Die Magie der Musik

SARRASANI

„…wenn ich groß bin werd´ ich Zauberer…“ sang er einst (und ist es nicht so?). Nun war Norbert Leisegang mit seinem Akustik Quartett eingeladen in jenes Zelt, in dem sich immer wieder eine Welt aus Magie, Traum, Illusion öffnet, Wirklichkeit und Imagination verschwimmt.

Es ist lange her, dass ich ein Zirkuszelt von innen sah, ich erinnere noch glitzernde Akteure in schwindelerregender Höhe, den hilflos wirkenden Clown, manipulierte kleine und große Tiere, diesen Geruch, schmutzige Planen undefinierbarer Farbe…

Hier war alles ganz anders. Nicht Zirkus – Varieté. Weltstädtische Eleganz! Schon der in warmem Rot gehaltene Vorraum bot gemütliche bis lauschige Möglichkeiten zur Begegnung und lud ein, die Gedanken träumend fließen zu lassen.

Im ausverkauften Zelt wurde das Publikum im Halbrund um die kleine Manege platziert, die gerade groß genug war für dieses keimzeitliche akustische Quartett:

Gabriele Kienast spielt die Geige, mal melancholisch, mal beschwingt, mit so ansteckender Begeisterung, Hingabe und bringt eine unwiderstehliche natürliche Heiterkeit mit, außerdem eine zauberhafte Stimme, die sie sehr harmonisch begleitend einsetzt und dann und wann ist sie Percussionistin.

Den wohl kleinsten Bewegungsradius hat Hartmut Leisegang, so ein Kontrabass ist eine eher weniger flexible Sache, aber es ist schön, wie er uns, sein Instrument liebevoll zupfend oder streiche(l)nd und manchmal nebenbei zusätzlich Rhythmus machend mit so einem kleinen Besen, in die Tiefen der Klangwelt führt.

Rudi Feuerbach, großartig an allen Gitarren, die er zur Hand nimmt und im Dialog mit Gabrieles Geige, erfreut in diesem Programm das Publikum wieder mit seinem Gesang, auch eigener Lieder. Lieder und eine Stimme, die öfter gehört werden wollen.

Norbert Leisegang zieht wie gewohnt das Publikum mit seinen Kopf, Herz und Glieder bewegenden Liedern, mit Gitarre und Gesang, kleinen Anekdoten, ach ja, und mit diesem charmanten Lächeln in seinen Bann.

Mit dem variationsreichen Zusammenspiel dieser reizenden Geigerin und der drei sympathischen Herren und ihrer offensichtlichen Freude daran, sollten wir an diesem Abend ein auserlesenes Konzert erleben dürfen.

Instrumental stimmten sie uns ein. Und sogleich war ein Lauschen im Zelt.
Die bekannten Keimzeit-Stücke wurden in dieser hervorragenden Besetzung natürlich ganz anders beleuchtet, bekamen ein neues Strahlen, so öffnete sich eine weitere Dimension.

Das zum Sitzen Verurteiltsein birgt verschiedene Aspekte. Zum Einen ruft die Musik irgendwann schon sehr nach Bewegung, zum Andern aber hört und sieht man mit viel größerer Aufmerksamkeit zu. Und das tu ich gern.

Nur in Erinnerung bleibende Begegnungen erzählt man weiter, schreibt man auf und liest sie vor, macht ein Lied daraus… oh, ich wünsche unseren Musikern noch viele solcher Begegnungen! Es ist ein großes Vergnügen zuzuhören.

Als dann die Musiker die spanischen Saiten aufzogen, um sich und uns mit den Musiken der Filme aus Sinnlichkeit und Leidenschaft zu umspielen, tauchten sie das Zelt, das Publikum in all diese sich immer wieder wandelnden Farben der Liebe…

Nach der Pause erschienen sie nur zu dritt, Birgit neben mir regte an gen Zeltdach zu schauen, ob Norbert dort vielleicht Beine baumelnd oder gar kopfüber in einem der Geräte zu sehen war, als er dann doch einfach von der Seite heran schlenderte und über Megaphon verkündete weder arbeiten noch essen, nur rauchen zu wollen beim Vergessen – SYMPATIQUE hat so einen fabelhaften Sprachfluss, es klingt einfach schön (manchmal ärgert es mich schon, dass es bei mir nur bis zur zweiten Fremdsprache reichte).

Und schon wieder zwei Stücke, die ich noch nicht kannte, eines, vom unendlich traurigen, unfreien Leben eines Kettenhundes, bringt mir ein kühles dunkles Violett zurück. Und dann den Mondschein. Und die Gänsehaut. Das Andere stellt die Frage nach dem Noch-nicht-Gesehenen und Nie-Gehörten. Die würde ich dann hier weitergeben.

Außerdem hab ich YOU´VE GOT A FRIEND – von Rudi gesungen, Gabriele und Norbert auch als Begleitstimmen – in sehr eindrucksvoller Erinnerung.

Nicht enden wollende Begeisterung im Publikum, es zeigte großes Stehvermögen, um diese fantastischen Musiker ein weiteres Mal zurückzuholen, ein Bleiben wollen und dann ein Leise sein um Gabrieles leuchtendes Kling-klang am kleinen Glockenspiel zu hören.

Mit dem LÖWEN endete ein abwechslungsreicher Abend mit wunderbar ausgesuchten Liedern, Geschichten, wach gerufenen Gefühlen, Stimmungen, Gedankenspielen, voll Rhythmus und Virtuosität, warm, herrlich leicht, melancholisch… zauberhaft. KEIMZEIT bleibt eine Herzensangelegenheit.

Und der Abend klang sehr angenehm aus, Wein, Gespräche, Torte um Mitternacht. Es gab Anlass zum Feiern: Diesmal war René das Geburtstagskind (ich darf´s doch sagen?).

Aber beschenkt fühlten wir uns alle.
Vielen Dank.

Bericht: Angela

Fotos: René

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