Alle Jahre wieder…

Das war MEIN Weihnachtsfest !

Nach dem kleinen Vorgeschmack auf „ keimzeitliche Weihnachten“ in meiner Heimatstadt Berlin (Angela berichtete in den poetischsten Worten, die es für dieses Ereignis zu schreiben gab), ging es am Samstag, dem 17.12. über einen kleinen Umweg ins Thüringische… (dieses Mal gab es ja eine kleine Lücke in der keimzeitlichen Tourabschlussplanung), wie schon seit einigen Jahren nach Freiberg/Sa., um im Tivoli das musikalische Jahresende zu zelebrieren.

Dieses Mal empfing uns die Stadt ausnahmsweise nicht mit einer geschlossenen Schneedecke, wie aus vergangenen Jahren gewohnt. Jedoch einige Flocken mischten sich im Laufe des Nachmittags in den leichten Nieselregen, nahe der Null- Grad-Grenze und brachten uns bei russisch angehauchten Klängen und aromatischen Heissgetränken auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt so recht in festliche Grundstimmung.

Etwas später, gestärkt von einer überreichlichen Mahlzeit im hiesigen Ratskeller, zog es uns zum Ziel des heutigen Abends, wo wir schon freudig von allerlei Freunden empfangen wurden.
Dieses Mal waren auch lieb gewordene Menschen zugegen, die wir seit längerer Zeit nicht mehr gesehen hatten und welche wir als Freunde für uns schon fast verloren glaubten. Schön, sich endlich wieder zu sehen! Andererseits hatte sich zumindest eine Person optisch so stark verändert ( selbstredend sehr zum Vorteil, wie ich meine), daß ich an ihr wohl mehrfach vorüber lief ohne ihre Anwesenheit zu registrieren. Verzeih mir bitte, Katrin, Du hast noch was gut bei mir 😉

Nun aber endlich zum eigentlichen Highlight des Abends…:

Die Instrumente waren aufgebaut, die Zuschauerreihen verdichteten sich stark. Diesmal handelte es sich endlich wieder um ein Stehkonzert, welches dem natürlichen Drang zu rhythmischen Bewegungen seitens der Publikumsschaar Tribut zollen sollte. Gut so!
So langsam wurde die fröhliche „Meute“ auch ungeduldig und verlangte immer lautstärker durch Klatschen und Pfeifen nach den Protagonisten des Abends und deren musikalischen Vortrag.
Allzu lang sollte dieses Spektakel jedoch nicht andauern. Die Musiker betraten strahlend und gut gelaunt die Bühne und begaben sich an ihre „Arbeitsmittel“.

Zur Feier des Tages wieder in Gesamtheit angetreten, auch der Bläsersatz zeigte sich erstmalig wieder vollzählig, stimmte man sich auf die kommenden zwei Stunden voller harmonischer Klänge ein.

Norbert begrüßte in seiner charmanten Art wie gewohnt Gäste, Freunde und diesmal auch Familien
und erinnerte gleich im Anschluss musikalisch an die vergangenen Jahresenden mit „Frischer weißer Schnee“. Wie schon, wieder einmal etwas, schon vergessen geglaubtes, aus dem stetig wachsenden Schatzkästchen keimzeitlicher Musik hervor geholt und präsentiert zu bekommen.

Mein Kopfkino malte mir Flockenwirbel und weiß bedeckte Dächer und Straßen, ganz der Erinnerung letzter Jahre folgend. Und Erinnerungen sollten an diesem Abend in meinem Kopf noch häufiger eine Rolle spielen…


Aber zuerst wollte man, wohl der weihnachtlichen Botschaft anlehnend, ein „Gutes Beispiel“ geben, dieses mit Augenzwinkern musikalisch darstellen und manchem, ein wenig gedankenlos dahinlebenden Zeitgenossen, vor Augen halten. Ich mag diese swingenden Klänge, zum nachdenklich machenden Text. Die gelungenste Mischung, um zwar anszustoßen, jedoch nicht „fingerzeigend“ zu wirken.
Danach noch ein Griff, gaaanz tief in die Schatzkiste, zeigend, daß Gott und das ICH nicht immer einer Meinung sein müssen. Dann zeigte uns Norbert mit seinen Musikern, daß man manchmal auch etwas ändern kann, wenn man nur will. Denn… „dieses Mal soll alles anders werden…“, oder, man endet als „seltsamer Vogel“ einsam schürfend in seiner Höhle…, nur, wer will das schon?


