„Ich öffne die Tür weit am Abend“…

…lud uns die Margarethenkirche zu Gotha am 23.01.2010 ein. Eine Abendandacht?
Ein Konzert! Eine Premiere besonderer Art.

Dieser Verlockung konnten wir nicht widerstehen. Sollten wir doch hier endlich wieder auf Freunde treffen, welche wir lang nicht mehr zu Gesicht bekommen hatten und den wundervollen Klängen von Orgel und Saxophon lauschen dürfen.

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Dieses Mal sollte es kein gewöhnliches „ORGELSAX“ sein, sondern ein völlig neues Projekt, welches die Klänge der Instrumente mit „Liedermacher-Gesang“ verschmelzen lassen würde.

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Neben Jens Goldhardt an der wunderschönen Orgel (für ihn übrigens ein „Heimspiel“) und Ralf Benschu an Alt- und Sopransaxophon, war an diesem Abend der Liedermacher Gerhard Schöne (Gesang, Akustikgitarre) der „Dritte im Bunde“.
Schon diese Tatsache allein machte uns neugierig. Wie sollte sich das Zusammenspiel dieser drei, in unterschiedlichen Musikrichtungen heimischen Musiker gestalten? Wir waren gespannt. …

Etwas durchgefroren betraten wir das Gotteshaus, welches sich gegen 18:00 schon langsam zu füllen begann. Die Karten waren fast ausverkauft, nur noch einige Restplätze in den schlecht einzusehenden Seitenschiffen waren noch verfügbar. Mit etwas Glück erhaschten wir doch noch zwei Plätze in der letzten Reihe des Mittelschiffes. Erfreut und dankbar über die Tatsache, dass Kirchen im 21.Jh. beheizbar waren, machten wir es uns auf unseren Plätzen gemütlich, bis das Konzert dann begann.

Wohlig vertraute Klänge umhüllten mich und öffneten mir das Herz, als Jens und Ralf ihr Spiel begannen. Dann die erste Berührung mit den Liedern Gerhard Schönes:
In einfachen, verständlichen Worten und akustisch leicht beschwingten Tönen erzählt er Geschichten, die das Leben schrieb. Kleine, versteckte Lebensweisheiten mit einem Augenzwinkern, lustige Begebenheiten gut beobachtet, Nachdenkliches geschickt verpackt, ohne sentimental oder belehrend zu wirken. So manches Mal war ich am Ende eines Stückes verblüfft, welche Aussage ich ihm entnehmen konnte, fing es doch als kleines „harmloses Liedchen“ an….

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So beispielsweise „packte er seinen Koffer“ (nach einem alten Gedächtnisspiel) und nahm angefangen von seiner Nuckelflasche bis hin zum Rentenausweis chronologisch jede Menge „Utensilien“ seines Lebens mit, um am Ende festzustellen, dass die Tür, durch die er gehen sollte viel zu klein war, um den ganzen Ballast zu bergen. Also befreite er sich von all seinem Gesammelten und ging befreit durch die Tür. …Welch metaphorische Aussage!

In einem weiteren Lied wünscht sich ein Filmprojektor den eben gespielten Kriegsfilm rückwärts abzuspielen. … Das Kopfkino beginnt zu arbeiten… so leben gefallene Krieger wieder auf, werden zu jungen Männern mit Idealen, entwickeln sich zu spielenden Kindern und schlussendlich zu zarten geliebten Babys als Hoffnungsträger der Welt. … welch schöne und friedliebende Vorstellung.

Mit seinen Texten schafft es Gerhard Schöne immer wieder, tiefgründig zu sein, ohne aufgesetzt tiefsinnend zu wirken.
Zwischen den Liedern und auch als Begleitung fügten sich immer wieder die bezaubernden Klänge von Orgel und Saxophon harmonisch ein.

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Eine gelungene Symbiose!
Am Ende des Konzertes gab es „standing ovations“ und lautstarke Zugabeforderungen. Das Publikum war begeistert, ich war es auch.

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Natürlich gab es die Zugabe auch, mit einem Kinderlied, welches Gerhard Schöne eigens für seinen Sohn umgeschrieben und so „humanisiert“ hatte. Da hieß es nun nicht mehr „der Hahn ist tot“ sondern eher „ der Hahn isst Brot“ oder „der Hahn sieht rot“ … in fünf verschiedenen Versionen. Alle tierliebenden Kinder und Eltern mögen bei diesem Wandel aufatmen.

Schlussendlich nahm ein schöner Konzertabend mit meinem Lieblingsstück „Lisa“ sein Ende und wir beschlossen ihn, bei Pizza und Wein, einem Geburtstagsständchen für René, netten Unterhaltungen und einem am Ende ziemlich genervten Kellner des hier ansässigen Italieners in einer eisklaren Nacht.

Übrigens, wen dieses Projekt interessiert:
das Programm ist am 10.04. in Rostock und am 11.04. in Schwerin wieder zu sehen.

Vorbeischauen lohnt sich auf jeden Fall!

Bericht: Birgit

Fotos: René

Artikel in der TA: Danke an Tine.

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