„Keimzeit“-Schiff im Ozeaneum

HAMBURG, KÜHLUNGSBORN, STRALSUND – Auf der „Stabile Währung Liebe“-Tournee, die im kommenden Monat nach Süd- und Westdeutschland führen wird, haben Keimzeit die Bühnen der Hafen- und Hansestädte geentert. Die Auftritte waren alles andere als gewöhnlich.

In typischem Schmuddelwetter empfing Hamburg am 7. Oktober unsere Band um Norbert Leisegang mit peitschendem Wind und Regen, grau in grau. Die Markthalle am Hauptbahnhof sollte uns und den über 300 Fans umso mehr Wärme und Wohlbehagen geben. Leidenschaftliche Textsicherheit und eine Zugabe nach der anderen wünschend ließen die Freunde aus den Home-Studios um Ex-Produzent Franz Plasa und Grafiker Walter Welke es sich nicht nehmen, die Band, welche sie so oft unterstützt hatten, zu erleben.

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Auch Hendrick „Otten“ Ostrau ließ sich blicken und verkündete bei „Singapur“ mit vor Stolz heraus gestreckter Brust, dass er der Mann hinterm Mischpult für diese Version war. Vor und nach dem Konzert gab es im Backstage-Bereich noch die ein oder andere Jam-Session, die Torsten fotografieren durfte.

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Knapp eine Woche später steuerte die Besatzung aus Lütte den Kühlungsborner Yachthafen an, wo es neben viel Meer zum Genießen der Dolce Vita das bekannte Domizil „Vielmeer“ gibt. Dort gab es an der Abendkasse keine Karten mehr zu erstehen, was nicht nur dem Veranstalter Peter Weide ein strahlendes Lächeln zauberte. Dem dankbaren Publikum gehörte ganz zum Schluss noch ein Wunsch und so hatte die altbekannte und oft schmerzlich vermisste russische Madame Natalie die Ehre ihre Tanzeslust bei Wodka oder russischer Schokolade auf der Bühne zu leben.

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Zwei Tage später im Ozeaneum zu Stralsund gingen die Musiker zurück in den Ozean, gesellten sich zu den Walen, bliesen eine Fontäne in den Wind und begannen dieses stimmig mit dem Titel „Gold für einen Ring“ vom „Kapitel 11“ Album. Das Sextett aus dem Fläming sollte die erste Band sein, die in der großen Ausstellungshalle ein Konzert geben wird.

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Logistisch eine große Herausforderung. Wenig Zeit blieb zum Aufbau, da bis 19 Uhr noch die Besucher des zuletzt aufwändig modernisierten Meereskundemuseums unterwegs waren, alles zu besichtigen. Vorher war also noch genügend Freiraum ein kleines Volleyball-Match zu starten, allerdings blieben für Bühnen- und Technikaufbau sowie Soundcheck gerade mal zwei Stunden Zeit. Die Crew hatte aber alles im Griff, sodass der Einlass pünktlich beginnen konnte.

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Einmal mehr war die Veranstaltung im Vorfeld ausverkauft. Peter Richter und ich meldeten uns freiwillig, das Merchandising zu machen. Es ist immer besonders spannend den Menschen in ihre leuchtenden Augen zu schauen, ihnen zuzusehen für welchen Fanartikel sie sich bei der Auswahl entscheiden und wie sie ihn selig an sich nehmen. Es fällt schwer, die Emotionen der Kulisse in der Ausstellungshalle, in der das Konzert stattfinden sollte, zu beschreiben.

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Ein berauschendes und einmaliges Bild bot sich allen Anwesenden. Unglaublich winzig kam man sich vor, gegenüber den Riesen der Meere, die eins zu eins in Lebensgröße von der Decke des Ozeaneums hingen. Die Lichttechniker tauchten den Saal in tiefes Blau und Korallengrün. Keimzeit ließen mit ihren heulenden Gitarren und dumpfen Bässen die Brandung gegen die Hallenwände schlagen. Neben den vielen Walen rückte vor allem ein Orca in den Mittelpunkt des Geschehens. Beinahe Kopf an Kopf gab die Band ihr Konzert. Spatzi am Klavier hatte den riesigen Delfin zum Greifen nah.

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Der Höhepunkt bei diesem Konzert war für mich diesmal „Singapur“. So gefühlvoll hatte ich es lange nicht gehört. Ich stand für mich allein, die Augen geschlossen und hörte Spatzis Klavierspiel zu, dazu Norberts heisere Stimme entließ wahrlich das Bild von Männern, die seit Monaten auf hoher See gegen die Naturgewalten ankämpften und freudig den Blick gen Heimat gerichtet hatten. In der letzten Strophe bevor das Schlagzeug einsetzt erhebt Norbert noch mal die Stimme, fast ächzend, wird lauter als er singt: „All unsere Träume und fernen Gedanken, fallen in der Nacht mit dem Regen auf hölzerne Planken. FALLEN IN DER NACHT MIT DEM REGEN AUF HÖLZERNE PLANKEN!“, und Roland verleiht diesen letzten Worten ungeheuren Nachdruck und verursacht eine Gänsehaut, die von den Fußsohlen aufsteigt als er kräftig in sein Schlagzeug haut. Rudi lässt dazu seine E-Gitarre kreischen und alle zusammen steuern den Hafen, die letzte Zugabe an.

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Mit dem Löwen verabschieden sich Keimzeit wie gewohnt herzlich von den Fans, von den Walen, vom Ozeaneum und vom Meer. Es galt noch Autogramme zu geben, den Fans auf Fragen Antwort zu stehen und all die Glückwünschenden Worte dankend anzunehmen.

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Dank an Keimzeit, Music-Spezial (Peter Zillmann), Dirk Tscherner, den Veranstaltern und allen Freunden.

Eure E-Feld-Crew

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