Keimzeit in Chemnitz – nu gugge ma

Der Tag fing harmlos und entspannt an, ausgiebiges Frühstück, 35km Radtour und nach der Heimkehr ein Spruch auf dem Anrufbeantworter:“ Hallo Fabers hier sind die Verrückten aus Süplingen, wir haben das Bedürfnis nach guter Musik und sind auf dem Weg nach Chemnitz, wenn Ihr Lust habt meldet Euch“.

Da haben wir kurzerhand zurückgerufen, schnelle Feinabstimmung wegen Übernachtung und so, von wegen Rückfahrten nachts in der Gegenwart selbstmörderischen Wilds und des Verlusts der Möglichkeit das eine oder andere goldfarbene Kaltgetränk mit weißem Krönchen zu sich nehmen zu können. Dann fing schon wieder dieses Kribbeln an, denn das letzte „richtige“ Keimzeitkonzert das wir erleben durften lag schon eine Weile zurück. Dann reisten wir ganz entspannt nach Chemnitz, schönes Prozessionsfahren auf der Landstraße, getreu dem Motto: Die Autoschlange ist das einzige Tier welches den Hintern (wir kennen dafür noch andere Worte) vorne hat.

Chemnitz, mhhm nun ja also, wir waren, sagen wir mal überrascht ob der architektonischen „Meisterleistungen“ der Einkaufstempel mit einem ausgeprägten Hang zur Gigantomanie einerseits und ein paar fürchterlichen Dreckecken andererseits. Auf der Suche nach Gastronomie, begegneten uns zwei unserer Freunde aus der Band, Rudi und Robert mit denen wir rasch ein paar Worte wechselten, bevor wir schnell noch im „Turmbrauhaus“ einkehrten.

Die Stunde des Einlass rückte näher, so dass wir flugs den Südbahnhof enterten. Eine Lokalität mit ordentlich Patina, seltsamer Geruchskulisse aber freundlichem Personal am Tresen. Für Menschen wie uns, die Keimzeit in verschieden Situationen und zu so vielen Konzerten schon erleben durften war die Anmutung der Absperrgitter vor der Bühne schon recht zweifelhaft. Ist uns aber herzlich wurscht, denn erste Reihe ist erste Reihe.

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Wir haben Norbert vor Jahren schon mal sinngemäß sagen hören, er empfinde es als wohltuend wenn er die eine oder andere vertraute hohe Stirn in der Menge sähe die mitsänge und ihm als Anker diene. Nun ist in unserem Freundeskreis, aufgrund biologischer und genetischer Vorgänge die Anzahl hoher Stirnen der männlichen Teilnehmer recht gut vertreten weswegen wir diese Aussage von ihm gerne und eitel wie wir nun mal sind schlicht für uns münzen :-).

Genau um 20:40 Uhr betrat die Band die Bühne, um das zu tun was sie am besten tut: MUSIK machen. Viele der Stücke aus dem aktuellen Album und natürlich die Klassiker, gewürzt mit einer geplanten Neuerscheinung die Gänsehaut verursacht: „Rosettas Lied“. Mit wenigen Worten zu beschreiben, wie das auf uns als Zuschauer wirkt was auf der Bühne passiert ist schwierig, wir wollen es dennoch versuchen.

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Zunächst die „Gäste“ an den Blechblasinstrumenten: Ralf Zickerick beschwingt und mit Feuereifer dabei, die Freude die er am Spiel hat ist offenkundig und er liebt „Maggie“. Sebastian Pisgorsch der „Benjamin“ auf der Bühne spielt die Trompete mit Hingabe und trotz seiner Jugend, die bei den Mädchen in unserem Freundeskreis Muttergefühle aufkeimen lässt, technisch ausgereift.

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Robert Fränzel hat gestern offenbar um sein Leben gespielt, zumindest war spürbar das sein ganzes Herzblut in seinen Soli gesteckt hat und mit Verlaub, es gibt nicht so sehr viele Menschen die in der Lage sind solche Gefühle im Zusammenhang mit Musik zu vermitteln.

