KEiMZEiT-SiNFONiE

Es ist doch erstaunlich, dass immer noch irgendwie mehr geht – KEIMZEIT bewegt mich immer, mit den Bläsern wird es würziger, lebendiger, Akustisch wird das Lauschen größer, das Erleben, Fühlen intensiver und nun, mit Orchester, um die Charaktere all der Instrumente reicher, öffnet sich den Sinnen ein neues Tor und ein großes Vergnügen an den farbenfrohen, fassettenreichen Klängen, Schwingungen. Die hier nicht in einem Konzertsaal gefangen blieben, sondern sich unter diesem freien Himmel überall hin ausbreiten konnten.

„Brandenburg spielt hier für Brandenburg“, so sagte Bernd Wefelmeyer zu Beginn, aber dieses Ereignis zu zelebrieren, war man von weit über Brandenburgs Grenzen hinaus angereist.

Das sonst schlafend wirkende Städtchen wird selten so viele Menschen sehen. Bad Belzigs Burg schien an diesem Tag der Mittelpunkt der Republik zu sein.

Schon der sonnige Nachmittag bot immer wieder Anlass zu herzlicher Freude bei fröhlichem Wiedersehen.

Und beim Schon-mal-Reinhören in so manches zauberhafte Stück, denn die Musiker stimmten nicht nur (nein, ich habe sie nicht gezählt!) ihre Instrumente, sondern auch uns ein auf das Kommende, spielten das Eine oder Andere sogar in Gänze. Das war so schön. Erste Gänsehaut. Oder sie spielten es nur an, dann aber wich die kleine Enttäuschung schnell großem, vorfreudigem Gespanntsein.

Ein wenig Zeit blieb noch, die eine kleine dunkle Wolke mit kleinen Regenschauern meinte füllen zu müssen, wahrscheinlich nur, um ihre kleine Macht zu demonstrieren, denn die Schlecht-Wetter-Variante war verworfen worden. Doch ein freundlicher Regenbogen stimmte mich zuversichtlich. Es klarte auf, das Wasser wurde von der Bühne geschoben, die aufgeweichten Spickzettel ausgetauscht. Nun konnte es beginnen.

In seiner Anmoderation stellte uns Peter Lomb KEIMZEIT als die ‚Kapelle seines Herzens‘ vor. Nun, Herr Lomb, genau das war auch der Grund unserer Anreise. Hier hatten doch „alle dasselbe Ziel“.

(Vielleicht wäre es gut gewesen, an der Stelle gleich die zeitlichen Zwänge zu erwähnen…?)

Zuerst ein bekanntes Bild: KEIMZEIT und die Bläser; doch nicht ganz – Robert Fränzels Platz am Saxophon, später auch an der Querflöte und als Background-Sänger hatte ein hervorragender Ede Merkel eingenommen.

Funken sprühend verbreiteten unsere Lieblingsmusiker sofort beschwingte gute Laune.
Dann endlich war es an der Zeit das Deutsche Filmorchester Babelsberg willkommen zu heißen. Ich war sehr neugierig. Und froh, dass sich hier, anders als im Theater oder in Konzertsälen, so eine Zurückhaltung aus Unsicherheit ausschloss.

Eindrucksvoll verband sich nun die Klangpracht des Orchesters, diese wunderbaren seligen Tongebilde mit den keimzeitlichen LebensLiedern zu etwas Besonderem, ergänzt durch den großen Chor gegenüber der Bühne. Allgemeinsame Musik. Und in allen Gesichtern glänzte Freude. Die Musiker spielten fabelhaft zusammen, brachten einander großen Respekt entgegen.

Teilweise sah ich Sinfoniker ‚während der Arbeit‘ mitsingen oder bei Stücken ohne Orchester in den hinteren Reihen animierend den Rhythmus klatschen, mindestens die Füße im Takt wippen… manchmal ließen sie Blicke durchs Publikum schweifen, die ich irgendwo zwischen Erstaunen und Skepsis ansiedeln würde. Doch. Wir haben verstanden: gute Musik (egal ob Klassik, Rock, Jazz,…) ist die Sprache des Gefühls, eindringlich, mitreißend, unentrinnbar. Und größer, als dass ich es mit meinen unbeholfenen Worten angemessen beschreiben könnte. Ich tu es auch nur, weil meine erlebte Freude raus will.

