VON DER KUNST, KULTUR ZU BRAUEN

Birgit hatte mich Kleinstadtpflanze in ihre große Stadt eingeladen. Die Fahrkarte war ein Geburtstagsgeschenk meines Mannes, was ich verstand als ein „mach´s dir mal schön, wir schaffen das hier auch ohne dich“. Mit der leicht unangenehmen Erkenntnis, entbehrlich zu sein, aber auch sehr entspannt, fuhr ich also dem Berliner Winter entgegen. Und mit der Gewissheit, dort einen KEIMZEIT-Sommer-Wohlfühl-Abend zu erleben (ja, zweifellos schmeckt man auch die südspanische Sonne heraus!). Bis dahin war es jedoch sehr notwendig, sich auf andere Weise mit Wärme zu versorgen, wozu sich uns auf den vielen Weihnachtsstimmung erzwingen wollenden Märkten allerlei lustige Möglichkeiten boten. Unsere Vorfreude aber galt KEIMZEIT!

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Der Ort passt, bewegte Geschichte scheint das Kesselhaus erzählen zu können. Und alles im Vergleich zu dem gerade erlebten Gotha-Konzert riesig, verführerisch klingt mir noch Norberts dort leider gleich nach dem Aussprechen verworfene Idee im Ohr, einfach mal bis zum Frühstück zu spielen (in Ermangelung einer Rückzugsmöglichkeit hinter der Bühne musste die Zugabengestaltung überdacht werden). Hier also alles vielfach größer und vorhanden, unzählige aufnahmelustige Menschen füllten den Raum.

Herzlich und in froher, teilweise übermütiger Erwartung begrüßten sie ihre Lieblingsmusiker, die dem Abend mit wohl ebensolcher Freude entgegen sahen. Sie wirkten gelöst. Das Publikum auch, allzu vorlaute Zwischenrufer mussten charmant in ihre Grenzen gewiesen werden, was sie nicht wirklich aufhielt. Kleine Kabbeleien auf der Bühne amüsierten die Anwesenden, während sie sich in jene bild- und klangreiche Welt entführen ließen.

Rudi, der noch vor dem Konzert mit großer Müdigkeit kämpfte, hatte sich davon völlig befreit, er spielte sich in Rage und uns in eine Art elektromagnetische Trance.

Dafür, dass, wie Norbert verriet, der Pianist die Liebe für überbewertet hält (was lauten Widerspruch in mir weckt!), sah er doch äußerst motiviert aus, (nicht nur) als die Liebe Thema war. Es hat was, wenn er den Ausdruck ´sich reinknieen´ auf seine Weise wörtlich nimmt.

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Nicht weniger passioniert und in Hochform sorgten auch die Brüder an des Sängers rechter Seite für großartige Stimmung.
Als das Wohlgefühl so auf ein schon stattliches Maß angewachsen war, eroberten die Bläser die Bühne, um zu zeigen, dass da doch noch mehr geht. Man könnte meinen, es gäbe ein internes Ranking um Publikumsgunst. Sie gaben den ´galoppierenden Ideen´ Nachdruck oder erzeugten auf wundersame Weise Gänsehaut.

Ach und NATHALIE wirkte wieder sehr erfrischend auch dank Rudis Mandolinen-Gitarre und den keck-revolutionären Zwischentönen des ´kleinen Trompeters´…

So addiere ich diesen wunderbaren Abend mit lautem und leisem Glück und kleinen, bleibenden AugenBlicken, Begegnungen und bis in den Morgen währenden Gesprächen zu all dem anderen Schönen, womit ich mich über den Winter zu retten hoffe.

Danke.

Bericht: Angela

Fotos: Birgit

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