Deutschland sucht den „Keimzeit-Star“

Karaoke-Fieber in der Kalkscheune Berlin

Kontrastprogramm für die Band und das E-Feldteam. Zum Edelevent des Vortages gesellte sich nun eine ganz besondere Attraktion. Nicht nur wir waren gespannt, wie sich eine Idee aus kalten Wintertagen in die Tat umsetzen ließ und ob alles gelingen würde.

Im Rahmen der „schönen Party“ hatten die Leute um Radio1 wieder einmal den Wunsch geäußert, die Band Keimzeit für ein Event in die Kalkscheune zu laden. Aber, es sollte nicht nur ein normales Konzert gegeben werden. Wie schon aus früheren Tagen bekannt, wünschte sich das Team der „schönen Party“ wieder etwas ganz Besonderes. Waren die Jungs von Keimzeit doch früher schon zu einzigartigen Veranstaltungen geladen. Man erinnere sich nur an die Melodie&Rhythmus- Party, wie auch das „Rio Reiser –Event“ zusammen mit Jan Plewka, oder auch Norberts und Franks Lesung „Hose runter“.
Kurz um, man suchte nach einer originellen Idee…

Dem Radio1-Team wollte einfach nichts einfallen, was man dem Berliner Publikum bieten könne, bis aus den Reihen der Band selbst plötzlich die zündende Idee entflammte. „Warum machen wir nicht mal ein Live-Karaoke?“ … Die Idee fand sogleich den Zuspruch aller Beteiligten. Das könnte wirklich ein „Knaller“ werden!

Anders, als von der Band ursprünglich gedacht, wurde nun im Netz eine Bewerbungsaktion ins Leben gerufen. Jeder, der Lust und Mut hatte, konnte sich für den Vortrag eines Keimzeitliedes bewerben. 25 Songs standen zur Auswahl und jeder Bewerber sollte sich im Vorfeld für einen Favoriten und einen Ersatzsong entscheiden.
Der Bewerberandrang war groß. Aus über dreißig Bewerbern musste nun ausgewählt werden. Es wurden mit Jedem im Vorfeld Gespräche geführt. Die Motivation der einzelnen Kandidaten war schlussendlich entscheidend, wie auch die schon gemachte Bühnenerfahrung und die Songauswahl nicht unwesentliches Kriterium wurde. Man wollte den Rahmen des Abends ja nicht sprengen und konnte leider nicht allen Kandidaten die Möglichkeit eines Auftrittes geben.
Für die jenigen, welche in die Endauswahl kamen, wurde es nun ernst. So manchem mag das Herz höher geschlagen haben, als der Anruf des Radio1 – Mitarbeiters kam, der ihm mitteilte: „Herzlichen Glückwunsch, Du bist dabei“.
Einmal mit seiner Lieblingsband auf der Bühne stehen… den Platz des Bandleaders einnehmen und zeigen, dass man es kann… Sicher ein Traum für so manchen Fan.
Für zehn junge Leute sollte er wahr werden…

Im Vorfeld traf man sich Backstage, erfuhr die Details. Die jungen Akteure hatten kurz Zeit, ein paar Worte mit den Bandmitgliedern zu wechseln, sich einige Tipps zu holen.

keimzeit_kalkscheune03

Das Lampenfieber war förmlich spürbar. Sollte man doch gleich vor über sechshundert Leuten sein Können beweisen. Würde man Beifall ernten oder eher Peinlichkeit?… Welche Gedanken gingen wohl in den Köpfen um?… Minuten wurden zu gefühlten Stunden. Plötzlich kamen Zweifel auf: „Warum tue ich das hier? Hoffentlich blamiere ich mich nicht! Wird alles klappen? … und wir haben nichtmal geprobt! … Sitzt der Text und verpass ich den Einsatz nicht…“
Eigentlich einfach nur Spaß sollte es sein, aber trotzdem wollte Jeder bestehen, wollte Jeder das Beste gehen. Man sah es allen Akteuren an.