Nach der Pause nahmen nur die Orchester-Musiker Platz, auch an Piano, Gitarre und Schlagzeug, einzig das Sänger-Mikrofon blieb unbesetzt. Das erklärte sich sogleich bei den ersten Tönen des Liedes ALS ICH FORTGING… in der einhelligen Resonanz des Publikums, das sich hier eingeladen fühlte, den Gesangspart zu übernehmen.

Und die Melancholie blieb und floss unaufhaltsam in mein Herz, als KEIMZEIT wieder dazu kam und diese unendlich schönen, traurig-schönen VALENTINSTAGSBLUMEN und ROSETTA mitbrachten.

Ach, es wäre noch so viel zu sagen von den an den Strand gespülten Wellen, an dem man sich mit dem LEUCHTTURM plötzlich wähnte, von den faszinierenden Bläser-Soli,

vom leisen Cello, vom energischen Bass und dem sich hier fast zurückhaltenden Rudi, vom Augenzwinkern in der Ambivalenz der Musik zum Text, die der STREIK oder DAS GUTE BEISPIEL, zum Beispiel, in sich tragen, vom berauschten Publikum und dem Austausch freundlicher Blicke…

Als der Abend langsam zu Ende gehen wollte, gingen wir noch einmal mit den Musikern auf eine fantastische Reise nach SINGAPUR, die ganz still mit des Pianisten Vorspiel begann und auf der schließlich mit Macht alle ‚Träume und fernen Gedanken‘ preisgegeben wurden.

Eine Zugabe wurde uns dennoch gewährt, vorher stellte der Dirigent fest, dass Ralf Zickerick, dem hier das Posaunen-Solo gehören sollte, nur ab und zu musikalisch fremd ginge und er ließ sich bestätigen, dass Musiker so etwas natürlich andernfalls nicht tun.

Dann ließ James Bond grüßen, das Orchester intonierte imposant LIVE AND LET DIE. Und es war schon fast ganz dunkel, als meine beiden, diesmal noch recht wachen Kinder von Norbert den LÖWEN vorgesungen bekamen.

Offensichtlich brachte auch der eine oder andere Sinfoniker seine Kinder auf die gleiche Weise ins Bett. Der Text saß.

Mit einem letzten gemeinsamen SO war es Zeit auseinander zu gehen.

Leidenschaftlicher Applaus widerspiegelte das Hochgefühl, die Begeisterung, die die Musiker hinterlassen haben.

Schade nur, dass das beharrliche Bleiben und die ausdauernden Zugabe-Rufe in der Nacht verhallten… über den Dächern der schlafenden Stadt.
Doch es bleibt die Musik, die meine Seele streichelte und unvergessen in meinem Herzen wohnt.

Ganz herzlich danke ich allen an diesem wohltuenden Abend Mitwirkenden und den Ausdenkern und Ermöglichern.


© www.skb-tv.de

Bericht: Angela

Fotos: Dominik (Aufbau), René (Konzert)

Video: Birgit

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4 thoughts on “KEiMZEiT-SiNFONiE

    Birgit said:
    31. August 2011 at 21:36

    Endlich haben wir es geschafft, das Video mit den kleinen Interviews und Impressionen vom Konzert ist nun online. Schaut mal hier rein. Vll. erkennt sich ja der eine oder andere wieder. 😉
    LG Birgit

      Angela said:
      7. September 2011 at 12:15

      Ist doch richtig schön geworden, so krieg ich diesen herrlichen Tag nochmal zurück, danke Birgit!

    Steffen Bohl said:
    10. August 2011 at 14:10

    Es ist wunderbar, wie der Bericht von Angelika und die brillanten Fotos die Erinnerungen an diesen schönen Sommerabend in Bad Belzig wach halten. Mein Kompliment auch an Dominik und René für den sehr schönen und professionellen Blick auf die Dinge.

    Steffen Bohl
    Potsdam

    Nicy said:
    24. Juli 2011 at 21:08

    Wirklich schöner Bericht und richtig gute Fotos!!
    LG Nicy

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