Dann doch lieber mit „Kolumbus“ in See stechen und nach „Rosetta“ suchen. Wobei wir plötzlich wieder bei den neuesten Werken angekommen wären, welche wir ab 27.04.2012 wohl jeden Tag auf unseren heimischen Playern genießen dürfen.
Wir wurden an „Klassenkampf“ erinnert und daran, daß wohl „nix mehr geht, wenn sich kein Rädchen mehr dreht…“ Uups, da is es wieder „Kopfkino“, Erinnerung: Vor einigen Tagen erst wieder: Lokführerstreik der Berliner S-Bahn, dazu noch Komplettausfall der Signalanlagen…
Angela durfte es live mit erleben. Nur gut, daß die U-Bahn noch fuhr!
Ach jaa…., S-Bahn, ick liebe Dir!!!

Aber weiter im Text:
Durch die witzige Streik-Interpretation schon aufgeheitert, tat das „Schwein“ sein Übriges und mein sentimentaler Kopf ebenfalls. Ich wurde an eine besondere Veranstaltung erinnert. Karaoke mit Keimzeit hieß es vor fast zwei Jahren. Ihr erinnert Euch? ( http://www.elektrofeld.de/live/2010-2/deutschland-sucht-den-keimzeit-star/ )
Dann die allseits beliebten „Bunten Scherben“. Wenn auch mit den Jahren etwas älter und langsamer geworden, war dieses Lied beim Publikum wieder einer der Hits des Abends und wurde vom „Freiberger Publikumschor“ lauthals unterstützt.

Fröhlich gefolgt von den „tanzenden Schildkröten“ und der verblüffenden Rechenaufgabe, die uns zum „Leuchtturm“ führte, dessen Folge mir deutlich vor Augen hielt, daß meine Pfeifkünste doch arg zu wünschen übrig ließen. Da kam mir dann wieder die Fahrt nach „Singapur“ zur Hilfe, bei der ich dann, textsicher und ohne „gespitztem Mund“ voll dabei sein konnte.

Aber auch mein Kopfkino war erneut dabei. Erinnerte es mich schon wieder an ein besonderes Erlebnis der letzten Jahre: Am 26. August 2006 gab es in Jena das Flughafenfest.An sich schön gedacht, nur der Wettergott ward nicht gefragt. Und so bekam „Singapur“ ein ganz besonderes Flair. Man spürte fast körperlich die Gischt, welche das „schäbige Holz“ umspühlte, den „Wind der das Segel zerreißt“, wie auch den Drang, den die Besatzung verspüren musste weiter zu segeln, egal was auch kommen mag. …
Herausgerissen aus kurzen Tagträumen fühlte ich mich nun aufgefordert mit den Worten „Erzähl mir von Dir“. Nun, dies ließ ich dann doch fürs erste bewenden, um mich dem „Kapitel 11“ und der Erkenntnis früherer Fehler hin zu geben.

Dann gings ins Kino. Nein, diesmal nicht in meinem Kopf… „Kintop“ war angesagt und wurde wieder vom Publikum mit zelebriert. Sehr schön und bewegend, wie textsicher und begeistert die Menschenmenge hier agierte. Wie im Kino ging es dann auf Schatzsuche. Norbert suchte mit uns nach „Gold für einen Ring“ bei dem mir wieder eine persönliche Erinnerung ins Hirn schoss.

