Kontraste.

So. Nun war ich sehr gespannt, wie die doch sehr zuverlässigen Konzertbesucher und zuletzt auch wunderbar Berichte-schreiber ihr Erleben eines „normalen“ Konzertes nach jener Gänsehaut erzeugenden KEIMZEIT-Sinfonie beschreiben würden. Doch ach: Wo wart Ihr?! Wie froh war ich Birgit und René begrüßen zu können. Also teilten wir uns in das Wochenende, von morgen, aus Chemnitz, wollte Birgit berichten. Erfurt blieb für mich. Und ich fragte mich, wurde nicht alles schon beschrieben, die Virtuosität jedes einzelnen Musikers von allen Seiten intensiv beleuchtet, die Spielfreude, das wunderbare Zusammenspiel und die berauschende Wirkung dieser Symbiose aus solcher Poesie und Musik – es läge wohl an meinem Unvermögen wahrzunehmen. Oder an mangelnder Phantasie bei der Wortfindung. Denn jedes Konzert ist anders, besonders. Und dort, wo Menschen für Menschen Musik entstehen lassen, mischen auch immer wieder Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen, Erlebnisse… der Musiker und des Publikums so einen Abend neu.

Ich will mein an diesem Tag auch musikalisch abwechslungsreiches „Rahmenprogramm“ nur kurz anreißen: Nachdem ich unsere beiden Kleinen zur Kinderschola begleitete, um sie dann ihrer Gouvernante zu überlassen, sah ich mir mit bald schon kalten Füßen das Fußballspiel meines Mannes (Alte Herren, Kreisklasse, unabsteigbar) an, denn wir wollten gleich danach losfahren, hatten in Erfurt noch Zeit, um nett litauisch zu essen, wurden dort allerdings mit so „merkwürdigen Weisen“ bespielt, für die wir mindestens eine Generation zu jung waren und kamen dann pünktlich zum EISZEITKLUB! Das war doch mal ein Kontrast. Ich bin nicht sicher, ob ich überhaupt jemals so laute Musik gehört habe. Wir beschlossen, von draußen zuzuhören.

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Wahrscheinlich wäre ich an diesem Abend erfroren, wenn ich mich nicht an diesem KEIMZEITlichen Feuer hätte wärmen können. Von Beginn an sprühten die Funken, eine Welle lauter Sympathie begrüßte die Musiker, die ganz gelöst schienen. Es sah aus, als würden sie es durchaus auch wieder genießen können, die Bühne ganz für sich zu haben, frei bewegten sie sich und uns im Rhythmus ihrer Musik, bewegten sich aufeinander zu, belauschten einander, berauschten uns, es gibt keine Combo, der ich lieber zusehe.

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Mit großer Freude konnten wir erleben, dass Robert wieder seinen Platz an KEIMZEITs „Dreimaster“ einnahm (die andere Freude über Ralfs Einspringen, die auch ich beim Lesen der Berichte aus Potsdam mit den dort Anwesenden teilte, macht deutlich, wann immer man verschiedene Menschen auf verschiedene Weise mag, bleibt gleich, man wünscht ihnen das Glück, das ihnen gut tut, man sorgt sich, man freut sich, wenn man sie sieht…).

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Jedes Solo erzeugte im Publikum dankbare Begeisterung. Großen Gefallen finde ich auch an Sebastians anderem Instrument (Flügelhorn? Kornett?) neben der Trompete, das aussieht, als hätte er es von seinem Urgroßvater geerbt. Es klingt so schön.

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Um nicht in Versuchung zu geraten, all zu sehr in Melancholie, in fernen Gedanken zu versinken, war es geschickt eingerichtet, dass nach solchen Liedern wie SINGAPUR,

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GOLD FÜR EINEN RING, ROSETTA, bei denen sich die kleinen Härchen überall aufstellen und nach Gemütslage auch schon mal mehr Gefühl ausbrechen kann, ein energisches OH-OH-OH oder ein erfrischendes KLING KLANG nachgesetzt wurde oder alle Musiker heiter pfeifend am LEUCHTTURM vorbei spazierten. Nicht, dass darin keine Melancholie wohnt…

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Übrigens waren auch hier zwei schwatzhafte Damen (Suhl?!) anwesend, die von dem Herrn vor mir sehr nett ans Zuhören erinnert wurden. Und Schwatzen meint hier nicht das spontane Teilen und Mitteilen des Glücks, das sich von der Bühne her ausbreitet.

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Jedes Stück erhielt enthusiastischen Applaus, die sporadisch über den ganzen Abend verteilten NATHALIE-Rufe erinnerten mich amüsant an das Fußballspiel von vorhin. Jubelnd wünschte sich das Publikum diese und jene Zugabe, Norbert wünschte sich, dieses Publikum nach Chemnitz mitzunehmen und ich wünsche KEIMZEIT wieder so ein Publikum und immerzu so viel sichtbares und mitreißendes Vergnügen bei der Arbeit.

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Unsere Heimreise gestaltete sich entspannt unter dem halben Mond, der sein Wolkenbett mal weg schob und mal ganz romantisch beschien.
Danke, KEIMZEIT, das war ein so schöner Abend!

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Und dazu jedes Lächeln, jeder freundliche Blick, jede zusätzliche zwischenmenschliche Geste ließen den folgenden Tag viel heller erscheinen, als es solche grauen Regentage für gewöhnlich sind.

Bericht: Angela

Fotos: René

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