Musikalische Sommernächte im Sachsenland

Crimmitschau, 14.08.09 20:30, Marktplatz

Im Takte der Musik bewegen sich Menschenmassen vor der großen Bühne unter einem, fast den gesamten Platz überspannenden Festzelt. Die Zugabe der Band Electra ist in vollem Gange. Leider höre ich nur noch die letzten Klänge, erhasche durch die Menschenmenge hindurch sehend die letzten Blicke auf den Sänger der Band.
Einer arbeitsmäßig durchwachten Nacht mit ihren Folgen und dem langen Weg hierher geschuldet, treffe ich etwas spät am Ort des Geschehens ein. Nicht zu spät, unserer Wochenendplanung zu folgen, aber gern hätte ich schon den Liedern dieser Band noch gelauscht, welche mir aus frühen Jugendjahren eigentlich ein Begriff sein sollte, ich mich jedoch nicht mehr zu erinnern vermochte, welche Songs jener Formation mir von damals noch geläufig wären.

René ergeht es ähnlich, er kommt kurz nach mir auf dem Festplatz an. Auch wenn sein Weg dieses Mal etwas kürzer gewesen war, so hielt ihn seine Arbeit von der pünktlichen Abfahrt zurück.
Nun, nicht weiter tragisch, es ist ja noch gerade rechtzeitig. Die Band, welcher wir heute unser Augenmerk schenken wollten, beginnt gerade erst mit dem Aufbau ihres Equipments.

Auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel, Keimzeit in Plauen, hatten wir uns zuvor entschlossen, noch einmal bei Silly vorbei zu schauen, welche seit nunmehr drei Jahren zusammen mit Anna Loos durchs Land touren.

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Einige Zeit zuvor hatte ich schon einmal die Gelegenheit, diese Band in der jetzigen Besetzung zu sehen und war sogleich begeistert.
Wer kannte sie nicht, Songs wie „Mont Klamott“ oder „Bataillon d Amour“, seiner Zeit von der unvergessenen Tamara Danz vorgetragen.

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Mit Anna Loos hat die Band nun wirklich das „große Lo(o)s“ gezogen. (… das Wortspiel sei mir erlaubt.) Sie ist nicht nur eine Augenweide, welche die Männerherzen höher schlagen lässt und auch kein simpler Ersatz für Tamara. Nein! Sie ist eine wahrliche Bereicherung für die Band und die Musikwelt, welche zwar im Sinne ihrer berühmten Vorgängerin, aber auch mit ganz persönlicher stimmlicher Note und Ausdruck agiert und weder kopiert noch imitiert. Ich glaube, selbst eingefleischte Fans der „alten“ Silly werden über diese Konstellation genauso beglückt sein, wie die Band selbst.

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Begeistert reihe ich mich in die Riege der singenden und jubelnden Menschen vor der Bühne ein, während René seine Kamera klicken lässt, bis sie fast zu glühen beginnt. „alles wird besser, alles wird besser…“ klingt es aus hunderten Kehlen, Hände erheben sich und bewegen sich rhythmisch zur Musik. Anna feuert die Menge an und die Band rockt den Marktplatz.

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Dann der Abschied. Die Musiker verneigen sich vor dem Publikum. Aber, man kennt das ja… Zugabe-Rufe ermuntern zum erneuten Aufspiel. Anna singt ihr persönliches Lieblingslied „wo bist Du“. Es wird auch zu meinem Lieblingslied…

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Dann… wirklich Schluss. Die Menschenmenge strömt langsam auseinander. Noch einmal werden Getränkestände und Imbiss frequentiert, es wird geplaudert, getrunken und gelacht. Der Nachtwind frischt auf und lässt uns frösteln in unseren leichten Jacken. Diese Sommernacht ist doch ein wenig kühl und wir machen uns auf, einen ruhigen Schlafplatz zu suchen. Das erste Kapitel dieses Musikwochenendes ist nun Geschichte. Und es war schön. Ich weiß, Silly hab ich nicht zum letzten Mal gesehen.

Crimmitschau 15.08.09, 9:30, ruhige Seitenstraße

Die Sonne kitzelt uns wach, es wird unerträglich warm in unserem, zum Schlafgemach umfunktionierten Auto. Aufstehen, etwas Wasser ins Gesicht, frisches T-Shirt übergeworfen.
Frühstück wär jetzt fein. „… da war doch ein kleines Café am Marktplatz“ erinnere ich mich. Also dann, auf zum Markt und lecker Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein verzehrt, ein wenig der „Oma- und Opa-Bespielung und der Kinderbelustigung gelauscht. Dabei sogar was dazu gelernt. … Wusstet Ihr schon, dass Kakadus mehr als 100 Jahre alt werden? …

Dann weiter zum nächsten Ziel. Dies aber in „Eile mit Weile“, liegt schließlich noch fast ein ganzer Sommertag vor uns. So machen wir noch an zwei Talsperren Rast. Zuerst besuchen wir die Talsperre Pöhl, wundern uns dort über die großen Fischschwärme, welche von der Staumauer aus direkt unter uns im klaren Wasser stehen und wandern zum Fuß der Mauer hinab, in dem vagen Bewusstsein, auf der anderen Seite wieder aufsteigen zu müssen.

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Dann weiter nach Pirk. Dort wollen wir an einem kleinen, uns schon bekannten Gasthaus Rast machen, landen aber schlussendlich an nem Imbiss des Campingplatzes, da das Gasthaus leider wohl der Wirtschaftskrise zum Opfer gefallen war.
In unserem Quartier für diese Nacht, diesmal ganz in Familie, angekommen, noch schnell einem Jubilar zum 80. Geburtstag gratuliert, etwas frisch gemacht und auf geht’s zum eigentlichen Ziel des Abends ins Malzhaus nach Plauen.