Keine Ahnung warum, aber dieses Lied erweckt in mir immer wieder die Erinnerung an ein Konzert im Erfurter Haus der Gewerkschaften. Bruchstücke, plötzlich auftauchend und wieder verschwindend, wie der Ruf der Wale, den Sebastian täuschend echt seinem Flügelhorn zu entlocken vermag.
Dann waren die „Flugzeuge ohne Räder“ im Landeanflug. Auch sie entlockten mir Erinnerungen. Zum Einen an mein „wirkliches“ Leben, an all die „Nachtvorstellungen“ die ich gegeben, das „irre Spätprogramm“ welches alltäglicher Wahnsinn bietet, an all die armen Würstchen, deren „Vergangenheit vergammelt“, von denen „keiner mehr weiß, wie es früher war“, wie auch Erinnerungen an nicht enden wollende Dialoge zwischen Saxophon und E-Gitarre, an das Gefühl im Bauch, wenn Rudi das Flugzeug nach gefühlten Stunden Landeanflug tosend auf die Landebahn aufsetzen ließ und es scheinbar trotz der fehlenden Räder langsam ausrollen zu lassen vermochte. Empfindungen, die wohl nie wieder so zurück kommen werden, aber deren Erinnerung mir immer gewahr bleiben wird.

 

In „Farben“ getaucht flogen wir nun weiter. Mir fällt das Konzert in der Berliner Zitadelle im Juli 2009 wieder ein. ( http://www.elektrofeld.de/live/2009-2/zitadelle-spandau-11072009/ )

Große Bühne, großes Publikum, gedimmte Bassgeräusche, wegen der spaßverderbenden Anwohner. Nun, kennt man schon, in der Weltstadt Berlin… Clubsterben wegen Beschwerden der Anwohner, aufgrund von Lärmbelästigung… Mache sich Jeder seinen eigenen Reim darauf…
Firesale lässt uns gesanglich kurz durchatmen und unsere Glieder leicht durchschütteln, bevor wir dem „Singer/Songwrigther Rudi bei „The Letter“ lauschen dürfen. Immer wieder ein Erlebnis, seiner warmen bluesigen Stimme das Ohr leihen zu dürfen.


Nichts desto Trotz werden wir im Anschluss gemeinschaftlich ins „Irrenhaus“ geführt und Jeder von uns überlegt wohl ins Geheim, wen er zuerst seines Amtes beheben und in Selbiges verfrachten möge. Auch die Frage, wer wohl die Plätze im Parlament dann übernehmen sollte, wird wohl Jeder für sich beantworten müssen. Wir ziehen lieber mit „Kling Klang“ die Straßen entlang. Sicher mit nur einem großen Ziel: Keimzeit nahe zu sein, so oft wie möglich!
Auf diesem Weg begegnet uns, wie auch an diesem Abend, hin und wieder ein „Trauriges Kind“, welches mit einem Glasperlenspiel wieder zum Lachen gebracht werden will.
Dann kommt das Unvermeidliche…, oder doch nicht?… Es wird eine junge Dame (wohl niemals wirklich alternd) angekündigt, welche bei kaum einem Konzert fehlen mochte: „Maggie“…
Spontan flimmert mein Kopfkino wieder:
Riesa wars… 28.10.2006, Erdgasarena. ( http://www.elektrofeld.de/live/2006-2/nach-erfurt-kommt-riesa/ ) Ein riesiger Clown aus Plastik nahm mich nach dem Konzert in die Arme … und nahm mir die Tränen des Abschiedes… „ deine Augen die lachen, wenn wir uns seh´n, du bist traurig beim auseinander geh´n“ Nun, kein Abschied für immer und ich bin gewiss „ … wenn wir dann 72 Jahre alt sind, komm´ die Enkel uns besuchen, ich küss Dich auf die Stirn mein Kind und Du bäckst uns nen H… -kuchen“. …


