Dem Ruf gefolgt – Keimzeit in Annaberg-Buchholz

3,5 Jahre ist es nun schon wieder her, als ich das letzte mal Keimzeit in dem idyllischen Erzgebirgsstädtchen Annaberg-Bucholz erlebt habe.

Dem Ruf von Natur und Bergbau konnte ich mich auch dieses Jahr nicht entziehen, der Entschluss war schnell gefasst. Es geht nach Annaberg.

Die eintönige Autobahnfahrt brachte ich schnell hinter mich. Nun ging es wieder auf den mir so vermissten und geliebten Bergstraßen meinem Ziel entgegen. Kannte das Navi meine Vorlieben? Es suchte sich dieses Mal ganz besonders schmale und reizvoll geführte „Landstraßen“ aus. Immer wieder grüßten am Wegesrand Besucherbergwerke und führten mich in Versuchung. Aber ich musste weiter.

Indes tat sich am Außenthermometer merkwürdiges. Die Temperatur fiel immer weiter Richtung 0° C. War nicht schon längst Frühling? Hatte sich der Winter hier irgendwo verkrochen und war durch ein Schlupfloch noch einmal entwichen? Es schien fast so, denn die ersten mit einer weißen Haube mir entgegen kommenden Fahrzeuge sprachen eine eindeutige Sprache.

Die letzten Kilometer bis zum Ziel waren vertraut, dann der Ortseingang von Annaberg-Buchholz. Nur noch wenige Meter bis zur alten Brauerei. Noch einmal rechts von der Hauptstraße abbiegen, dann irgendwo links sollte der heutige Veranstaltungsort laut meiner Erinnerung sein. Das Eingangstor war erblickt, voll auf die Bremse, den Rückwärtsgang eingelegt. „ Sie haben ihr Ziel erreicht.“

Fast so als hätte man die Zeit zurück gedreht, war ich wieder im Jahre 2006? Ähnliche Abläufe. Die ersten Besucher vor dem Hause. Bis zum Einlass ist noch ein wenig Zeit, ich vertreibe mir die Zeit mit einem lieben Telefonat mit Birgit. Hartmut schaut kurz vorbei, sagt „Hallo“, auch übers Telefon ins ferne Berlin. Grüße gehen auch weniger weit in Richtung Robert und Rudi, die Herren gehen ihrer Sucht nach. Norbert huscht vorbei.

Mir wird langsam kalt, ich verabschiede mich von Birgit am Telefon und gehe Richtung Eingang. Kaum eingetreten macht sich wieder das wohlige Gefühl von Wärme breit. Zunächst nur rein temperaturmäßig, aber auch die menschliche lässt nicht lange auf sich warten.

Ich trat ein in den „Konzertsaal“, die Besucherschar hielt sich hier noch in Grenzen. Der Blick auf den hell erleuchteten Merch-stand war frei, gleich nebenan der Kleine von der heutigen Vorband.

Auf der Suche nach bekannten Gesichtern führte mich der Weg vorbei am Ton-und Lichtpult zur Lokalität des Hauses. Freundliche Grüße in Richtung eines Tisches erfolgten, mein Weg führte mich aber erst einmal zur Bar, der trockenen Kehle wegen.

Das gewohnte kühle Schwarze in der Hand begab ich mich zum Tisch einer illustren Runde. So als hätte man sich am Vorabend gar nicht verabschiedet folgte die freudige Begrüßung mit den Damen und Herren von Band, Technik und Merch-Stand. Wir vertrieben uns noch ein wenig die Zeit mit lustigen Gesprächen, einem Nachgeburtstagsstück Kuchen, original aus Annaberg, bis dann aus dem Nebenraum musikalische Klänge ertönten.

Nun aber flinke Füße, das Arbeitsgerät geschnappt und im Eiltempo Richtung Bühne. Hier sah „Mann“ erfreuliches. Eine junge hübsche Dame versuchte mit ihrer Band das Annaberger Publikum erst einmal auf Betriebstemperatur zu bringen. Die Kälte von Draußen steckte wohl noch in den Knochen, aber der Saal taute mehr und mehr auf.

Dainty stand auf der Bühne, wie man unschwer an dem auf großen Lettern geschriebenen Aufhänger sehen konnte.

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Eine junge Band, die aber immerhin schon auf eine 9-jährige Bandgeschichte zurückblicken kann. Die Frontfrau Lilli stieß 2002 zur Band. Zahlreiche Cd´s und Auszeichnungen später ist die sympathische Band im Jahre 2010 angekommen. Auch eine Amerikatour durch bekannte Clubs in Kalifornien liegt hinter ihnen.