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Die von uns aus gesehen linke Flanke, durfte gestern auch wieder die Instrumente „richtig“ benutzen und das hat das Bruderpaar auch nach Herzenslust getan, ganz zur Erbauung unserer Zwerchfelle, die das richtig Klasse finden wenn es ein bisschen „kesselt“.

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Andreas kann´s einfach, daran besteht kein Zweifel und wenn man ihn beim Spiel beobachtet ist man schlicht fasziniert. Was er aber außer Tasteninstrumente bedienen noch phänomenal beherrscht ist SINGEN. Wir würden uns freuen wenn wir seine Stimme öfter hören dürften, „Blick nach vorn“ unterstützt von Rudi ist einfach zum Niederknien.

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Womit wir bei Rudi sind, dem Mann der seiner Gitarre virtuos Klänge entlockt, die einen einfach nur zum Träumen animieren. Da stehen mit geschlossenen Augen und genießen.

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Ja und schließlich Norbert, der seinen Gesang so ausrichtet, dass sich jeder angesprochen fühlt, der jeden mitnimmt und für sich einnimmt, alter Charmeur. Die Texte lassen jede Menge Raum zu Interpretationen, wir sind uns sicher, dass jeder von uns andere Dinge denkt und fühlt als sein direkter Nachbar.

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So beeindruckt sind über zwei Stunden Konzert ruck zuck um. Noch ein paar Worte in Richtung Jugend. Auf jedem Konzert sind immer relativ viele junge Menschen überwiegend junge Mädchen zu beobachten, so wie gestern rüschenberockt an der rechten Flanke (hübsch anzusehen), die mit hoher Textsicherheit völlig hin und weg sind.

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Die Saat geht auf – es ist KEIMZEIT(so ein feines Wortspiel). Vor diesem Hintergrund braucht uns also nicht bange sein, die jungen Wilden finden die Musik auch toll, so dass unsere Akteure sich um die zukünftige Akzeptanz wenig Sorgen machen müssen.

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Mit diesen Eindrücken ging dieser Konzertabend zu Ende, was uns immer ein wenig traurig stimmt. Die Musik verebbt, Norbert gibt nach den Zugaben das Zeichen an die Technik eine CD zu spielen ein sicheres Indiz das weitere Zugabe nicht zu erwarten sind.

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Dann bleibt in aller Regel noch die Zeit einen Drink zu nehmen, am Merchandising vorbei zu schlendern, mit den Freunden vom Elektrofeld zu plaudern, meist und das ist mit das Schöne an den Abenden mit den Jungs von der Band ein paar Worte zu wechseln. Allerdings gibt es manche Veranstalter die haben nach getanem Geschäft ganz offenkundig den Wunsch, die Gäste so schnell wie möglich wieder los zu werden.

Da flitzt dann so ein Klitschko – Verschnitt mit einem Absperrband durch den Raum und die Gäste werden mehr oder weniger dezent zum Ausgang gebracht. Selbst die Musiker springen hinter den Merchandising – Stand und bitten die wiedergekehrte Antje Alter sozusagen um Asyl. Nur das beherzte Eingreifen von Dirk verhindert, das wir nach zehn Minuten aus dem Saal gekickt werden. Danke an dieser Stelle unsrem „Retter“.

Keimzeit – Konzerte geben jedem von uns immer eine Woge an positiven Emotionen und Energien mit auf den Weg des Alltags zum Bestehen aller Mühsal, die in der „Überraschungstüte – Leben“ verborgen ist. Jeder Abschied ist auch gleichzeitig ein Stück Vorfreude auf das Wiedersehen an anderem Ort, jeder wieder ein kleines Stück weiser bis dahin.

Bericht: Annett und Lutz Faber

Fotos: René

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