Nun, kein Keimzeitkonzert ohne Zugabenblock…
hier komm ich mit der Reihenfolge ein wenig aus dem Takt. Auf jeden Fall ließ Norbert uns noch das „Wasser den Berg hinunter laufen“ und machte meinen Erinnerungen damit Beine. „So“ war der eigentliche Grund, mich so zu begeistern, mehr und immer noch mehr Keimzeit zu wollen und „So“mit der Grund meines „Hierseins“. Damals auf der Museumsinsel verspürte ich zum ersten Mal dieses Gänsehautgefühl, welches mich beim Hören des Songs auch heut noch beschleicht und mir die Bestätigung gibt, angekommen zu sein.
Dann noch „Nathalie“ … nun, immer wieder gewünscht und gefordert. An sich witzig und sozusagen „massenkompatibel“. Für mich hier nicht viel dazu zu sagen. Geschmäcker sind sicherlich verschieden, gott sei dank! Für meine Begriffe so ein, zwei mal zu viel gespielt und darum ein wenig abgelaufen. …
„Oh Oh Oh“ hätt ich doch fast was vergessen…! wie war der Text nochmal? Ach Norbert, wenn Du´s nicht weißt… , „ich weiß es doch auch nicht…“.
Nun, da das Publikum müde wurde, oder es zumindest sollte, verabschiedete sich die Band mit einem hoheitlichen Tier, welches auch einmal schlafen muss und so manches Kind schon in den Traum gesungen hat, Oder auch nicht? Das Publikum schien jedenfalls noch munter zu sein und spendete noch lange Abschlussapplaus.

Wir machten es uns dann bei einem Bierchen oder anderem anregenden Getränk nach Wahl noch gemütlich, plauderten so einige Zeit fröhlich über Vergangenes und Zukünftiges, bis es hieß, in ein kleineres Etablissement umzuziehen, wo wir dann noch einen Einblick in versteckte Talente unserer „Jungbläser“ zu Gehör und Gesicht bekamen, bis es dann am schon grauenden Morgen hieß, von allen Abschied zu nehmen und die Quartiere aufzusuchen.

Das von Freunden schon vor einiger Zeit geprägte Wort, daß „Keimzeitkonzerte den gleichen Effekt wie mindestens eine Woche Urlaub hätten“, kann ich hiermit nur bestätigen für dieses Wochenende möchte ich noch „einen drauf setzen“ und behaupten: Ein Keimzeit- Tourabschluss-Wochenende ist wie Weihnachten und Silvester gleichzeitig (nebst Jahresurlaub 😉 )

Danke Keimzeit, danke Dirk, danke den Veranstaltern im Tivoli und danke liebe Freunde

wir sehen uns wieder in 2012!

Allen ein furioses Jahresende und einen glücklichen und gesunden Einstieg ins „Keimzeitjubiläumsjahr“

Eure Birgit

Fotos: Jörn und René

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One thought on “Alle Jahre wieder…

    Matthias und Jana said:
    11. Januar 2012 at 19:36

    Hi Birgit,

    was für ein Bericht!!! Den kann man wirklich so oft lesen…eine wirklich äußerst gelungene anhand der setlist zusammengestzte Geschichte und zugleich Keimzeit-Fan-Biografie der letzten Jahre, oder Halbzeit ?.dann müsstet Ihr, Jungs der Band, aber noch 30 Jahre dranhängen… Ja ein schöner Jahresabschluß wars, vor allem mit der Erkenntnis, dass die Jungs wohl auch nach nem Konzert nicht genug kriegen können von der Musik, und der Erfahrung, dass Bläser auch in die Tasten haun können.

    Danke Dir Birgit für das Festhalten der Erinnerungen für die Ewigkeit, wirklich toll….

    Euch allen ein vor Allem Gesundes Neues Jahr 2012 mit recht vielen gemeinsamen KEIMZEITlichen Erlebnissen!

    Vi ses i Raben ( norsk ) ….Sehen uns in Raben !

    Liebe Grüße!

    Matthias und Jana

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