keimzeit_kalkscheune02

Dann war es endlich soweit. Die Kalkscheune bis zum Bersten gefüllt mit fröhlichen erwartungsvollen Menschen, alle der Bühne zugewandt.
Der Gastgeber des heutigen Abends, Thomas Ecke sprach die einleitenden Worte, dann trat die Band auf die Bühne.

keimzeit_kalkscheune04

Norbert ergriff das Wort. Heute hatte auch er eine ungewöhnliche Aufgabe. Anstatt zu singen wurde er zum „Ansager“ … oder doch Moderator?
Ohne langes Geplänkel kam er sogleich zur Sache.: „ So, meine Damen und Herren, jetzt kommen wir zum ersten Beitrag…“
Zwei junge Damen, Kathi und Claudia, wurden auf die Bühne gebeten. Sie waren gekommen um das „Irrenhaus“ zu zelebrieren. Nach einer kurzen „Begrüßungsansprache“ der Beiden ging es dann auch gleich los.

keimzeit_kalkscheune08

Die Beiden, ( eine von ihnen hatte Geburtstag, wohl auch der Grund ihres heutigen Auftretens) boten eine „besondere“ Version des alten Keimzeit-Klassikers. Irgendwie erinnerten sie mich mit ihrem Vortrag an eine Mädchen-Pop-Rap- Formation der neunziger Jahre, welche durch ihr frech/dreistes Auftreten und späteren „Zickenkrieg“ in die Schlagzeilen gerieten und sich sodann bald im Streit wieder trennten.
„Irrenhaus“ im Sprechgesang. Ein ungewöhnliches Musikerlebnis, temperamentvoll und ausgeflippt vorgetragen von zwei extrovertierten Persönlichkeiten.

Für den nächsten Interpreten wurde nun auch Robert Fränzel mit auf die Bühne gebeten. André, welcher das Lied „Mama sag mir warum“ vortrug, zeigte Souveränität und hervorragende Textsicherheit, welche im Anschluss auch von Norbert anerkennend erwähnt wurde.

keimzeit_kalkscheune13

 

Dann kündete Norbert ein bevorstehendes Fiasko an. Das nächste Lied hatte die Band im Vorfeld nicht mehr üben können und er befürchtete, dass das in die Hose gehen würde. Herausreißen sollte dies die nächste Interpretin „Cynthia“, welche „das Schwein“ darbieten wollte.

keimzeit_kalkscheune21

Und wie es so ist, wenn man vom Teufel spricht…, der witzig freche Vortrag Cynthias wurde von der Band unbeabsichtigt etwas frühzeitig abgebrochen. Das Publikum sah sich jedoch der Pointe beraubt und ließ dies der Band nicht durchgehen. Mit lautstarken „Zugabe-Rufen“ forderte es den Rest des Liedes auch noch ein und war erst dann zufrieden, als das „Schwein geschlachtet“ und Cynthia mit ihrem Vortrag am Ende war.

 

Als dann im Publikum wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt war, konnte ein „alter Bekannter“ und Mitstreiter der E-Feldcrew mit seinem Beitrag beginnen. Jörg übernahm den Part des alten Seebären in „Singapur“.

keimzeit_kalkscheune29

Ja selbst aus dem Sachsenland war man angereist um sich hier als Sangesbarde zu präsentieren. Seine Banderfahrung sah und hörte man ihm an und Norbert engagierte ihn kurzerhand für den nächsten Keimzeitgig in Wasungen. Ob daraus was wird, werden wir in der nächsten Woche sehen…

Nach diesem Vortrag waren dann „Ida und Daniel“ am Start. Sie hatten sich eines der Lieder des letzten Albums vorgenommen. „Valentinstagsblumen“ im Duett vorgetragen, eine schöne Idee, gefühlvoll umgesetzt. Auch Norbert ging der Vortrag ein wenig „ans Herz“.

keimzeit_kalkscheune33

 

Als nächstes wurde ein junger Mann namens René auf die Bühne gebeten, welcher, für die Band völlig unerwartet den „Donauangler“ singen wollte.

keimzeit_kalkscheune37

Dieses Lied war eigentlich gar nicht in der Titelliste für die Bewerber vorgesehen und erst ca. drei Tage vor dem Event an die Band herangetragen worden. Da hieß es, in Erinnerungen kramen, alte Rhythmen rekapitulieren und ne Sonderprobe anberaumen. Am Ende kam ein, von der Band brilliant gespieltes und vom jungen Sänger mit viel lässigem Charme vorgetragenes Stück heraus, welches nicht nur das Publikum überzeugte.