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In Annaberg überzeugen sie. Selbst bezeichnen sie sich als „alternative Rockband“. Ja sie rocken, reißen das Publikum mit, nach der Auftauphase 😉 .

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Lilli möchte das Publikum bei einem Song zum Ausziehen bewegen, das klappt irgendwie nicht, hätte bestimmt ein schönes Bild ergeben.

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Ein stimmiges Vorprogramm an diesem Abend, das hat man nicht oft. Danke an Dainty. Ihren wohlverdienten Applaus bekamen sie.

Es folgt die kurze Umbauphase, dann steht Keimzeit auf der Bühne Die vertrauten Begrüßungsworte von Norbert eröffnen den Keimzeitabend.

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Und vertraut ist an diesem Abend vieles. Alte Songs sind wieder im Programm. „22“, „Am Rande“, „Planetenseite“ und natürlich „Flugzeuge“, um nur einige zu nennen.

„Flugzeuge“, schön es wieder zu hören. Sicher schwelgt der ein oder andere noch in Erinnerungen, an Ralfs wunderschönes Saxophonsoli. Aber wir sind im Jahre 2010 angekommen. Robert spielt jetzt am Saxophon. Auf seine eigene Art, keine Kopie von Ralf, das würde auch gar nicht funktionieren. Robert hat sich so wunderbar in diese Band eingefügt, als wäre er schon immer dabei gewesen. Und „Flugzeuge“ erleben wir 2010 neu und wie ich finde genauso einzigartig.

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Und noch eine Neuigkeit gibt es bei dieser Tour. Wir haben uns die letzten Jahre immer mal wieder am Gesang von Spatzi erfreut, leider viel zu selten. Nun er steht wieder am Mikrofon.

In Neustadt hatte er Premiere, in Annaberg war er wie ich finde schon sehr gefestigt. Spatz du gehörst ans Mikro. Sein Coversong von Max Herre „Blick nach vorn“ passt einfach wunderbar zu ihm. Erst im nachhinein hörte ich mir das Original an, das ist natürlich auch sehr schön. Aber wenn man zuerst Spatz gehört hat, liegen da meine Sympathien.

Im Duett mit Rudi und dem Saxophonsoli von Robert gewinnt dieser Titel ungemein.

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Die Band zog mehr und mehr die Zuhörer in ihren Bann. Man rückte zusammen, der Zwischenraum bis zur Bühne war auf einmal nicht mehr vorhanden, ganz im Gegensatz zum Vorabend in Neustadt.

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Der Funke sprang mal wieder über, so macht ein Konzert Spaß. Dem Publikum und natürlich um so mehr auch der Band. Das sieht und spürt man, da kommt von der Bühne etwas zurück.

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Und so war es auch wieder bei den Zugaben. Gibt das Publikum der Band Aufmerksamkeit und zieht sich nicht nach dem ersten Weggehen der Band zurück kommt die auch mit einer Spielfreude zurück. Da sind noch einige Titel drin.

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Auch wenn dann schon keiner mehr dran geglaubt hat. Die ganz hartnäckigen Fans, mich eingeschlossen, bringen mit Zugaberufen und Pfiffen die Band abermals auf die Bühne.

So findet ein wunderschöner Abend mit zwei großartigen Bands seinen Abschluss.

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Nach dem Konzert nehmen sich beide Bands noch Zeit für ihre Fans. An dem sich ergänzenden Merchandising-Ständen stehen Norbert und Lilli nebst Band ihren Fans mit Autogrammwünschen noch bereit.

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Niedlich wie auch die kleinsten um ein Autogramm bitten. Der Nachwuchs ist gesichert, ein gutes Gefühl.

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Zu später Stunde finden beide Bands noch einmal zusammen. Ein gemeinsames Fotoshooting steht an. Im inzwischen schon geleerten Konzertsaal stehen Dainty und Keimzeit noch einmal den beiden Bandfotografen zur „Verfügung“.

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Auch danach gibt es noch regen Austausch zwischen den Musikern.

Bis alles Equipment verpackt und die Band zur Abreise ins Hotel bereit ist, graut schon der Morgen. Der Winter hat sich auch noch einmal zurück gemeldet. Zartes Weiß hat sich auf den geparkten Fahrzeugen breit gemacht. Ein letztes Aufgebähren, der Frühling wird sicher bald die Überhand gewinnen.

Bericht und Fotos: René

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