schlaf“ den einen oder anderen an, die Literatur von Virginia Woolf zu studieren.

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Vielleicht sogar auf den Wunsch einer lieben Freundin hin, bringt die Band auch „Das Urteil“ zu Gehör. (Schade Angela, dass Du diesmal nicht dabei sein konntest ).

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Später wird Wilhelm Busch´s „Maulwurf“ wieder von drei Käfern begraben und Schlussendlich bringt uns „Der Löwe“ dann sanft zu Bett.

Eine Besonderheit sollte diese Nacht uns allen noch bieten: wird uns doch heut eine ganze Stunde geschenkt. Nun gut, zugegeben, es ist nur die Rückgabe geborgter Zeit, aber für mich ein wunderbares Geschenk. Die Verlängerung dieses Wochenendes um eine ganze Stunde ist für mich ein kleines aber auch feines Glück.

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Meine Gedanken schweifen wieder umher, auf dem Weg zur Autobahn durch die herbstliche Nacht… Ich denke an das hohe Gefühl des, ach so zerbrechlichen Glücks, an die Gefahr der Vergänglichkeit und den unbändigen Wunsch es für alle Zeiten zu halten und zu hegen.

Möge die „Währung Liebe“ für alle Zeit eine „stabile Währung“ sein.

… Sowohl im keimzeitlichen Liedgut, als auch in den Herzen der Menschen.

 

Bericht: Birgit

 

Fotos: René

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