Magdeburger Rock-Gala 2010

… Dekadenz trifft Rock

Einmal in Jahr trifft man sich im Maritim-Hotel…, um sich zu zeigen. Zu zeigen, wer man ist und was man hat, sich ein wenig Luxus zu gönnen, die Korken knallen zu lassen und Spaß zu haben.

Da kommt es gerade recht, dass es zur Untermalung dieses Ereignisses „zufällig“ ein wenig Live-Musik gibt…
Dies oder Ähnliches schienen die Beweggründe einer Vielzahl der Gäste am 26.02.10 gewesen zu sein, die Rock-Gala zu besuchen. Wie sonst lässt sich die permanente Geräuschkulisse aus den Reihen derer, welche den „Saal Maritim“ bevölkerten erklären, egal welcher Musik-Act auf der Bühne gerade geboten wurde.
…aber dazu später…

Das Maritim-Hotel, inmitten der Stadt Magdeburg gelegen, machte auf uns, mit seinem gläsernen Portal und dem exklusiven Ambiente den Eindruck einer besonders edlen Spielstätte für unsere Band. Die 7 Stockwerke umfassende und Glas überspannte Lobby mit ihren beidseitig hinter Geländer begrenzten offenen Gängen befindlichen Zimmerreihen regten just mein Kopfkino an. Woran erinnerte mich diese Anordnung wohl? Sicherlich sollte dieser Anblick die Decks eines Luxusliners simulieren, mir allerdings drängte sich eine andere Assoziation auf. Man möge mir meine morbide Phantasie verzeihen, hatte ich doch irgendwie den Eindruck, mich in einem, zugegebener Maßen edel ausgestatteten, futuristischen Gefängnisgebäude zu befinden. Der untere Bereich erinnerte mich dann aber wieder an eine Flaniermeile in einer Großstadt-Hochhausschlucht, mit kleinen Geschäften und Cafés.

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Wir begaben uns zum so genannten „geschlossenen Bereich“, wurden eingelassen und sahen uns erst einmal um. In mehreren Sälen und Bars tummelten sich Gäste. Teils in vornehmer Abendgarderobe, teils in gepflegter Tages- oder Businessbekleidung standen sie in Gruppen beieinander, flanierten paarweise durch die Galerie oder belagerten Getränke- und Speisenbuffets, oder auch die Raucherlounges. Ein Blick genügte, um festzustellen: hier war alles nobel. Und die Preise… Naja, reden wir nicht drüber. Nichts für jeden Tag… Selbst den Akteuren dieses Abends wurde später klar, zu mehr als einem kurzen Zuprosten sollte man sich lieber nicht verleiten lassen…
Hier sollte nun in wenigen Minuten ein Rockkonzert mit mehreren Bands stattfinden?! Für uns kaum vorstellbar…

Aus dem „Saal Maritim“, dem größten, von mehreren Veranstaltungs- und Kongress-Sälen, hörten wir schon deutlich musikalische Live-Klänge. Die „Magdeburger All-Star-Band“, ein Projekt aus Musikern mehrerer Formationen (z.B. „Gruppe Reform“, „Gruppe Magdeburg“, „Klosterbrüder“, um nur einige zu nennen) hatte ihr Spiel schon begonnen. Aus organisatorischen Gründen konnten wir diesem Teil des Abends noch nicht so recht folgen und ihn leider auch nicht in Bildern festhalten um hier einen Eindruck davon zu vermitteln.
Bis zum nächsten Programmpunkt sollte aber alles gerichtet, das Equipment bereit und die rechte Position eingenommen sein.

Jetzt war ich besonders gespannt. Eine Band war angesagt, welche eine wechselhafte Geschichte und lange Tradition hinter sich hatte. Eine Band, zur Zeit des DDR-Regimes nie regierungskonform, häufig mit Spielverboten belegt und schlussendlich quasi aus dem Land getrieben. RENFT ! Wer kennt sie nicht… von den einen geliebt, den anderen verhasst, aber allen bekannt, welche in der DDR lebten und nicht mehr in den Windeln steckten.