Plauen, 20:00, Malzhaus

Wir kommen am Fuße des Berges an, welcher die heutige Spielstätte unserer „Jungs“ beherbergt. Auf der Parkplatzsuche treffen wir schon auf das erste Bandmitglied. Frank Braun sitzt einsam und allein auf einer Bank und gibt sich der Lektüre eines Buches hin. Ein Winken von beiden Seiten, wir parken unterhalb der Anhöhe, erobern das Terrain in steilem Anstieg und begrüßen Frank mit den Worten: “Hallo, heute kein Volleyball?“… „Nee, wir haben heute leider keinen Ball dabei“ die etwas verschmitzte Antwort. Nun, einen Ball hatten wir auch nicht…aber, die Hoffnung auf einen amüsanten Abend bei herrlichem Wetter unter freiem Himmel auf dem „Dach dieser Stadt“.

Wir treten durch das schmale Tor des ehemaligen Malz- und Brauhauses mit seiner wechselhaften Kulturgeschichte in den „Hinterhof“, einem ummauerten Platz mit herrlicher Aussicht über die Stadt.

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Freudige Begrüßung unter Freunden, ein paar nette Gespräche, dann formieren wir uns vor der Bühne. Der musikalische Teil des Abends beginnt. Während Norbert das Publikum begrüßt und die ersten Töne erklingen, durchfährt mich ein, zugegeben etwas neidvoller, Gedanke: Wie traumhaft muss es wohl für die Musiker sein, hier zu spielen. Hoch über den Köpfen des Publikums, hinabblickend auf die Stadt Plauen, die sich langsam in wohliges Rot hüllt um hernach im Dunkel der heranbrechenden Nacht zu versinken, dabei tausende von Lichtern herbeizaubernd, welche sich mit dem Licht der Sterne zu vereinigen scheinen. „Ich hatte vor, mit Dir aufs Dach zu zieh´n…“ hätte man erwarten können zu hören. Stattdessen die andalusisch angehauchten Klänge der neuen Scheibe. Nicht weniger bezaubernd und passend zur Atmosphäre dieses Abends.

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Die Band, gelöst wie selten, spielt mit einer scheinbaren Leichtigkeit auf, welche pure Lebensfreude vermittelt und der Funke springt augenblicklich über. Ich frage mich angesichts dieses Wechselspiels, wer heute wohl mehr Spaß an diesem Abend hat, das Publikum oder die Band.

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Da wird auf der Bühne gewitzelt, mit dem Publikum gescherzt. Der eine oder andere Wasserstrahl findet seinen Weg aus Mineralwasserflaschen auf die Köpfe der „blasenden Zunft“ oder ins Publikum, der Sänger fällt „ehrfurchtsvoll“ vor dem „Gebläse“ auf die Knie.

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Dieses Mal entpuppen sich die drei Blasmusiker nebenbei nicht nur zusätzlich als graziles Männerballett, sondern auch noch als Backroundchor, welcher die Stücke mit genial improvisiertem Gesang untermalt.

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Ja, die Jungs sind komplett aus dem Häuschen. Liegt das wohl an dem von Norbert erwähnten Match „Indoorvolleyball“ im Vorfeld des Konzertes? … Wie?, Was?… nun doch Volleyball??? J …, oder ist es die Höhenluft, die die Band einen Tick „höher fliegen“ lässt als sonst?. Oder liegt ihnen noch die Seeluft im Gemüt, welche sie zuvor auf dem Segeltörn und auf Hiddensee genießen konnten? Wer weiß es zu sagen…

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Es macht Spaß ihnen zuzusehen und mit zu feiern, bis sie dann nach gut zwei Stunden und ungewohnt vielen Zugaben doch die Bühne verlassen und sich unters Volk mischen, um Autogramme zu geben und den Fans Rede und Antwort zu stehen. Auch wir verweilen noch lange an diesem Ort, genießen die laue Sommernacht und nettes Beisammensein, bis wir Gefahr laufen, mit den Stühlen angekettet zu werden, was einer freundlichen aber auch konsequenten Verabschiedung der allerletzten Gäste gleich kommt.

Es war ein bezaubernder Abend. Eine jener Nächte, die mir wohl immer in Erinnerung bleiben werden und die nur schwer zu beschreiben sind.
Glücklich und müde machen wir uns auf den Weg ins Quartier.

In dieser Nacht sollte noch ein kleines Wunder geschehen. Ein kleiner neuer Mensch erblickte in Berlin das Licht der Welt.
Möge „Der Löwe“ ihn in seine Träume begleiten und ihn lehren, die Ängste des Lebens zu überwinden und sein Glück zu finden.

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Burgstein, 16.08.09, 14:00

Wir verabschieden uns von der Familie und treten die Heimreise an. Es ist noch viel Zeit und das Wetter lädt zum Verweilen ein. Wir wandern noch ein wenig durch Wiesen und Auen der schönen vogtländischen Gegend und machen noch einen Abstecher zu einem gigantischen Bauwerk des 19. Jahrhunderts, der Göltzschtalbrücke.
Wieder einmal ist Klettern angesagt, Fotos schießen und Aussicht genießen. Und Bewunderung zollen, den Baumeistern und deren Werken jener Zeit.

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Und dann wieder Abschied nehmen. Vom Vogtland, vom Sonnenschein, von einem erlebnisreichen Wochenende und von uns.
Bis bald! In Nordhausen… dann bei unseren Freunden und einem „Doppelevent“ der musikalischen Kontraste.

Bericht: Birgit

Fotos: René

Linktip: Silly-Fanclub

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