„… ein bisschen Heimat“

Es gibt inzwischen viele schöne Orte mit KEIMZEIT-Tradition, auch außergewöhnliche und idyllische… Orte, die auch den Musikern sicher „ans Herz gewachsen“ sind, an denen sie sich wohl und willkommen fühlen. Hier aber, im Fläming fühlen sie sich vielleicht mehr als anderswo in einer Art Gastgeberrolle. Hier ist „immer ein bisschen Heimat“, wie Peter Lomb es nannte, hier wurde der Same einst eingebracht, hier sind Menschen, die schon so lang in besonderer Weise Anteil haben und nehmen an all dem in KEIMZEIT Gewachsenen und weithin Getragenen.

keimzeit_belzig02

So finden sich solche keimzeitliche Spuren überall: als wir am Vormittag mit der Fähre, von der aus ich mit ansehen musste, wie kleine Segelboote im frischen Wind für mein Empfinden recht unsanft über die Wellen hoppelten, in Rostock ankamen, ließ schließlich der stumme, freundliche Gruß jenes Leuchtturms mich das leichte Unwohlsein vergessen – denn nun war ja LAND IN SICHT! Meine Tochter wusste sofort das Lied zum Turm und mir kam in den Sinn, wie seltsam das doch ist: zum Einen das wohlige, kribbelige Gefühl endlich anzukommen; andererseits umweht so einen Leuchtturm immer auch dieser süße Duft von weitem Meer, verlockender Ferne, unbestimmter Ahnung, Sehnsucht… ach, abgeschweift…

Wir waren auf dem Weg nach Belzig, Bad! Belzig. Weil wir Gedränge und Stress auf der Autobahn meiden wollten, gelangten wir dank unseres kleinen Helfers auf teilweise abenteuerlich in Falten gelegten Straßen und durch hübsche Alleen sicher zu unserem Ziel: Burg Eisenhardt.

In der Zeit bis zum Konzert hatten wir nicht weniger Freude als unsere beiden Kleinen beim Erobern von Burg und Turm und beim Naturforschen. Überall begegneten uns Menschen, denen man den Grund des Hierseins ansah, ob am deutlichen Aufdruck an Shirt oder Jacke, an der in den Gesichtern schon still strahlenden Ahnung des Kommenden oder weil man sich aus gleichem Anlass schon mehrfach anderswo über den Weg lief (und hier später endlich die Möglichkeit hatte, sich näher zu kommen). Oder weil man einfach hier verabredet war.

So saßen wir noch ein Weilchen mit Birgit und René inmitten dieser angenehm einstimmenden Atmosphäre. Der Soundcheck klopfte schon mal an die Seele. Auch das leibliche Wohl war sorgfältig bedacht, diesmal keine langen Warteschlangen an den Getränkequellen und ich liebe Kartoffelecken. Ab und zu schickten wir einen skeptischen Blick zu interessanten Wolkenformationen – wenn ich auch so einem ‚warmen süßen Sommerregen‘ durchaus eine ganz herrliche Seite abgewinnen kann, war ich froh, dass er uns hier dann doch erspart bleiben sollte.

Nachdem der oben schon erwähnte Herr die keimzeitliche Vergangenheit und nahe Zukunft sehr ausführlich und mit offensichtlich großer Freude beleuchtete und der Wind nochmal heftig auffrischte, war es an der Zeit für KEIMZEIT!

keimzeit_belzig04

Bei einem KEIMZEIT-Konzert habe sie noch nie gefroren, hörte ich hinter mir eine junge Frau sagen. Und es ist in der Tat so, dass beim Erscheinen der Musiker solche kleinlichen Äußerlichkeiten kaum mehr wahrgenommen werden.

keimzeit_belzig08

Der Zauber findet sein Publikum, wenn sich die Wunderbare Welt des Norbert Leisegang öffnet, die zu ebensolcher Poesie verdichtet, von den Musikern gekonnt veredelt, angehoben und ins Publikum getragen wird. Und dort tausendfach Bilder und Gefühle erzeugt, die wie Geschenke sind.

keimzeit_belzig11

Und wie ein Geschenk wurde hier jedes Stück, jedes schöne und traurig-schöne, jede schmerzliche Wahrheit und jede Hoffnung dankbar angenommen, wurden die vielseitigen harmonischen Klangfarben und jeder Trommelschlag aus dem Hintergrund, die rhythmisch betonenden und alles durchdringenden Saitenspiele, die fröhlich hüpfenden Querflöten- und beseelten Saxophonklänge registriert und zelebriert. Zusätzlich gewürzt wurde mit dem kompletten Bläsersatz, der so manches Lied so wunderbar hochsommerlich besonnte, dass man die Hitze spüren musste.

keimzeit_belzig03

Während der Zeit gemeinsamen Singens und geteilter, also vermehrter Freude, in der wir innerlich und äußerlich in Schwingung gerieten, dabei den Alltag abschüttelten, ich zwischendurch meinem Söhnchen den LÖWEn selbst vorsingen musste, weil er vor der Zeit müde war und die stille Ahnung vom Nachmittag längst einem Leuchten gewichen war, waren unmerklich drei Stunden vergangen.

keimzeit_belzig14

Dass letzte Zugaberufe schließlich ungehört blieben, wurde hingenommen, weil es im Anschluss noch die Möglichkeit für Begegnungen und Gespräche gab, die auch die Musiker zu suchen schienen. Den musikalischen Hintergrund hierfür bot das Duo „BLUESTIFT“ im Gewölbekeller der Burg. Denn draußen wurde es jetzt kalt.

keimzeit_belzig24

Bleibt auch dieses Mal wieder festzustellen, dass die Poesie, die Musik, dass KEIMZEIT niemals auf einen Abend beschränkt bleibt, sondern sich einnistet in Sinn und Seele und heilsam wirkt: wenn angesichts von Arroganz und Ignoranz sich lähmende Ohnmacht, Traurigkeit oder auch nur Ernüchterung einschleicht und mein Leben Gefahr läuft, deshalb an Freude, Wärme, Bewegung, Farbe… zu verlieren, dann FÜLL ICH ES AUF MIT MUSIK! Nicht, dass dann plötzlich alles gut wäre, aber erträglicher und nach einem Durchatmen, In-sich-hören und Erinnern klappt das dann auch wieder mit einem engagierten BLICK NACH VORN.

Herzlichen Dank, KEIMZEIT!

Liebe Grüße auch an all die in der Republik Verstreuten.

Bericht: Angela

Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen