Liederwahn im Theaterkahn

Hier nun mal entgegen der sonstigen Art, ein Bericht ohne Fotos.

Elbflorenz lockt auf vielfältige Weise Gäste zu Besuch an. In diesem Falle mit den von uns gern gesehenen und liebgewonnenen Menschen des KEIMZEIT Akustik – Quartetts. Die Karten waren schon längst bestellt , die Vorfreude enorm, schon weil sich der hiesige November mit seinen Nebelschwaden, dem zeitigen Dunkelwerden und dem ganzen üblichen depressiven Herbstkram ganz übel auf das stressgeplagte Gemüt legte. Schon allein deshalb sind die Gelegenheiten, die Band oder das Quartett zu sehen so unglaublich wichtig für das Gleichgewicht der Seele. Ein Konzert mit den „lieblichen Weisen“ ist fast so wie eine Woche Urlaub.

Aber bevor wir dergestalt selig in die Erholung gleiten durften, stellten wir uns erst mal schön in eine Autoschlange, mit erheblichem Zeitverzug versteht sich, welcher auch mit beherztem Druck auf den Fußhebel rechts, nicht ganz wett zu machen war. Schön ist anders, gaaaanz anders. Auch ist es immer wieder eine Erbauung, wenn man dem Ziel der Reise sich nahe glaubt, eine Möglichkeit zu finden sich des Fahrzeuges temporär zu entledigen, sprich: Parkplatzsuche. Ganz besonders fein ist dies, wenn zeitgleich der „Striezelmarkt“ seine Pforten geöffnet hält. Aber auch das ging schließlich in Ordnung, schnell noch einen halben Meter Bratwurst „inhalieren “ um dann ganz maritim piraten-like den Theaterkahn zu entern.

Rein äußerlich bot der Kahn nur Raum für Spekulationen, seine inneren Werte überzeugten jedoch schnell. Sehr gemütlich, wenn man so sagen darf präsentierte sich nach kurzer Wartezeit im Foyer der Theaterraum auf zwei Ebenen. Wir hatten sehr gute vordere Plätze auf dem Balkon, so dass wir dem Geschehen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen konnten. Bevor jedoch das Quartett in Erscheinung trat hatten wir die Gelegenheit eine uns unbekannte Frau namens Sabrina Ascacibar, ihres Zeichens Schauspielerin, Tänzerin und an diesem Abend Sängerin mit ihrer Band in ihrem Programm zu sehen und zu hören.

Nach einer kurzen Umbaupause, einem kleinen Getränk und anderen Kleinigkeiten war es dann so weit: Unter Applaus betrat Norbert Leisegang die Bühne um sich einer hochnotpeinlichen Befragung zu unterziehen. Nein, Spass: Einer der Moderatoren des Abends interessierte sich für die Zeit, die die Band in Andalusien verbrachte um ihr neues Album aufzunehmen. Norbert erzählte von der Zeit bei Paul Grau, dem Produzenten des Albums, von den Vorbereitungen und von den Ergebnissen, soweit das vor der Veröffentlichung des Albums möglich ist. Denn ein Rest an Spannung soll sich ja noch bis in den April des kommenden Jahres retten, wenn unsere Protagonisten ihr dreißigstes Bühnenjubiläum begehen.

Auch über die Geschichte der Band wurde kurz geplaudert, dass es in der Band ebenso viele Emotionen gibt, wie in einer langjährigen Beziehung, wen wundert´s, da die viele Zeit welche die Musiker miteinander verbringen ja fast dieselbe Quantität aufweist wie in einer Ehe. In dem Flyer, der mit den Eintrittskarten verschickt wurde stand: … 1997 bis 2007 legte Keimzeit eine krative Pause ein…. ????? Das wäre aber sehr „kreativ“ und mit Verlaub, das hätte von uns „Hofnarren“ keiner ausgehalten(zumal sich das mit der Zeitspanne deckt, in welcher wir dem „fahrenden Volk“ nach reisen). Das war schlecht recherchiert. Die Phasen der Regeneration seien jedem gegönnt, aber die vierzehn Monate Pause die es gab, waren hart genug. Es gab noch zu berichten, wie es zum Akustik – Quartett gekommen sei und welche Intentionen es gab und gibt dieses musikalische Projekt durchzuführen.

Nachdem Norbert Rede und Antwort gestanden hat, bat er die Mitglieder des Ensembles auf die Bühne um den Abend für uns seiner Bestimmung zu zuführen. Die bezaubernde Violinistin Gabriele Kienast, der sehr konzentriert wirkende Kontrabassist Hartmut Leisegang und Rüdiger Feuerbach, der Saitenviruose halb Akustikgitarre halb E-Gerät. Man hub an in der gewohnten Manier, nicht ohne vorher noch ein wenig an den Cinch-Steckern rum zu bosseln. Da es um eine Radioaufzeichnung ging, darf man annehmen, dass bei der Ausstrahlung im Radio davon nichts mehr zu hören ist. Schade eigentlich, denn Rudi überspielte diese Bastelei mit seinem charmantesten Lächeln. Nun folgte der Ablauf wie er so ähnlich dem geneigten Leser schon begegnete, Keimzeit –Klassiker und vielversprechende Musik vom Gitarrero und zusätzlich feine Musik aus Filmen mit der Untermalung der Violine. Gabriele kann machen, dass bei jedem Wetter die Sonne scheint – bis ins Herz. Alles in Allem eine gelungene Vorstellung mit feiner Akustik, was auch sonst, da ja auch Jürgen Block wieder seine güldenen Technikerhände im Spiel hatte. Es sei jedem der dies noch nicht erlebte, an dieser Stelle empfohlen, sich alsbald ein paar Eintrittskarten zu sichern und Keimzeit in dieser bezaubernden Zusammensetzung zu genießen.

Bis demnächst

Bericht: Annett und Lutz

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One thought on “Liederwahn im Theaterkahn

    Jörn said:
    1. Dezember 2011 at 20:46

    Mal wieder ein wirklich erquikender Bericht von euch. Hach zum Glück ist nicht mehr lang hin bis Freiberg…

    Lg Jörn

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