Keimzeit in Hamburgs Markthalle

26.11.2010, 20:00 Uhr

„Wie sonderbar es plötzlich war, von irgendwoher, eine vertraute Melodie. Da mein Herz mich verließ, mich in ein trockenes Flussbett stieß, füll ich es auf, mit Musik.“, heißt es in einem jungen „Kind“ von Keimzeit.  So oder anders kann der Grund geheißen haben, aus dem sich vergangenen Freitag über 300 Menschen in der Markthalle zu Hamburg trafen. Einer aber ist wohl allen klar: Musik. Musik, die seit Jahrzehnten Menschen verbindet und in den unmöglichsten Orten wieder treffen lässt. Musik, die das Herz berührt und die Spaß macht.

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Mit klirrender Kälte und ersten Rutschpartien auf zugefrorenen Bürgersteigen und Straßen empfing Hamburg vergangenen Freitag die Band und Konzert-Angereiste. Wenig Kälte dafür verspürte man in der Markthalle, die dieses Jahr konträr zum letzten 30 Gäste mehr zum Konzert aufnahm. Keimzeit gaben ein wunderbar herzliches und kraftvolles Konzert, dessen drei Stunden im Flug vergingen. Nach der Vorband „Kolja“ kamen sogleich alle 8 Musiker inklusive der Blechbläser auf die Bühne. Norbert begrüßte charmant das Publikum und versprach einen langen Abend, während er typisch und ansteckend in die Runde griente. Los ging es mit „Tauch mich in deine Farben“ – in der neuen Reggae-Version. Flirrende E-Gitarren, gedämpfte Bassläufe und weiche Trompeten- und Saxophon-Töne zogen in einen magischen Bann, untermalt von wohligen Piano-Klängen, während das Schlagzeug Nachdruck verlieh und man es unter den Füßen vibrieren spürte.

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Keimzeit spielten sich überaus nonchalant durch ihr Repertoire an alten und neuen Stücken. Sie besangen den Leuchtturm, als Diener der See und sie spielten Stücke Ihrer frischen CD, der Werkschau. Hits aus gut zwei Jahrzehnten, wie Kintopp, Flugzeug ohne Räder, Kapietel 11, Windstill, komplett neu eingespielt. Diese Werkschau soll aber nicht das Ende von Keimzeit bedeuten, wie ein altkluger Journalist neulich Norbert Leisegang gegenüber anmerkte. Schnell beruhigte auch uns der Sänger, es gäbe schon wieder acht neue Titel und ein neues Album würde im nächsten Jahr eingespielt.

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Wir können also wieder gespannt sein und der Veröffentlichung entgegen fiebern. Bis dahin überbrücken wir die Zeit mit Konzerten und Tonträgern. Neben einem weit gefächerten Publikum aus jung und alt, ließen sich auch wieder Produzent Franz Plasa und Grafiker Walter Welke ein wenig Zeit für das Konzert nicht nehmen. Diese in Begleitung des Hamburger Newcomers Felix Meyer, von dem wir hier noch ausführlich berichten werden.

Nach gut zwei Stunden und der Bandvorstellung verabschiedeten sich Keimzeit von der Bühne. Ein Publikum, so warmherzig und tanzfreudig ließ ihre Band so schnell nicht ziehen. Unter großem Applaus und Jubel traten die Musiker zurück auf die Bühne und schenkten uns jede Menge Zugaben, bis sie uns schlussendlich und selig mit dem Löwen in die kalte Nacht verabschiedeten.

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Keimzeit 2010 klingen so vollendet unangestrengt, als würden sie ihren neuen Stil mit einer einzigen eleganten Bewegung nur so aus dem Ärmel schütteln. Da treffen lässige Akustik-Gitarren auf ausgefeilte Alleingänge ihrer elektrischen Schwestern, breiten sich göttliche Saxophon-Soli aus auf weichem Piano-Grund, treibt das Schlagzeug so stetig wie sanft voran. Norbert Leisegang vollendet die – leise vom Jazz beeinflusste – Folk-Rock-Melange mit seinem entspannten lapidaren Gesang.

( Gerd Dehnel – Märkische Allgemeine )

Bericht: Dominik Peters

Bilder: Philipp Johnke

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