Nach dieser Neuauflage, kam nun ein weiterer „alter Hit“ der Band zu Gehör, welcher von Daniel H., einem eigentlich schon verhältnismäßig „alten Hasen“ im Musikgeschäft, dargeboten wurde.

keimzeit_kalkscheune41

„Breit“, natürlich in der neuen Version wurde von ihm gekonnt sicher und ohne den vorherigen Einsatz von „Betablockern“ (wie Norbert zuvor vermutete) zu Gehör gebracht. Von Lampenfieber bei ihm keine Spur und das Publikum dankte es mit lautstarkem Applaus.

Den solistischen Teil des Live-Karaokes beendete wie selbstverständlich auch diesmal das zauberhafte Schlaflied, welches die Kinder wohl nie einschlafen ließ, „der Löwe“.
Wer anderes als ein junger Mann, welcher sich täglich mit 18 Kindern umgibt, hätte dieses Lied wohl vortragen können.

keimzeit_kalkscheune46

„Bernd“, der nach eigenen Angaben 18 Kinder hat, die er im Wald betreut (…natürlich nur zeitweise als Kindergärtner), versuchte auch hier vergeblich, die Leute in den Schlaf zu singen. Im Gegenteil, man sang lautstark mit und applaudierte was das Zeug hielt.

Nun sollte aber auch Norbert noch Gelegenheit bekommen seiner Sangesfreude zu frönen. Ein kleines Set keimzeitlichen Liedgutes, von der Originalbesetzung vorgetragen, sollte jetzt folgen. Eine Überraschung hatte die Band aber auch noch parat. Als Gastsängerin stand für das Lied „Dieses Mal“ Marion Bohn mit auf der Bühne. Somit war das „Geschwisterquartett“ wieder einmal komplett.

keimzeit_kalkscheune49

Den krönenden Abschluss dieses, so außergewöhnlichen Konzertes bildete dann der gemeinschaftliche Chorgesang aller Interpreten des Abends mit dem allen bestens bekannten Lied „Kling Klang“.

keimzeit_kalkscheune55

Und nicht nur die Akteure sangen fürs Publikum, auch das Publikum sang für die Akteure. Ein Chor aus hunderten Kehlen brachte die Kalkscheune zum Kochen, der Applaus wollte nicht enden.

keimzeit_kalkscheune32

 

Als dann die Band verabschiedet und das Publikum zum weiteren Feiern eingeladen wurde, hatte eigentlich keiner so recht Lust auf „Konserve“. Der Abend hätte so bis zum Sonnenaufgang weitergehen sollen und man hätte getrost den restlichen ca. 20 potenziellen Kandidaten die Möglichkeit zum Singen geben können, ohne dass Langeweile aufgekommen wäre.

keimzeit_kalkscheune64

Dieser Abend hat wohl allen riesigen Spaß bereitet. Den jungen Sängerinnen und Sängern, dem Publikum und vor allem der Band.
Resümierend lässt sich sagen: die Band hat sich hervorragend auf die Gesangstalente eingestellt, die Sänger/innen brillierten durch Souveränität, Talent und sichtlicher Freude an ihrem Tun und für das Publikum war es mehr als nur ein Ohren- und Augenschmaus.
Es bleibt auf eine Zweitauflage zu hoffen, welche sicher genauso viel Freude macht.
Dieser Abend zeigte auch, dass sich die Band um einen würdigen Ersatz ihres Frontmannes im Ernstfalle wohl kaum Sorgen zu machen bräuchte. Aber allen Fans unseres Sängers sei gesagt: keine Angst, Norbert wird uns sicher trotzdem noch lange erhalten bleiben ;-).

Bericht und Videos: Birgit
Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen