Wasserfest

Als ich aus einem Halben-Jahrhundert-Anlass ein wenig länger bei Birgit weilen durfte, zeigte sich Berlin von der grauen verregneten Seite, fast schon herbstlich. Also zogen wir am Samstag die wasserfeste Kleidung an, packten zumindest die (eigentlich konzertuntauglichen, aber doch ab und zu und so auch diesmal auf magische Weise den Regen fernhaltenden) Schirme ein und fuhren an die Spree.

Während auf der Bühne ums Wasser gefachsimpelt wurde, unter anderem ein wenig platt darum, wie viel Keime das Wasser verträgt, wechselte dort das Equipment. Vor der Bühne rückten derweil die Menschen in froher Erwartung zusammen. Zuletzt veranlassten hier die acht jungen Musiker von RASCASSE mit ihren erfrischenden, facettenreichen Klängen zwischen Hip Hop, Salsa … und Ska in erstaunlicher Mehrsprachigkeit die Passanten zum Stehen bleiben, Zuhören und Mitwippen.

Aber jetzt wollten wir unseren Höhepunkt des Abends: KEIMZEIT!
Dafür hatte man die Musiker nicht nur in ein enges zeitliches Korsett von 90 Minuten sondern auch die ‚große‘ Bühne zwischen die großen grauen Häuser gequetscht. Im Laufe der KEIMZEIT bildete sich vor und neben der Bühne eine übergroße Menschentraube, ob ein Vorbeikommen dort noch möglich war, vermag ich nicht zu sagen.

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Ich wollte ja auch gar nicht weg. Hatten mich doch gleich die ersten Töne in dieses verlässlich FARBENfrohe Sommergefühl getaucht.

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In diese andere Dimension, wo es nur ein Katzensprung ist bis nach Feuerland, zur anderen PLANETENSEITE und die Macht der Endgültigkeit infrage gestellt wird.

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Zusehen und Zuhören war ein Genuss, machte alles Grau vergessen. Beim Beobachten der Musiker dachte ich, es muss was Wunderbares sein, so Musik machen zu können. Sie sahen so aus, als hätten sie Freude an dem, was sie tun.

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Dazu wirkten die niedlichen lustig-bunt bemalten Kleinen in der vorderen Reihe auf so manchen Musiker als Gute-Laune-Verstärker.

Ein Zugabe-Päckchen war erlaubt, die Moderatorin musste es wohl erst den Musikern mitteilen. Dann sah ich sie textfest, als dieser Chor voll Melancholie Gänsehaut erzeugend „all unseren Träumen und fernen Gedanken…“ nach rief.

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Das Publikum wurde nochmal richtig aufgemischt, auch die Musiker schienen nochmal in Fahrt zu kommen mit KAPITEL ELF, als zwei der Brüder die rhythmische Grundlage nach vorn reichten zum aufgereihten Rest der Musiker und sich die Bläser ganz geschmeidig zu Rudis Gitarrensound bogen.

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Zu guter Letzt hat Norbert alle Kleinen und Großen mit dem alle Angst vertreibenden Schlaflied in eine friedliche Nacht geschickt.

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So sollte es sein.
Danke.

Bericht: Angela

Fotos: René

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