Ein Dichter, fünf Musiker und ein Autohaus…

Nein, nicht über einen „Achim Mentzel-Abend“ im Schwedter Autohaus will ich hier berichten…, das ist wohl einer anderen Feder entsprungen und gehört auch nicht hier her…

„Provinzschrei“ heißt das heutige Motto. Ein, inzwischen schon in das zehnte Jahr gehendes kleines Kulturfestival lud den „Club der toten Dichter“ ins Suhler „Autohaus Ehrhard“.

Auf der Suche nach einer würdigen Austragungsstätte, welche das inzwischen geschlossene Kulturzentrum ersetzen sollte, traten die Macher des Festivals nicht grundlos an die Inhaber des Autohauses heran. Hier handelt es sich um eine ehemals landesweit bekannte „Waffenschmiede“ welche inzwischen komplett umgebaut und der friedlicheren Nutzung durch den Kfz-Verkauf zugeführt wurde.

Wo zu Kriegszeiten Kampfgeräte und später dann in der DDR-Ära so genannte „Jagdwaffen“ hergestellt wurden, sollten heute kulturaffine Menschen mit Worten und Klängen beschossen werden, so dass ihnen Ohren und Mund aufgingen und das Herz vor Beglückung höher schlagen mochte.

„Eines Wunders Melodie“, so das Thema der Rilke-Vertonung durch den Komponisten und Musiker Reinhardt (Maxs) Repke, stand hier und heute auf dem Programm und ließ uns neugierig werden.

Wir traten also ein in das Haus, welches sicherlich selbst Bände über Vergangenes hätte erzählen können, um die Renaissance der Werke des 1875 geborenen und 1926 gestorbenen bedeutenden deutschen Lyrikers Rainer Maria Rilke, in neuem Gewand, zu erleben.

Schon am Einlass durften wir einen kleinen Blick auf die zum Programm gehörende CD werfen, ehe wir, vorbei an mehreren Exponaten alter Maschinen, über das Treppenhaus den eigentlichen „Theatersaal“ des heutigen Abends erreichten.

Vor der kleinen Bühne waren Stuhlreihen aufgestellt und kleine Bartische luden noch zum Genießen des einen oder anderen Getränkes ein.
Allmählich füllten sich die Reihen mit den kulturinteressierten Anwesenden. Ob jung oder alt, in Jeans oder chicer Abendgarderobe, es war einfach alles dabei. Wer auf den Stühlen keinen Platz mehr fand, setzte sich einfach aufs Fensterbrett oder blieb an einem der Stehtische stehen.

Nach einer Anmoderation und einer kleinen Ansprache des Autohaus-Inhabers, welcher den Werdegang des Unternehmens und des Hauses kurz umriss, sollte es nun gleich losgehen im eigentlichen Programm.

Das Licht ging aus, die fünf Musiker betraten nacheinander die Bühne und wurden mit herzlichem Applaus begrüßt.

cdtd_suhl16

 

Wie bei seinen letzten beiden Projekten hatte sich Maxs Repke auch dieses Mal ein ganz besonderes Ensemble zusammengestellt: Katharina Franck (Gesang, Akustikgit.), Tim Lorenz (Schlagzeug) übrigens der einzige „Wiederholungstäter“ im Club, Andreas Sperling(Flügel, Orgel Keyboards) und Markus Runzheimer (Bass) bilden für dieses Programm neben Maxs den Club der toten Dichter.

cdtd_suhl11

Allzu viel über das Konzert sei hier noch nicht verraten, soll doch jetzt, am Anfang der Tour, die Neugier noch bewahrt, die Überraschungsmomente erhalten bleiben.
Eines sei jedoch jetzt schon festgehalten: Die Verbindung der Rilke-Texte mit der Musik Reinhard Repkes, der Stimme und Ausstrahlung Katharinas und dem Spiel der gesamten Band erscheint mir als nahezu genial.

cdtd_suhl05

Mag man den einen oder anderen Text nicht sogleich verstehen,…
(zumindest mir ging es mehrfach so, daß ich, mich in der Musik verfangen, durch sie getragen, gedanklich zeitweise abschweifen ließ und den roten Faden des Textes verlor…)

cdtd_suhl07

so fügt sich der Klang der Worte, ja quasi die wörtliche Komposition, so harmonisch den musikalischen Klängen hinzu, dass es mich zwangsläufig in den Bann zog und nur schwerlich wieder los und in die Realität finden ließ. Somit war es auch nicht wirklich schlimm, dem Sinn der eigentlichen Gedichte nicht immer gleich folgen zu können. Im Übrigen hat man ja auch die Möglichkeit, das Meiste später, zu hause „nachhören“ zu dürfen.

cdtd_suhl14

Ein allerdings nicht nachholbarer Genuss war, dem Spiel er Musiker zuzusehen, die Freude an ihrem Tun zu erleben, die Energie zu spüren, welche von ihnen ausging und auf uns Zuschauer übergriff. Wirklich, ein wahrer Hochgenuss!

cdtd_suhl08

Das Publikum schien wie ich, dem Bann des Vorgetragenen verfallen zu sein, lauschte still, mit wachem Sinn der Musik und zollte begeisterten Beifall nach jedem Stück.

… Bis auf zwei Damen…, welche, auf der Fensterbank rechts neben der Bühne sitzend, sich lautstark und störend unterhielten. … Was gäbe es hier auch wichtigeres, als sich den letzten Tratsch aus Betrieb oder Nachbarschaft zu berichten, war das hier doch sicher nur Rahmenprogramm…
Einige Leute im Publikum allerdings erschien diese „Begleitmusik“ doch etwas unpassend und störend und böse Blicke nach rechts wurden zusehends häufiger. Dies schienen die zwei Damen nun nicht auf sich zu beziehen, bis sie eine „deutliche Ansage“ dann vorerst zum Schweigen brachte.

cdtd_suhl09

„Der Mensch ist ja lernfähig“ meinte ein junger Mann neben mir später… nun, bei den zwei Damen muss dann wohl eine Lernschwäche vorgelegen haben, denn just nach der Pause das gleiche Spiel… Die Krone setzte eine der Damen dann der ganzen Geschichte auf, als ihr Handy mitten im Vortrage laut zu „plärren“ begann und sie… wer hätts gedacht… auch noch dran ging und mit dem Anrufer laberte.

Ob solcher Respektlosigkeit war ich nun sprachlos, ärgerte mich kurz und versuchte den Faden wieder zu finden. Glücklicher Weise war das ja nicht schwer, da ja wie schon oben beschrieben, das Programm mitreißend und die Musiker brillant genug waren, mir den Abend so oder so zu einem Höhepunkt werden zu lassen.

cdtd_suhl10

Es gab sehr viel Applaus, mehrere Zugaben, selbst nach Überreichen der Blumen an die Künstler ließ sich Maxs nicht lumpen und meinte „einen haben wir noch…“.

cdtd_suhl20

Große Begeisterung im Publikum machte sich breit. Einige hielt es nicht mehr auf den Sitzen und sie gaben „Standing Ovations“. Wirklich verdient!

cdtd_suhl22

Danke an Maxs, an das ganze Ensemble für dieses wundervolle Programm.

„Eines Wunders Melodie“

… für wahr, das ist es was ich empfand!!!

Bericht: Birgit

Fotos: René

Share Button

Kommentar verfassen