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Da standen sie nun vor uns und machten Musik. Und sie rockten die Bühne und das Publikum der ersten Reihen. Weiter hinten schien man doch eher in Gespräche vertieft…

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Mich hielt es nun nicht mehr. Rhythmisch zuckten meine Glieder, die Füße konnten nicht stille stehn. Mit mir einige „Altrocker“, schön, dass es sie auch hier noch gab, wenn auch sehr in der Minderheit. Spätestens bei „Gänselieschen“ und „Wer die Rose ehrt“ wurden die Leute wach, unterbrachen ihre Plaudereien und applaudierten oder sangen mit.

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Ja, die alten Männer können noch immer richtig gut „mit dem Arsch wackeln“ (Zitat Kuno 1999) „Monster“ (Thomas Schoppe) spulte sein Repertoire souverän ab, auch wenn ihn die Ignoranz der hinteren Reihen zeitweise sichtlich zu nerven schien. Eine Zugabe war dann auch noch drin, bevor die Band die Bühne verließ um sie für den Umbau für KEIMZEIT. freizugeben.

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Dann war es soweit, unsere Band wurde angekündigt und mit leidlichem Beifall empfangen. Wieder waren es die ersten gefühlten fünf Reihen, welche das Konzert trugen. Mir schien sogar, als würde man etwas mehr zusammenrücken, als es zuvor bei Renft gewesen war.

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Unsere Jungs gaben sich redlich Mühe und versuchten ihre Spielfreude aufs Publikum zu übertragen. Und wir, in den ersten Reihen, gaben dies auch bereitwillig zurück.
Nur ruhig im Saal durfte es nicht werden… „Singapur“ entwickelte wieder einmal ein merkwürdiges Eigenleben. So wie von vorn das „Schiff aus schäbigem Holz“ gegen Wind und Wogen anzukämpfen schien, schlug von hinten die Brandung aus „allgemeinem Volksgemurmel“ der Besatzung entgegen. … Und wir, mittendrin.

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Als man dann mit „kling klang“ wieder „ die Straßen entlang“ schlenderte, war die Aufmerksamkeit dann doch wieder zurück und es wurde mitgeträllert und applaudiert. …Wie gehabt, die alten Hits machen die Massen mobil…

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Nach der Winterpause das erste Mal wieder KEIMZEIT. und mir fiel auf: Der Bläsersatz hatte inzwischen ja Haare bekommen  und ein neues Gesicht noch dazu. Die Spielfreude der Band war die alte geblieben und der Spaß auch für uns allemal groß. Das Konzert unserer Band war, wie immer, viel zu schnell wieder vorbei und wir… wir wollten mehr!

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So langsam lichtete es sich im „Saal Maritim“. Man zog sich in die Lobby zurück, widmete sich weiter den Getränken und Gesprächen, der Raucherlounge oder Konservenmusik im kleineren Saal gegenüber. Dort wurde getanzt und gefeiert, bis das Licht des neuen Tages durch die Glasdecke auf die „Flaniermeile“ fiel.

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Wer versuchte sich in seine „Zelle“ (oder Kajüte) zurückzuziehen um in dieser Nacht etwas erholsamen Schlaf zu erhaschen, musste schon „sternhagelmüde“ oder mit Ohrstöpseln ausgestattet sein, um noch vor Morgengrauen ins Reich der Träume zu gelangen.

Fazit:
Ein besonderes Erlebnis für uns. Ein vornehmes Ambiente für „ach so gar nicht vornehme“ Musik, interessant für Beobachtungen jeglicher Art.
Spaß hat es uns gemacht und irgendwie auch den Horizont ein wenig erweitert.
Dies war ein Event, welches man so schnell nicht vergisst.

Bericht: Birgit

Fotos: René

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